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Luchsbonus ist keine Lösung!

Aus der Schriftlichen Anfrage von MdL Ganserer (Grüne)
(Alle Zitate stammen aus der Antwort zu dieser Anfrage.)

© Dr. Kornder
© Dr. Kornder

Vorbemerkung
In Bayern endet die Ausbreitung des Luchses an den Grenzen des Nationalparks Bayerischer Wald. Immer wieder werden erschossene oder vergiftete Luchse gefunden. Bislang wurde noch nie einer der Fälle aufgeklärt.

Um die Ausbreitung zu fördern, kommt z.B. von Seiten des BJV's die Forderung nach einem „Luchsbonus“. Damit ist gemeint, dass in den Revieren im Umfeld des NP Bayerischer Wald der Abschuss reduzieret werden soll, damit durch den dann vorhandenen höheren Rehwildbestand die Luchse mehr Nahrung hätten, deren Ausbreitung gefördert werde, ohne dass der Rehwildbestand in den betroffenen Revieren zuungunsten der dortigen Jäger vermindert werde. Man hoffe, dass dadurch die Akzeptanz des Luchses bei den Jägern gesteigert werde.

© Dr. Kornder
© Dr. Kornder

Hoher Fallwildanteil durch Wildunfälle mit Rehen
In der Antwort von Staatsminister Brunner wird zunächst die Abschussplanung aufgrund des Vegetationsgutachtens geklärt und deren Flexibilität erläutert, die auch ein Reagieren auf möglicherweise notwendige geringere Abschüsse zugunsten der Luchse beinhaltet.
U.A. werden dann der vollzogene Abschuss und die Fallwildstrecke in einer Anlage ausführlich dargestellt und „die Rehwildabgänge und die jeweilige Todesart (unterteilt in „erlegt“, „Verkehrsfallwild“ und „sonst. Fallwild“) ersichtlich“.  Aus der Zusammenfassung der vier beteiligten Bayerwald-Landkreise ergeben sich Fallwildprozente von 19 % – 21 % (!!!). Dabei werden „die Rehwildabgänge erst ab dem Jagdjahr 2013 jährlich (zuvor alle 3 Jahre) erfasst, ebenso wie die zuverlässige Trennung des Fallwilds nach „Verkehrsfallwild“ und „sonst. Fallwild“. 
Aus der Aufstellung für die einzelnen Hegegemeinschaften (Anlage) geht hervor, dass die Fallwildverluste bis zu 40 % der Gesamtstrecke betragen können. Davon nimmt Verkehrsunfallwild i. d. R. den wesentlichen Teil ein.“ …

Es ist an dieser Stelle aus der Höhe des verunfallten Rehwildes leicht ersichtlich, dass der Rehwildbestand zu hoch ist. Auf diesem Hintergrund überhaupt die Forderung eines Luchsbonus zu stellen, erübrigt sich eigentlich.

Abschließende Antwort des Staatsministers
Wie die Antwort auf die letzten Fragen zeigt, kommt Staatsminister Brunner zum gleichen Ergebnis:
„Zu Frage 7a: Wie ist der Vorschlag zur Schaffung eines Luchsbonus, um die Akzeptanz des Luchses bei den Jägern zu steigern, im Hinblick auf die erforderliche Zuverlässigkeit der Jäger zu sehen?  
Die Zuverlässigkeit im rechtlichen Sinne ist Voraussetzung für die Erteilung eines Jagdscheines. Die Jagdscheininhaber werden regelmäßig auf ihre Zuverlässigkeit überprüft. Die Tötung eines ganzjährig geschonten Luchses wird als Straftat verfolgt und führt ggf. bei entsprechender Verurteilung zur Unzuverlässigkeit. Generell wird von Jagdscheininhabern (wie von anderen Bürgern auch) rechtstreues Verhalten erwartet.

Zu Frage 7b: Wäre die Schaffung eines staatlichen Anreizes zu rechtstreuem Verhalten in Form eines „Luchs-Bonus“ vor diesem Hintergrund widerspruchsfrei möglich?  
Es ist nachvollziehbar, dass generelle Anreize im Rechtssystem für rechtstreues Verhalten schwerlich begründbar sind.  
Mit freundlichen Grüßen    
gez. Helmut Brunner“

© Dr. Kornder
© Dr. Kornder

Ein fragwürdiges Geschäft!
Die Forderung, über einen Luchsbonus die illegale Eliminierung des Beutekonkurrenten Luchs zu senken, wirkt wie ein Pokerspiel um den Erhalt eines ohnehin teils zu hohen Rehwildbestandes. Darauf kann sich keine Staatsregierung einlassen, - Gott-sei-Dank tut sie das auch nicht!

Ziel sollte sein, Schalenwildabschüsse zugunsten des Waldes und der Allgemeinheit als sinnvolle Begründung der Jagd im 21. Jahrhundert zuverlässig zu tätigen und nicht mit fragwürdigen „Geschäften“ zu verknüpfen.

Bereits jetzt würde ein höherer Abschuss in den vier Bayerwald-Landkreisen  Verkehrsunfälle mit Rehwild, den damit verbundenen Schaden, die Gefährdung von Menschen und die damit verbundene hohe Fallwildrate senken und käme dem Wald zugute. Dann wäre wohl immer noch eine ausreichende  Lebensgrundlage für Luchse vorhanden. Sie sterben ja nicht, weil sie verhungern, sondern weil sie eliminiert werden.

Dr. Wolfgang Kornder
(Vorsitzender ÖJV Bayern)

Quelle: Schriftliche Anfrage vom 25.08.2015 von MdL Ganserer (Grüne): „Erforderlichkeit eines "Luchs-Bonus" zur Akzeptanzsteigerung unter Jägern?“  und die Antwort von Staatsminister Helmut Brunner  vom 28.10.2015

Schriftliche Anfrage des Herrn Abgeordneter Markus Ganserer vom 25.08.2015 betreffend "Erforderlichkeit eines "Luchs-Bonus" zur Akzeptanzsteigerung unter Jägern?"
Ganserer-857 L.pdf
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Anlage: Managementplan
Ganserer-857 L_Anlage Managementplan.pdf
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Anlage: Auflistung der Hegegemeinschaften
Ganserer-857 L_Anlage_HG-Auflistung.pdf
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