Newsletter

 

Pressemitteilung

 

des Ökologischen Jagdvereins Bayern

 

25. November 2021

 

Forstliches Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2021 –

trotz drängender Klimakrise eher Verschlechterung!

 

Forstministerin Michaela Kaniber hat die Ergebnisse des Forstlichen Gutachtens zur Situation der Waldverjüngung 2021 vorgestellt.

 

-       Insgesamt eine Verschlechterung

-       Leichte Verbesserung im Bergwald

-       Sorgenkinder Eiche, Weißtanne und Edellaubholz

-       Wir bräuchten bayernweit endlich waldverträgliche Wildbestände

 

Insgesamt eine Verschlechterung

 

Das neue Gutachten 2021 zeigt gegenüber dem von 2018 ein ernüchterndes Ergebnis: In nunmehr der Hälfte der Hegegemeinschaften (50 %) wird die Verbisssituation als zu hoch oder gar deutlich zu hoch bewertet (2018 47%). Die Hegeringe mit einer günstigen Verbisssituation sind auf 3% gesunken (2018 4 %). Dieses Ergebnis zeigt, dass zu vielen Revierinhaber der Waldzustand in der Klimakrise relativ egal ist.

 

Leichte Verbesserung im Bergwald

 

Obwohl es im Bergwald gegenüber 2018 leichte Verbesserungen beim Edellaubholz gibt, ist „die Verbissbelastung angesichts der langen Verjüngungszeiträume im Bergwald trotzdem noch zu hoch“ (Forstliches Gutachten 2021). Der Bergwald hat wichtige Schutzfunktionen, die durch die immer noch zu hohen Schalenwildbestände gefährdet sind.

Interessanterweise ist die leichte Verbesserung im vom Staatswald dominierten Bergwald trotz des Corona bedingten Freizeitdruckes gelungen, welcher in weiten Teilen Bayerns als Hinderungsgrund für den nicht ausreichenden Abschuss ins Feld geführt wird.

 

Sorgenkinder Eiche, Weißtanne und Edellaubholz

 

Die wichtigsten klimatoleranten Baumarten sind unzweifelhaft Tanne, Eiche und das  Edellaubholz. Leider werden sie besonders gerne vom Schalenwild verbissen: Tannen (11%) und Eichenverbiss (25%) sind wie der Edellaubholzverbiss (23%) grundsätzlich noch viel zu hoch. Im Bergwald, wo die Wachstumsperiode viel kürzer ist, stagniert die Tanne bei 9% und ist damit weit unter dem in einem Bergwald natürlichen Wert (ca. ein Drittel).

 

Wir bräuchten bayernweit endlich waldverträgliche Wildbestände

 

Dieser leicht abgewandelte Aufruf von Staatsministerin Kaniber ist mitten in der Klimakrise, die den Wäldern stark zusetzt, nur allzu verständlich. Denn klimastabile Wälder sind aufgrund ihrer vielen Funktionen für unsere Gesellschaft immer wichtiger. Der Auf- und Umbau dieser Wälder darf durch die Jagdegoismen einer kleinen Minderheit unserer Gesellschaft (ca. 0.3% sind Jäger), nicht weiter beeinträchtigt werden. Dr. Wolfgang Kornder fasst zusammen: „Die Schalenwildbejagung hat endlich die gesetzlich vorgegeben Ansprüche zu erfüllen, weil klimastabile Wälder für unsere Gesellschaft systemrelevant sind.“

 

Ungeachtet der Systemrelevanz unserer Wälder sind die immensen Kosten für Schutzmaßnahmen nicht mehr hinzunehmen. Es ist ohnehin ein Kuriosum, dass 16,2 % aller Aufnahmeflächen schalenwildsicher geschützt sind und deshalb für die Verbissaufnahmen nicht genutzt werden konnten, obwohl das Waldgesetz vorschreibt, dass die Verjüngung „im Wesentlichen ohne Schutzmaßahmen“ hochkommen muss  (Art. 1 Abs. 2 Nr. 3 BayJG). Allein schon aus Kostengründen muss deshalb das „Kuscheln“ mit der mächtigen Jägerlobby aufhören, die oftmals  ihrem gesetzlichen Auftrag nicht nachkommt.

 

Der Ökologische Jagdverein Bayern fordert deshalb das Ministerium und die  nachfolgenden  Jagdbehörden auf, die Abschusszahlen für die kommenden drei Jagdjahre deutlich höher fest- und auch durchzusetzen. Bei der Überwachung der Erfüllung der Abschussplanung muss konsequent darauf geachtet werden, dass diese Abschüsse auch tatsächlich getätigt werden. Nur so können flächig zukunftsfähige Wälder entstehen.

 

Vor allem die Rehwildbejagung muss forciert werden. Aber auch die in vielen Gebieten zu hohen Rotwilddichten müssen reduziert werden. Dort, wo Rotwildgebiete mit entsprechenden Verbissschäden im Staatswald liegen, ist mehr Engagement der Verantwortlichen nötig. Auch die Gamsbestände sind in manchen Teilbereichen zu verringern und im Gebirgswald sind die Schonzeitaufhebungen in den Sanierungsgebieten weiter konsequent umzusetzen.

Dr. W. Kornder: „Was wir dringend brauchen sind klimastabile Wälder, nicht zu hohe Schalenwildbestände. Es kann auch nicht sein, dass darüber eine kleine gesellschaftliche Gruppe uneinsichtiger Jäger bestimmt!“

 

Dr. Wolfgang Kornder

(1. Vorsitzender des ÖJV Bayern)

 

 

Hintergrundinformationen zum Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung

 

Die Bayerische Forstverwaltung erstellt seit 1986 alle drei Jahre die Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung. Bayernweit wurden bei den Aufnahmen im Frühjahr 2021 rund zwei Millionen junge Waldbäume daraufhin untersucht, ob und wie stark sie durch Schalenwildverbiss (vor allem Rehwild, Rotwild und Gamswild) beeinflusst sind.

Wesentlicher Maßstab für die abschließende Wertung der Verbisssituation im Gutachten ist das Erreichen des „Waldverjüngungsziels“ des Bayerischen Jagd- und Waldgesetzes. Demnach sollen sich die standortgemäßen Baumarten „im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen“ natürlich verjüngen können.

Die 2012 eingeführten Revierweisen Aussagen bringen mehr Klarheit weil sie herausstellen, wo die „Schwarzen Schafe“ in manchen Hegeringen weiden.

 

Unter folgendem Link finden Sie den Bericht zum Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2021:

www.stmelf.bayern.de/mam/cms01/wald/dateien/forstliche_gutachten_2021_web.pdf

Die Ergebnisse der einzelnen Hegegemeinschaften 2021 finden Sie hier:

www.stmelf.bayern.de/mam/cms01/wald/dateien/forstliche_gutachten_2021_hegegemeinschaften_ergebnisse.pdf

 

 

Über den ÖJV
Der Ökologische Jagdverein ist ein 1988 gegründeter Jagdverband, der sich der ökologischen Jagd verpflichtet hat. Der ÖJV reformiert aktiv das deutsche Jagdwesen und trägt dazu bei, dass die Jagd auch in Zukunft in der Gesellschaft Akzeptanz findet.
Der ÖJV sieht die Jagd als eine legitime Form der nachhaltigen Naturnutzung an. Die Ökologie soll dabei als wertfreie Wissenschaft Grundlagen für die Jagd liefern, von der Waldbau, Natur-, Arten- und Tierschutz betroffen sind. Aufgabe der Jagd ist es, in der Kulturlandschaft ökologische und unzumutbare ökonomische Schäden zu verhindern und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. Demzufolge muss beispielsweise das Schwarzwild wegen seiner Schäden in der Landwirtschaft oder Schalenwild wie Rehe wegen ihrer Schäden im Wald reguliert werden.

http://www.oejv-bayern.de

 

PM_ÖJV_Forstliches Gutachten 2021 - End
Adobe Acrobat Dokument 243.9 KB