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Presseerklärung zum Verbissgutachten 2015 in Mittelfranken

In seiner Erklärung vom 11. November 2015 teilt StMinister Brunner zum Ergebnis des Bayerischen Verbissgutachten u. a. mit: „Der bayernweite Anteil der durch Rehe, Hirsche und Gämsen verbissenen Waldbäume hat sich auf dem Niveau von 2012 stabilisiert. Bei Nadelbäumen ist er von vier auf drei Prozent zurückgegangen, bei Laubbäumen liegt er konstant bei 18 Prozent. „Dank der Anstrengungen unserer Jäger und Waldbesitzer können wir insgesamt mit dem Ergebnis zufrieden sein“, sagte Brunner. Vor allem bei der Tanne und im Bergwald wurden Fortschritte erzielt. Allerdings gibt es regionale Unterschiede. So hat sich die Situation in Niederbayern und Schwaben verbessert, in Ober- und Mittelfranken hat der Verbiss zugenommen. Während in Bereichen mit erhöhtem Verbiss die Anstrengungen verstärkt werden müssen, will Brunner in Regionen mit positiver Verbissbewertung das Abschussplanverfahren vereinfachen.

Zu dem vom Minister als zufriedenstellend bezeichneten Ergebnis ist es u. a. gekommen, weil die Verbisszunahme in Ober- und Mittelfranken durch Verbesserungen in Schwaben und Niederbayern ausgeglichen wurde. In Mittelfranken hat sich die Zahl der Hegegemeinschaften, die einen zu hohen Verbiss aufweisen, gegenüber 2012 von 55 auf 64 erhöht. Zufriedenstellende Ergebnisse sehen anders aus.

Die Ursachen liegen sicherlich teilweise auch schon länger zurück. Schon im Jahr 2006 wurde in einer Veröffentlichung der Bayerischen Landesanstalt für Land- und Forstwirtschaft die unbefriedigende jagdliche Situation im Hinblick auf die Behandlung von Borkenkäferkalamitätsflächen in Mittelfranken deutlich angesprochen (LWF Wissen 54, S. 16):

 „Die in der Modellregion herrschende Verbissbelastung gefährdet den aus klimatischen Gründen dringend angezeigten Bestockungswechsel. Angesichts des Ausmaßes des Verbisses erscheinen viele waldbauliche sinnvolle Alternativen zur  Wiederbestockung der entstandenen Kahlflächen als unrealistisch bzw. sind, sofern keine geeigneten Maßnahmen ergriffen werden, zum Scheitern verurteilt. Im Hinblick auf die Wiederbewaldung ist eine grundlegende Änderung der Bejagungsintensität unabdingbar.“

Verbesserungen können erreicht werden, wenn die Waldbesitzer verstärkt die Interessen ihres Waldes selbst in die Hand nehmen:
 Dazu gehört die Wiederbelebung des Feuchtwanger Modells für Jagdpachtverträge (erleichterte Wildschadensabrechnung im Wald), erweitert durch jährliche revierweise Aussagen auf der Grundlage von Trakten, wie sie von den Waldbesitzern des Landkreises Miesbach mit guten Erfahrungen verwendet werden.  

Die mittelfränkischen Waldbesitzer sind darauf angewiesen, dass die Jäger die jagdlichen Anstrengungen deutlich verstärken. Auch im Hinblick auf die notwendige Senkung der Schäden durch Schwarzwild sind dabei  revierübergreifende Bewegungsjagden besonders wichtig.
Der notwendige Einsatz von ausdauernd und zielstrebig jagenden Hunden ist bei diesen Jagden unverzichtbar und sollte  auch  revierübergreifend geduldet werden. 
 
Die Forderung des Ministers, der Waldverjüngung gerade in Zeiten des Klimawandels als  gesellschaftliche Zukunftsvorsorge besonders wichtig zu nehmen, verdient die Unterstützung aller Jäger.

Dr. Wolfgang Kornder
(Vorsitzender ÖJV Bayern)