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Verbissgutachten fiel schlecht aus

Grundlage für den nächsten Abschussplan - "Jagdgenossen sind gefordert"

(FLZ 11. Febr. 2016), Sebastian Haberl
(FLZ 11. Febr. 2016), Sebastian Haberl

ANSBACH (sh) – Gut 300 000 Rehe werden pro Jagdjahr in Bayern erlegt. Im Landkreis und in der Stadt Ansbach waren es zuletzt rund 10 500. So mancher Waldbesitzer wünscht sich, dass „sein“ Jäger mehr schießt. Denn: Weniger Rehe bedeuten weniger Verbiss. Weniger Verbiss wiederum bedeutet, es muss weniger gezäunt werden. Das schont den Geldbeutel. Von der Arbeit gar nicht zu reden. Der Gesetzgeber sieht das ebenso und hat deswegen den dreijährigen Abschussplan eingeführt. In den nächsten Wochen muss der neue Plan aufgestellt werden.

 

Eine wichtige Rolle spielt das „Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung“. Alle drei Jahre, zuletzt 2015, machen sich Förster auf, um auf vorab festgelegten Flächen Bäume auf Wildverbiss hin zu untersuchen. Am Ende geben die Beamten eine Empfehlung ab. Sie berücksichtigen dabei, was sie bei Reviergängen gesehen haben.


Das jüngste Gutachten fiel für Mittelfranken und den Raum Ansbach wenig erfreulich aus. 25 Hegegemeinschaften gibt es im Landkreis und in der Stadt Ansbach. Lediglich in zehn Fällen lautet die Abschussempfehlung auf „beibehalten“, 14- mal soll der Abschuss erhöht werden und einmal, in der Hegegemeinschaft Dinkelsbühl I, sollte „deutlich erhöht“ werden. Dieses Ergebnis ist inzwischen auf „erhöhen“ korrigiert.


Laut Jürgen Stemmer vom Ansbacher Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gibt es „hier bei uns“ drei Sorgenkinder: die Eiche, die Laubhölzer und das Edellaubholz. „Weil sie beim Gutachten schlecht abschneiden, ergeben sich relativ hohe Verbisswerte, und das zieht dann den Schnitt runter.“ Und wird unter Umständen möglicherweise auch zu wenig gejagt? Stemmer hält sich mit einer Bewertung zurück, vor allem weil ihm die Abschusszahlen aus dem Jagdjahr 2015/16 noch nicht vorliegen. Aus den beiden ersten Jahren des dreijährigen Turnus ergäben sich keine Auffälligkeiten, sagt er. Warum das Gutachten trotzdem so schlecht ausgefallen ist, weiß Stemmer „pauschal“ auch nicht.


Der Forstmann „hofft und geht davon aus“, dass der Abschuss, wie empfohlen, in den betroffenen Revieren hochgesetzt wird. Besprochen wird der neue Plan bei einer großen Runde, zu der die Untere Jagdbehörde einlädt. Der Jagdbeirat ist dabei eingebunden.


„Wo noch nie Land in Sicht war“
Jörg Scherbaum von der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt Ansbach kündigte dieser Tage vor Jagdgenossen in Buch am Wald schon mal an, beim Abschussplan neue Wege gehen zu wollen: kein Verteilen nach dem Gießkannenprinzip mehr, dafür dort Schwerpunkte setzen, „wo noch nie Land in Sicht war“, sprich bei den Hegegemeinschaften, die sich beim Verbiss dauerhaft im roten Bereich bewegen.
Ebenfalls in Buch am Wald warb Johann Koch vom Generalsekretariat des Bayerischen Bauernverbandes für „Weiserflächen“. Dabei werden kleine Abschnitte im Wald eingezäunt, etwa zehn auf zehn Meter. Unbehelligt vom Rehwild zeigt sich auf solchen Flächen, was an natürlicher Verjüngung möglich ist. In diesem Jahr könnten solche Flächen auch noch mit 145 Euro gefördert werden.


Schwerpunktjagden und Revierbegehungen
„Der Staat kann und wird das eigenverantwortliche Handeln von Jagdgenossen nicht ersetzen“, forderte Koch die Jagdvorsteher auf, sich bei der Abschussplanung einzumischen. „Packen wir es gemeinsam an: Schwerpunktbejagungen, Revierbegehungen, und wenn die Jäger ihre Hausaufgaben machen, loben, auch öffentlich loben.“


Das Bundesjagdgesetz gibt als Rahmen vor: „Der Abschuss des Wildes ist so zu regeln, dass die berechtigten Ansprüche der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft auf Schutz gegen Wildschäden voll gewahrt bleiben sowie die Belange von Naturschutz und Landschaftspflege berücksichtigt werden.“ Im Bayerischen Jagdgesetz heißt es: „Bei der Abschussplanung ist neben der körperlichen Verfassung des Wildes vorrangig der Zustand der Vegetation, insbesondere der Waldverjüngung zu berücksichtigen.“


Im Jagdbeirat des Landkreises Ansbach, er ist bei der Abschussplanung zu hören, reden mit: für die Landwirtschaft Ernst Kettemann, für die Forstwirtschaft Joachim Holzmann, für die Jagdgenossenschaften Friedrich Ruck, für die Jäger Johannes Schneider, für den Natur- und Waldschutz Christian Stegmaier.

„Das kann’s nicht sein“

Wunsch: Mehr Abschüsse

ANSBACH (sh) – Bislang gibt es sie nur alle drei Jahre und auch nicht überall: die revierweisen Aussagen. Der Ökologische Jagdverein Bayern (ÖJV) fordert, diese Aussagen jährlich zu erheben. Vorsitzender Dr. Wolfgang Kornder erhofft sich davon einen schnelleren und besseren Waldumbau. Als Beispiel dient ihm der Kreis Miesbach. „Der Wald draußen zeigt, wie es um den Verbiss steht“, so Dr. Kornder.


Bernhard Mall vom ÖJV in Mittelfranken erinnert im Gespräch mit der FLZ an den Klimawandel. Waldumbau und Waldverjüngung seien unumgänglich. Das Ergebnis des Forstlichen Gutachtens nennt Mall für Mittelfranken und für den Raum Ansbach enttäuschend. Dabei müsse man wissen, dass bayernweit etwa ein Sechstel der Aufnahmepunkte für das Gutachten „im Zaun lag“, also gegen Rehverbiss geschützt war.


Bei der Eiche, ein für Mittelfranken nicht ganz unwichtiger Baum, haben die Forstbeamten laut Mall einen Leittriebverbiss von durchschnittlich 24 Prozent festgestellt. „Ihr Anteil bei den Pflanzen unter 20 Zentimeter liegt zwar nur bei 7,2 Prozent, über 80 Zentimeter kommen aber nur 2,2 Prozent an.“ In einer Situation, in der Waldumbau sein muss, „kann’s das nicht sein“, ist sich Mall mit Dr. Kornder und Hans Webersberger (ebenfalls ÖJV-Mitglied) einig.


Der ÖJV fordert denn auch ein „deutliches Anheben der Abschüsse“. Auch sollten sich die Waldbauern beim Aufstellen der Abschusspläne intensiver einbringen. Keineswegs zufrieden sind Dr. Kornder, Mall und Webersberger mit der Kontrolle der Abschusspläne. Weil Papier geduldig ist, wünschen sie sich im Fall des Falles den „körperlichen Nachweis“, das heißt, das erlegte Reh muss vorgezeigt werden. Doch selbst da gebe es Möglichkeiten zu täuschen, weiß Dr. Kornder. „Die Jagdgenossen müssen also hellwach sein.“


„Die mittelfränkischen Waldbesitzer sind darauf angewiesen, dass die Jäger die jagdlichen Anstrengungen deutlich verstärken“, sagen die ÖJV-Vertreter. Auch mit Blick auf die Schwarzwildschäden seien revierübergreifende Bewegungsjagden mit Hunden besonders wichtig.

Jäger sehen keine Trendwende

„Haben nicht nachgelassen“

ANSBACH (sh) – „Es liegt mit Gewissheit nicht daran, dass die Jäger beim Abschuss nachgelassen haben.“ Johannes Schneider, Sprecher der fünf Jägervereinigungen im Landkreis Ansbach, sieht in den Ergebnissen des Forstlichen Gutachtens keine Trendwende. Gleichwohl sei eine „Tendenz“ vorhanden. „Und die müssen wir uns sehr genau anschauen.“


Schneider sagt, er könne nur vermuten, warum die Verbissbelastung im Landkreis Ansbach zugenommen habe. Ein möglicher Grund könnte der milde Winter 2014/2015 vor der Verbissaufnahme sein. Womöglich habe sich das Klima auch im Staatswald bemerkbar gemacht. „Beim Leittriebverbiss konnte das gute Niveau von 2014 nahezu gehalten werden“, verweist Schneider auf eine Aussage im Statistikband 2015 der Bayerischen Staatsforsten.


„Die Jäger im Landkreis und in der Stadt Ansbach werden ihren Auftrag weiter erfüllen und nicht weniger schießen“, sagt Schneider. Dass einzelne Reviere – warum auch immer – hier immer wieder den Ausreißer spielten, sei bekannt. Wenn das Vegetationsgutachten und der Verbiss nicht passten, sieht der Bürgermeister von Adelshofen, der an der Spitze der Rothenburger Jägervereinigung steht, vor allem auch die Eigentümer des Waldes in der Pflicht. „Dann müssen die Jagdgenossen reagieren und ihrem Jäger sagen, was sie von ihm erwarten.“


Dass im Verhältnis von Jagdgenossen und Jagdpächtern eine gewisse Leitungs- und Lenkungsfunktion durch die Untere Jagdbehörde nötig sein kann, will Schneider nicht in Abrede stellen. Eigentlich müssten die beiden Parteien über den Abschuss aber selbst entscheiden.


Das A und O sind für Schneider gemeinsame und gut koordinierte Drückjagden. Wenn das Wild schon aufgeschreckt werde, dann sollten auch Wildschweine und Rehe geschossen werden. Es gebe aber Situationen, in denen es effektiver sei, nur Sauen zu schießen. Eines gelte immer: „Es muss ordentlich nach dem Gesetz gejagt werden.“


Dass von Amts wegen das Ergebnis in der Hegegemeinschaft Dinkelsbühl I korrigiert worden sei, nennt Johannes Schneider „sehr mutig“.

Artikel von Sebastian Haberl (Fränkische Landeszeitung vom 11.02.16)