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16. Februar 2021

Jagdberater*innen tragen hohe Verantwortung

 

Zur Schriftlichen Anfrage des Abgeordneten Hans Urban (Grüne) vom 19.10.2020 betreffend Bayerische Jagdberater*innen. Beantwortet am 11.12.2020

 

Jagdberater*innen haben in den Unteren Jagdbehörden eine wichtige Funktion, da sie den Verwaltungsbeamt*innen, die oftmals nicht vom Fach sind, Entscheidungshilfen geben sollen. Ihre Einschätzung und ihre Haltung sind deshalb oft von weitreichender Bedeutung. Von daher ist die Auswahl der Jagdberater*innen ohne Zweifel sehr wichtig.

Voraussetzungen für das Amt des Jagdberaters

Die erste Frage der Schriftlichen Anfrage bezog sich darauf, welche Voraussetzungen ein Jagdberater erfüllen muss. Die einzige klare Vorgabe ist der Besitz eines gültigen Jagdscheins. In der Antwort heißt es weiter: „Dabei ist zu beachten, dass die Persönlichkeit die Aufgabe sachkundig, gewissenhaft und unparteiisch ausüben kann.“
Wenn man sieht, wie Jagdberater*innen in manchen Behörden agieren, kann man seine Zweifel bekommen. Ich darf von einem meiner Revier berichten, das im Landkreis Ansbach liegt: 8 Hegeringe von 25 sind grün, man bewegt sich also im Schlusslicht Bayerns. Mein Revier liegt in einem roten Hegering und ist natürlich grün. Allerdings gibt es enormen Zuzug von außen und das inmitten von Käferkalamitäten und Trockenschäden. Um hier vorzubeugen und Naturverjüngung im lichter werdenden Altholz noch besser zu ermöglichen, hatte ich nunmehr zweimal Schonzeitaufhebung beantragt, um den von der Unteren Jagdbehörde gegen meine Einschätzung festgelegten sehr hohen Abschuss zu erfüllen. Beide Anträge wurden abgelehnt. Die Untere Jagdbehörde berief sich auf das als grün eingestufte Revier und folgte dem Votum des hochbetagten Jagdberaters, der das Wild schützt - auch in  roten Revieren - und bestens im BJV etabliert ist.
Von Sachkunde und Unparteilichkeit ist oftmals wenig zu spüren. Weitere Beispiele aus ganz Bayern ließen sich hier nach Belieben anführen.

Auf diesem Hintergrund ist der Teil der Schriftlichen Anfrage aufschlussreich, der die Revierpächter*innen unter den Jagdberater*innen näher betrachtet.

Jagdberater als Revierinhaber

Von den 201 Jagdberater*innen in Bayern waren 2020 119 Revierinhaber*innen. 64 Jagdberater*innen und stellvertretende Jagdberater*innen von ihnen haben Reviere in einer „grünen Hegegemeinschaft“. 26 Jagdberater*innen davon (gut 40%), die teils in mehreren Revieren Pächter*/Mitpächter*innen sind,  hatten freiwillig ein revierweises Gutachten erstellen lassen, das mit deutlicher Mehrheit im grünen Bereich lag (26 grün, 6 rot).
Demgegenüber haben 56 Jagdberater*innen und stellvertretende Jagdberater*innen Reviere in einer „roten Hegegemeinschaft“. Die Reviere von 40 dieser Jagdberater*innen und stellvertretenden Jagdberater*innen wurden  im Rahmen einer ergänzenden Revierweisen Aussage als „zu hoch“ oder „deutlich zu hoch“ eingestuft.
Das heißt im Klartext: Unter allen der Jagdberater*innen, die Reviere gepachtet haben, hat gut jede dritte ein rotes Revier!  

Resümee

Man muss sich vergegenwärtigen, dass Jagdberater*innen einmal einen hohen Einfluss in der Behörde haben und andererseits Vorbildwirkung unter den Jäger*innen. Wenn ein gutes Drittel der revierinhabenden Jagdberater*innen rote Revier produziert, ist das natürlich ein schlechtes Vorbild. Wenn die Jagdberater*in die gesetzlichen Vorgaben schon nicht umsetzt, warum sollen das dann die anderen tun?

Es könnte neben der Haltung evtl. auch der fehlende fachliche Hintergrund mit hinein spielen. Lediglich 32 aller Jagdberater*innen (ca. 16%) haben eine forstliche Ausbildung. Im Zeitalter von Waldsterben 2.0 ist das offensichtlich zu wenig.

Deshalb wäre zu überlegen, ob im derzeit rasant fortschreitenden Klimawandel und dem daraus resultierenden Waldsterben 2.0 eine forstliche Ausbildung als Voraussetzung für das Amt der Jagdberater*in angestrebt werden sollte. Und weiter sollte überlegt werden, ob für das Amt der revierinhabenden Jagdberater*innen nicht zwingend ein grünes Revier Voraussetzung sein sollte.

Ich möchte mich ausdrücklich bei den knapp 2/3 der revierinhabenden Jagdberater*innen bedanken, die grüne Reviere haben. Sie unterstreichen damit, dass sie ihren Auftrag ernst nehmen. Das sollte gerade im Waldsterben 2.0 eigentlich der Normalfall sein.

Dr. Wolfgang Kornder
(ÖJV-Vorsitzender und seit Jahrzehnten Jagdpächter) 

Landtagsanfrage zu Bayerischen Jagdberater*innen
Bayerischer Landtag: Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Hans Urban BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
18_0012055.pdf
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