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Es steppt der Bär im Werdenfels

Anlässlich einer ganz normalen Drückjagd im Staatsforst redet der Garmischer BJV-Vorsitzende von Herzlosigkeit, Hass auf die Kreatur und extremer Tierquälerei.

Werdenfels, mitten im Winter – dem wärmsten, seit Wetterdaten aufgeschrieben werden. Der  Oberammergauer Ludwigslauf ist im Dauerregen abgesoffen, das bisschen Schnee ist weg. Der  staatliche Forstbetrieb hält eine Drückjagd ab. Eine stinknormale Drückjagd, wie sie in diesen  Tagen überall in Deutschland abgehalten werden kann, ohne dass ein Hahn danach kräht.

 

Nicht so im oberbayerischen Werdenfels. Am 23./24. Januar setzt das Garmischer Tagblatt einen  Artikel zu diesem Jagdgeschehen auf die Titelseite, Überschrift: „Das Wild wird extrem gequält.“  Anklage führt der Vorsitzende der Kreisgruppe des Landesjagdverbandes Thomas Bär. Das  Tagblatt, ein regionaler Ableger des Münchner Merkur, bietet ihm eine große Plattform, wo er  sich über das Jagdgebaren der BaySF im Allgemeinen und das des Oberammergauer Forstbetriebsleiters Meinhard Süß ausbreiten darf.  Bär tut das nicht zum ersten Mal. Aber diesmal  geht der Schuss nach hinten los.

 

Gleich zu Beginn ihres Artikels drückt die Autorin Michaela Sperer auf die Tränendrüse: „Es ist  Notzeit. Das ohnehin scheue und bereits arg dezimierte Wild muss mühsam im Schnee nach  Futter suchen.“ Damit liegt sie gleich voll daneben. Von einer „Notzeit“ für Wildtiere hat in diesem  Winter im Werdenfels niemand etwas wahrgenommen. Auch von „arg dezimiertem“ Wild kann  keine Rede sein. Die jährlichen Abschüsse sprechen eine ganz andere Sprache.

 

Bärs Sprache ist die von extremen, radikalen Jagdgegnern. Die erwähnte Drückjagd sei eine  „herzlose Aktion,“ die er sich nur mit „grenzenlosem Hass auf die Kreatur“ erklären könne. Zur  Legitimierung solcher Jagden sei „ein vernünftiger Grund vorgeschrieben“ (falsch; denn das ist  eine Forderung des Tierschutzgesetzes, nach der das Töten von Wirbeltieren einen vernünftigen  Grund haben muss. Normale Jagdausübung ist solch einer per se). Michaela Sperer erklärt den  Bereich nahe (nicht in!) einem Wintergatter zu einem „Schutzbereich“ der Tiere (was er nicht ist).  Sie schreibt von „geladenen Gästen“ (womit sie wohl die Schützen und Hundeführer meint, ohne  die man solche Jagden nicht durchführen kann). „Spannend“ sei es, meint sie, dass Süß von bis  zu zwanzig Jägern bei einer solchen Jagd spricht, das Landratsamt aber nur von drei oder vier  Treibern (da verwechselt sie offenbar Jäger und Treiber). Über die ganze Titelseite des Garmischer Tagblatts geht das so dahin, mal tendenziös, mal unbedarft. Wegen nichts als einer legalen, stinknormalen Drückjagd.

 

Umgehend bricht ein Sturm in den Leserbriefspalten los. Ein Lebensmittelfachmann aus Ettal  verweist auf „katastrophale Schussergebnisse bei der Drückjagd.“ Mit den konkreten Umständen  im Werdenfels hat das allerdings nichts zu tun. Die Wildbiologin Dr. Christine Miller ergeht sich in  Ansichten zur Jagd im Bergwald und bei Schnee und Harsch – die es bei dem kritisierten Jagdgeschehen nicht gab. Die BaySF fordert sie auf, „Provinzfürsten zu entfernen,“ die sich, wie sie  insinuiert, einen „persönlichen, exklusiven Rechtsraum“ geschaffen haben. Gemeint ist natürlich  Meinhard Süß.

 

Eine Woche später sieht sich Frau Sperer veranlasst, einen Artikel nachzuschieben; denn Bär  steht inzwischen selber in der Schusslinie. Am 24.Januar (Tag des Erscheinens des Tagblatt- Artikels!) hat er im Murnauer Moos selber an einer Drückjagd teilgenommen. „Für wie blöd hält  man mich denn!“ lässt er sich vernehmen – eine Jagd auf Sauen sei doch was anderes als eine  auf Rotwild, und im Moos habe auch kein Schnee gelegen. Ein Murnauer Jäger wird zitiert, die  Einladung habe sehr wohl auf Schwarz- und Rotwild gelautet. Die Aufregung könne er nicht verstehen, Drückjagden seien schließlich nichts Ungewöhnliches und eine wirkungsvolle Jagdmethode.

 

M.O. aus Murnau stößt ins gleiche Horn wie Bär, will bei der BaySF bzw. beim Betrieb  Oberammergau einen „rechtsfreien Raum,“ „unmenschliche Aktionen,“ „selbstherrliches und losgelöstes Treiben“ ausgemacht haben. J.W. aus Uffing dagegen empört sich über die „einseitige  Meinungsmache“ des Tagblatts und listet die vielen sachlichen Fehler in dem Artikel auf. In weiteren Zuschriften wird Bär Doppelmoral und subjektiver Belastungseifer vorgeworfen. Und ein  gewisser U.W. setzt sich ebenfalls kritisch mit Bärs Hasstiraden auseinander und mit Frau Dr.  Millers anmaßender Aufforderung an die BaySF, „Provinzfürsten zu entfernen.“

 

Schließlich wird auch noch ein Leopard ausgepackt, den Bär in Afrika erschossen haben soll.  Das wird umgehend von einem Getreuen von Bär dementiert. So geht das Scharmützel über  zwei Wochen. Es gipfelt in der Forderung von J.Z.: „Herr Bär, treten Sie zurück!“


Ich würde das sehr bedauern. Thomas Bär hat uns schon in den vergangenen Jahren immer  wieder viel Heiterkeit verschafft. Viele hier haben immer noch das Theater um den Hirsch "Willi" im Bayerischen Fernsehen in lebhafter Erinnerung. Bärs Auftritte in der Öffentlichkeit sind  große Folklore. Das möge uns im Werdenfels doch bitte erhalten bleiben.


Ulrich Wotschikowsky
Oberammergau