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Wildverbiss in Südost-Oberbayern nimmt leicht zu!

Das Vegetationsgutachten zeigt für den Landkreis Traunstein in Südost- Oberbayern eine leichte Zunahme des Wildverbisses. Von den 182 Jagdrevieren bescheinigen die Förster des zuständigen Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 102 Revieren eine „tragbare“ und sieben  sogar eine „günstige“ Verbisssituation. In 72 Revieren wurde der Verbiss aber als zu  hoch eingeschätzt, ein Revier war sogar deutlich zu hoch. Die Zahl der unbefriedigenden Reviere hat um 3 Prozent zugenommen. Im Bereich des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Traunstein wird im Rahmen des Vegetationsgutachtens, das Aussagen nur für Hegeringe mit mehreren Revieren zulässt, für alle 182 Jagdreviere eine revierweise Aussage über die Verbissbelastung angefertigt um eine bessere Entscheidungshilfe für die Festsetzung des Abschussplans an die Hand zu geben.

Was seine 13 Hegeringe betrifft steht des Landkreis Traunstein im landesweiten Vergleich etwas besser da als der Durchschnitt, wo in nur 53 Prozent der Hegegemeinschaften der Verbiss tragbar ist. Im Landkreis Traunstein sind es immerhin 62 Prozent.

Dennoch ist auch hier in Südostoberbayern die Situation eher entmutigend. Alfons Leitenbacher, der Leiter des zuständigen Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten beklagt, dass sich in nicht wenigen Revieren der Zustand seit vielen Jahren in keiner Weise nicht verbessert hat. In 28 Revieren habe sich seit 12 Jahren, in 10 Revieren seit neun und in 21 seit sechs Jahren der Verbiss nicht verringert. In 59 Jagdrevieren kämen also die  verantwortlichen Jäger über Jahre ihrer gesetzlichen Pflicht nicht nach, dafür zu sorgen, dass das Aufwachsen der natürlichen Verjüngung der standortsgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen gewähreistet sein müsse. In den dauerhaft schlechten Revieren wird es den Waldbesitzern unmöglich gemacht zukunftsfähige Mischwälder nachzuziehen, die dem Klimawandel auch gewachsen sind.

Dazu kommt, dass viele Waldbauern das Prädikat „tragbar“ kritisieren, weil es einen Vegetationszustand charakterisiere, bei dem Tanne und Eiche, als die von Rehen bevorzugten Baumarten nur geringe Chancen hätten, sich flächig zu verjüngen.

Die Untere Jagdbehörde, das Landratsamt Traunstein reagiert bisher nur sehr verhalten auf die eher deprimierende Situation. Abschusspläne werden zwar erhöht, ihr Vollzug aber nicht durchgesetzt. In den immer kürzer werdenden, schneearmen Wintern wird eine Schusszeitverlängerung von Mitte Januar bis Ende dieses Monats gerade in den günstigeren Revieren abgelehnt.  Gerade dort muss der Jagddruck aufrecht erhalten bleiben, um den günstigen Status zu erhalten. Das Rehwild ist keine gefährdete Art. Die Vermehrungsraten liegen wie wir wissen bei 100 % und mehr. So wird aus „tragbar“ schnell untragbar.

Das Jagdrecht ist so gesehen weit weniger wert als das Verkehrsrecht, wo jede Übertretung eines Parkverbotes unnachsichtig bestraft wird. Falschparker bedrohen aber weder das Eigentum anderer, noch die Zukunft von uns allen, im Gegensatz zu den Gefahren der Klimaänderungen für den Wald.

Dr. Klaus Thiele