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13. Februar 2021

Wald braucht mehr Unterstützung durch die Jagd

Das Schreiben des "Netzwerkes Wald mit Wild" an den Bundestag (s.u.) nimmt einseitig für eine überkomme Jagd gegen den Wald Stellung und enthält viele fragwürdige Positionierungen. 

 

Der Bund Naturschutz Bayern (BN), die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Bayern (ANW Bayern) und der Ökologische Jagdverein Bayern (ÖJV Bayern) - allesamt Unterstützer von hunting4future - haben darauf geantwortet.

Sehr geehrter Herr Bundestagsabgeordneter,

 

mit der Novelle des Bundesjagdgesetzes sollen überkommene Zielsetzungen aus dem Reichsjagdgesetz dem aktuellen Wissen angepasst werden und Fehlentwicklung in der Jagd korrigiert werden. Seit Jahrzehnten steigen Wildbestände von Reh, Hirsch und Gams an. Zusammen mit haustierähnlichen Fütterungspraktiken und Trophäenkult führt dies zu verheerenden Verbissschäden im deutschen Wald und zu steigenden Wildunfallzahlen. Wir treten als Naturschützer, Förster, Waldbesitzer und Jäger für angemessene Wilddichten ein, weil diese gut sind für die Wildtiere selbst, für ihren Lebensraum und gut für die Artenvielfalt. Wildtiere gehören natürlich zum Wald, aber nicht in so großer Zahl, dass sie ihn dauerhaft schädigen! Entscheidend ist der Schutz der Lebensgrundlagen! 

 

Es geht darum, die ökologische Vielfalt in unseren Waldökosystemen zu erhalten, angefangen von den jungen Bäumchen bis hin zu den verbissgefährdeten krautigen Pflanzen. Diese gilt es zu stärken und zu schützen, auch weil so ein gesunder Waldboden erhalten werden kann, der Wasser aufnehmen und speichern kann. Es geht hier um die Zukunfts- und Überlebensfähigkeit unserer Wälder. Angesichts der massiven Umweltveränderungen ist es dringend geboten zu handeln.

 

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, die Wälder in Deutschland brauchen in der Klimakrise eine starke Unterstützung durch die Jagd. Wir appellieren an Sie mit der Bundesjagdgesetznovelle die Weichen so zu stellen, dass die gerade in der Klimakrise notwendigen Naturverjüngungen sowie Pflanzungen beim Waldumbau möglich werden. 

 

Vor kurzem haben Sie zur Thematik ein Schreiben von Vertretern der Jägerschaft erhalten, die sich „Netzwerk Wald mit Wild“ nennen. Darin wird auf vermeintlich negative Folgen für das Wild durch die Novelle des Bundesjagdgesetzes abgestellt. Im Kern geht es diesem Jagd-Netzwerk aber darum, überfällige Veränderungen bei der Jagdausübung zu verhindern, indem Wildtiere als Leidtragende vorgeschoben werden. Eine Anpassung der Schalenwildbestände an den Lebensraum Wald, die eine Waldverjüngung ermöglichen würde, wird abgelehnt. 

 

Die Kritik des Jagd-Netzwerkes an den Vorschlägen zur Novellierung des seit 1976 geltenden Bundesjagdgesetzes geht an den fachlichen und rechtlichen Grundlagen vorbei. 

 

Bei der Waldverjüngung geht es vorrangig nicht um Ökonomie, sondern um Nachhaltigkeit!

Die Aussage des o.g. Jagd-Netzwerkes, „rein ökonomische Gründe“ würden das Töten nicht rechtfertigen, ist aus mehreren Gründen unzutreffend. 

 

Fakt ist, dass die Jagd von Schalenwild in erster Linie dazu dient und auch zwingend notwendig ist, die Lebensgrundlagen zu erhalten, d.h. die Waldökosysteme und ihre Verjüngungsfähigkeit. Eine Naturverjüngung oder ein Waldumbau mit Mischbaumarten gelingen eben nur, wenn die Verjüngungen nicht aufgefressen werden. Es geht darum, Zukunftswälder mit ihrer gesamten Waldbiozönose so zu gestalten, dass sie der Klimakrise bestmöglich gewachsen sind. 

Die zu starke ökonomische Ausrichtung oder die Fehler der Forstwirtschaft lassen sich kritisieren. Es bleibt aber festzuhalten, dass diese nicht ursächlich sind, wenn überhöhte Wildbestände die Verjüngung auffressen. Beim Schwarzwild ist allseits anerkannt, dass es wegen der Wildschäden auf Äckern intensiv bejagt werden muss. Das Ansinnen des Jagd-Netzwerks beim Rehwild und bei der Waldwirtschaft einen völlig anderen Maßstab anzulegen ist abzulehnen. Richtig ist, dass durch überhöhte Wildbestände erhebliche Schäden und Mehrkosten entstehen können, die für sich allein schon Waldwirtschaft zum Verlustgeschäft machen können. Wir halten es dagegen für legitim, dass durch naturnahe, nachhaltige Landnutzung auch Gewinne, ggfs. mit staatlicher Unterstützung, erwirtschaftet werden.

 

Es ist völlig unverständlich, dass das „Netzwerk Wald mit Wild“ diese unstrittigen Erkenntnisse ignoriert oder gar negiert und dies auf Teilaspekte der Ökonomie verkürzt. Wäre es nicht ein Tabubruch, die gesellschaftlichen Interessen an intakten Wäldern und die legitimen Interessen der Waldbesitzer dem Freizeitinteresse eines Teils der Jägerschaft als kleiner Minderheit zu opfern?

 

Überhöhte Wilddichten schaden nicht nur dem Lebensraum Wald, sondern auch den Wildtieren

 

Überhöhte Wilddichten gefährden nicht nur den Lebensraum, sondern die Wildtiere selbst: sie führen zu mehr Wildkrankheiten (z.B. Gamsblindheit, Gamsräude, Schweinepest, Tuberkulose und Myxomatose), zu mehr Wildunfällen und zu mehr Kämpfen um kleinere Reviere. Angepasste Wildbestände bedeuten dagegen für Wildtiere weniger Stress mit konkurrierenden Artgenossen, mehr Fitness und höheres Körpergewicht. Durch abgesenkte Wildbestände lassen sich auch die hohen Wildunfallzahlen vermindern. Das bedeutet weniger Tierleid, aber auch weniger Leid für beteiligte Menschen. 

 

Widersprüche und verschiedenen Maßstäbe beim „Netzwerk Wald mit Wild“ 

 

Die Argumentation des „Netzwerkes Wald mit Wild“ ist zudem widersprüchlich. Denn wenn, wie im Schreiben vom 1.2.21 zu lesen, ein „ethisch fairer Umgang“ … mit heimischen Wildtieren… „die höchste Prämisse des Handelns“ wäre, müssten z.B. die Fallen- und Baujagd sofort abgeschafft werden. Wenn man überzogene Maßstäbe, wie sie das Jagd-Netzwerk in seinem Brief formuliert hat (s. Anl. 1 zu Art. 21 Abs. 1), an die Jagd generell anlegt, wirft das die Frage auf, ob die Jagd nicht einzustellen wäre, was wir jedenfalls nicht befürworten. 

 

Zahlreiche Positivbeispiele

 

Es existieren zahlreiche Beispiele, wie sich bei angepassten Reh- und Rotwildbeständen der Wald selbst artenreich verjüngt und somit den teuren Waldumbau kostenlos und leicht gelingen lässt – bei weiterhin guten Jagdmöglichkeiten. Die für die Waldverjüngung aus Steueraufkommen gewährten Fördermittel müssen effizient eingesetzt werden. Die Befürchtung, sie als bloßes „Wildfutter“ verpuffen zu lassen, ist auszuräumen. Erfreulich und richtig ist es, wenn sich Jagende für die Erhaltung und Verbesserung der Wildlebensräume einsetzen und achtenswert, wenn sie es mit hohem Engagement verrichten. 

 

 

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung!

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Richard Mergner, BN-Landesvorsitzender

Prof. Dr. Manfred Schölch, ANW-Landesvorsitzender

Dr. Wolfgang Kornder, ÖJV-Landesvorsitzender

 

BN, ANW Bayern und ÖJV Bayern zu Netzwerk Wald mit Wild
BJagdG-Netwerk WmW - BN, ANW By, ÖJV By.
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08. Februar 2021

„Netzwerk Wald mit Wild" gegründet

Immer mehr Gruppierungen und Einzelpersonen tun sich zugunsten hoher Schalenwildbestände gegen den Wald zusammen und nehmen Einfluss. Die jüngste Neugründung ist das „Netzwerk Wald mit Wild“, wo sich Jäger gegen den Wald positionieren und mit der Unterstützung gewichtiger Vertreter aus der Wirtschaft die Novellierung des Bundejagdgesetzes zuungunsten des Waldes beeinflussen wollen: www.natuerlich-jagd.de/news/eine-starke-stimme-fuer-unser-wild.html

Im Anhang des Artikels über das Netzwerk „Wald mit Wild“ ist das von uns bereits kommentierte Schreiben der Wildbiologen Prof´s Stubbe/Pfannenstiel/Herzog. Im Link findet sich unsere auch in der ÖkoJagd veröffentlichte Stellungnahme.

Es zeigt sich, dass waldfreundliche Verbände oder ein Bündnis wie hunting4future dringendst nötig sind, da uns ansonsten diese Entwicklung überrollt. Nur gemeinsam sind wir stark und können Paroli bieten.

Dr. W. Kornder

(Vorsitzender ÖJV Bayern / Mitinitiator hunting4future)