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Aktuell

Volles Programm bei der Jahreshauptversammlung ÖJV Bayern

Am 19. März 2016 in Freising, 13.30 – 17.30 Uhr

Die Mitgliederversammlung des ÖJV Bayern hatte ein (über-)volles Programm: An die Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden Dr. Wolfgang Kornder schloss ein kurzes Grußwort der Europaabgeordneten Maria Noichl an. Auf die Annahme der Tagesordnung folgte zügig der Bericht des 1. Vorsitzenden (gesondert in dieser ÖkoJagd abgedruckt). Nach dem Totengedenken schloss Birgit Eitner, unsere Geschäftsstellenleiterin, mit einer  übersichtlichen Darstellung ihrer facettenreichen Tätigkeit an. Differenziert und akribisch genau beleuchtete  unsere Schatzmeisterin Heike Grumann den Finanzbereich, so dass die anschließende Entlastung des Vorstandes und der Schatzmeisterin eigentlich nur noch Formsache waren.
Der Antrag, Hans Kornprobst zum Ehrenmitglied zu ernennen, wurde einstimmig verabschiedet. Schwieriger war die Abstimmung über die „Verfahrensordnung bei Verstößen gegen die Waidgerechtigkeit“. Aber um den Status eines „anerkannten Jagdverbandes“ zu erreichen, muss es gemäß Art. 51 BayJagdG eine solche Verfahrensordnung geben. So sind zwei Gruppen, eine für Nord- und eine für Südbayern, innerhalb des ÖJV geplant. Jede  Gruppe würde aus 3 Personen bestehen, die vom Vorstand bestimmt würden. Ein richteramtsfähiger Jurist müsste dabei sein. Nach der langen und intensiven Diskussion wurde der Antrag von der überwiegenden Mehrheit mit dem Zusatz angenommen, dass eine Vorbemerkung zu dem Antrag über den Begriff der Waidgerechtigkeit nachgereicht wird. (Ist erfolgt. Der Zusatz lautet: Der historisch belastete, unbestimmte Rechtsbegriff „Waidgerechtigkeit“ bedarf nach Meinung des ÖJV Bayern einer Klärung oder sollte durch eine eindeutigere zeitgemäße Begrifflichkeit  ersetzt werden.)
Zwischendurch berichteten Regional- und Bezirksgruppen und Arbeitskreise über die Arbeit im vergangenen Jahr.
Ein auflockerndes Highlight war der Vortrag von Franz Baierl: Rotwildmanagement im Nationalpark Bayerischer Wald. Er unterstrich, dass der Abschuss im Wintergatter nicht nur tierschutzgerecht sei, sondern darüber hinaus günstige Auswirkungen auf Raumnutzung und Sichtbarkeit des Rotwildes habe.

Geschenk an Dr. Thiele und Hubertus von Eyb
Geschenk an Dr. Thiele und Hubertus von Eyb

Ein große Brocken waren die Neuwahlen, der unter dem Wahlausschuss von Rebekka Kornder, Maria Noichl und Prof. Dr. Hubert Röder erstaunlich zügig gelang.
Der alte Vorsitzende, Dr. Wolfgang Kornder, wurde bestätigt, ebenso der Stellvertretende Vorsitzende Michael Lechner. Hubertus von Eyb, bisher Stellvertretender Vorsitzender, kandidierte aus privaten Gründen nicht mehr, bleibt aber Vorsitzender in der Oberpfalz. Für ihn wurde Prof. Dr. Erwin Hussendörfer gewählt. Unsere bewährte Schatzmeisterin, Heike Grumann, wurde in ihrem Amt bestätigt.

Als Beiratsmitglieder wurden per Akklamation 10 Personen gewählt: Hans Praxenthaler, Alfons Leitenbacher, Maria Bauer, Robert Wiechmann, Josef Klaffenböck, Bernhard Bendel, Max Plabst, Uwe Reißenweber, Paul von Franckenstein und Klaus Urban.
Als Bundesdelegierte ergaben sich: Gerald Schwager, Reinhold Baur, Heike Grumann, Klaus Urban, Tilman Piepenbrink, Peter Grumann, Christian Heyer, Klaus Wiese, Herbert Raßhofer, Ann Grösch, Gudula Lermer und Birgit Eitner. Ersatzdelegierte sind Ulrich Haizinger, Michael Lechner, Hubert Röder, Georg Biersack und Thomas Luz. Die Kassenprüfer sind die Alten, Ann Grösch  und Christian Esser.
Dr. Wolfgang Kornder dankte dem langjährigen Beiratssprecher, Dr. Klaus Thiele, und seinem Stellvertreter Hubertus von Eyb und überreichte ihnen einen Geschenkkorb.
Der Haushaltsplan 2016 wurde zum Abschluss  einstimmig angenommen.

Eine intensive, lange Mitgliederversammlung war bewältigt. Es herrschte große Zufriedenheit. Der ÖJV Bayern hat damit wichtige Weichen für die zukünftige Arbeit gestellt.

Dr. Wolfgang Kornder
(Vorsitzender)

Bericht des Vorsitzenden anlässlich der Mitgliederversammlung des ÖJV Bayern 2016

Öffentlichkeitsarbeit/Schrifttum/Homepage
Im diesem Bereich können wir auf unsere vielbesuchte Homepage hinweisen. Ein herzlicher Dank an Max Plabst, der sie betreut. Das Schriftenwesen floriert ebenfalls. So wurden unsere Drückjagdbroschüre in Englische übersetzt, die Eichelhäherbroschüre erstellt und die „Bergwaldbroschüre“ herausgegeben. Gerade Letztere füllt eine Lücke hinsichtlich einer waldfreundlichen Bejagung angesichts so mancher gegenläufiger Bewegungen.

Organisation und der Versand des Schrifttums liegt inzwischen bei einer Geschäftsstelle, die von Birgit Eitner geleitet wird. Heike Grumann, unsere sehr bewährte Kassiererin, und Andrea Kühne haben dazu ihre speziellen Aufgaben.

Hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit sind uns immer wieder kleine Schnäppchen gelungen, angefangen bei Rundfunk- und Fernsehsendungen bis hin zu Artikeln in der Tagespresse. Es zeigt sich immer mehr, dass der ÖJV in den öffentlichen Medien gesucht und gehört wird.

Arbeitskreise
Der AK-Hundewesen läuft sehr gut. Unsere Sprecher sind Tilman Piepenbrink und Andrea Kühne. Auch Ihnen herzlichen Dank. Wir könnten uns aber eine Ausweitung auf weitere Regional- und Bezirksgruppen vorstellen. Dazu sind MitarbeiterInnen gesucht. 
Auch der AK-Schießwesen hat sich konsolidiert. Hier hat Torsten Flitner mit Unterstützung von Kai Evers die Führung übernommen. Der AK Strukturverbesserung war vor allem in Mittelfranken tätig. Es ist eine kleine Pflanze, die sich über Unterstützung freut. Herzlichen Dank an Helmut Schlutheiß, Hans Webersberger, Uwe Köberlein und Birgit Eitner. Daneben existieren die AK´s Jagdkultur (Sprecher Dr. Hubertus Habel) und Jagdrecht (Sprecher Alfons Leitenbacher), die derzeit keine aktuellen Anliegen bearbeiten.

Bundes-ÖJV und Bayerische ÖJV Gruppierungen
Die m.E. gelungenen ÖJV-Leitlinien wurden 2015 verabschiedet. Der Bundes-ÖJV trifft sich heuer im Juni im neuen NP in  Baden Württemberg. Elisabeth Emmert, mit der ich nicht nur in der ÖkoJagd sehr intensiv und sehr gut zusammenarbeite, ist eine hochengagierte und fachkundige Gallionsfigur. Einen herzlichen Dank an Sie aus unserer  bayerischen und speziell ihrer fränkischen Heimat. 

Der ÖJV ist in allen Bezirken, wenn auch unterschiedlich aktiv, vertreten. Diese flächendeckende Vertretung  ist zentral wichtig. Die Arbeit in den Bezirksgruppen läuft sicher unterschiedlich intensiv. Aber neben den sehr aktiven Gruppen in Niederbayern und Mittelfranken wird auch in den anderen, teils sehr viel kleineren Regional- und Bezirksgruppen eine sehr wichtige und wertvolle Arbeit geleistet. In dieser flächendeckenden Arbeit liegt das Herzstück des ÖJV´s. Allen Funktionsträgern und Aktiven ein herzlicher Dank!

Wie immer hat sich unser Sommerseminar aktuellen Themen gewidmet. Es geht um Fütterung, schwerpunktmäßig beim Rotwild. Auch ein wichtiges, endloses Thema! Das Seminar findet am 11. Juni 2016 in Freising statt.

Ein Highlight im Jahr 2015 war die Verleihung des Wald-vor-Wild Preises an die Stadt Fürth. Ein besonderer Dank geht hier an die zentral wichtigen Beteiligten: Revierförster Martin Straußberger, Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung und den Laudator Dr. Peter Pröbstle, dem Leiter der Forstabteilung des AELF Fürth. Dieses Jahr geht es wieder nach Südbayern, nämlich am 30. Juli an die Jagdgenossenschaft Lämmersdorf.

Verbände - ein schwieriges Thema
In Kürze: die Gräben zwischen dem Naturschutz und der Nutzung werden größer. Die wichtigen Nutzerverbände in Bayern sind für  angepasste Wildbestände. Das ist erfreulich. Aber gleichzeitig schwelt der Zentralkonflikt zwischen Naturschutz und Nutzung im Wald. Zudem wird das Ganze von den nunmehr doch stärkeren Einschränkungen durch die FFH-Richtlinien überlagert. Ich komme mir oft vor, wie in einem Minenfeld. Der ÖJV hält sich aus dem Themenbereich “Schutzgebietsausweisung” heraus. Es würde uns zerreißen. Zudem ist unsere Art zu jagen hier wie dort gleichermaßen nötig.
Traditionell haben wir ein sehr gutes Verhältnis zum BN, zur ANW und dem Bayerischen Forstverein.
Es gab Einladungen und Treffen mit MdL Markus Ganserer (Grüne), MdL Angelika Schorer (CSU), Barbara Stamm, Staatsminister Brunner, dem neuen Amtschef Hubert Bittlmayer, die Teilnahme an Fachtagungen und Stellungnahmen zu diversen Themen, z.B. Schalldämpfer.

Jagdpolitische Entwicklungen
Derzeit läuft eine kleine Novellierung des Bundesjagdgesetzes. Es wird vorsichtig ökologischer. Der Bundes-ÖJV ist dran.
Das Forstliche Gutachten zeigt keine Verbesserung, in manchen Teilen Bayerns eher eine Verschlechterung. Unsere Zentralaufgabe der Schalenwildanpassung bleibt.
Insgesamt nimmt das Thema Tierschutz einen breiten Raum ein. Vor allem der Muttertierschutz beim Rotwild wirft viele Probleme auf. Eine Antwort darauf wäre der völlig tierschutzgerechte Abschuss im Wintergatter.
Es gibt neue Gruppierungen, die das Thema Wildbiologie eher gegen das Biotop, sprich gegen den Wald, in Stellung bringen. Da sind wir zunehmend gefordert.

In der Gesellschaft werden immer mehr Partikularinteressen positioniert, die oftmals einer ganzheitlichen Sicht nicht gerecht werden. Die Begeisterung für die Hirschbrunft oder das Gamsrudel im Gebirge üben eine große Faszination aus. Der Schutz unserer Wälder, die damit verbundene Reduktion, das Töten von Tieren, diese andere Seite der Wildnis und der Natur, wird dabei leicht übersehen. Es geht mir um eine realistische Sicht unserer Kulturlandschaft, die selbstverständlich genutzt wird und möglichst naturnah bewirtschaftet wird. Und ich möchte auch beim Thema „Wildnis“ zwei mir wichtig erscheinende Züge herausstellen:
Wildnis ist nicht nur romantisch heile Welt. Zur Wildnis gehören Angst und das Töten.
Wildnisgebiete, Schutzgebiete, egal welcher Größe, entwickeln sich nur dann schutzbestimmungsgemäß, ihrer Natur gemäß, wenn sie nicht von großen Pflanzenfressern unten platt gemacht werden.

Der ÖJV will Anerkannte Vereinigung der Jäger werden. Die erste Absage haben wir bereits. Der ÖJV klagt deshalb gegen den Freistaat Bayern.

Abschließende Gedanken
Die Zukunft der Jagd ist dem ÖJV ein großes Thema. Wir müssen deutlich machen, dass Jagd grundlegende Aufgaben hat, die sie derzeit oft nicht erfüllt. Der Wald und der Schutz des Waldes hat dabei im Zeitalter des Klimawandels eine besondere Bedeutung. Für diese Sicht der Dinge arbeiten wir, für die Grundeigentümer und Naturschützer, die diesen ganzheitlichen Ansatz auf der Fläche umsetzen möchten.

Der ÖJV Bayern ist gewachsen und ist im Wachsen. Neben den Förstern sind viele andere Berufsgruppen dazu gekommen. Ein besonderes Augenmerk lag uns in den letzten Jahren auf den Waldbesitzern, den direkt Betroffenen, den Inhabern des Jagdrechts. Ich denke, dass wir hier auf einem guten Weg sind.

Individualismus – Gemeinsam am Strang ziehen. Das ist m.E. ein aktuelles Thema. Wir werden mehr und sind sehr individualistisch geprägt. Beides ist gut so. Aber bei aller Individualität darf das Gemeinsame nicht zu kurz kommen. Wir müssen uns immer wieder in der Auseinandersetzung zusammenfinden, um die große Linie des ÖJV Bayern voran zu bringen.

Insgesamt gesehen ist der ÖJV Bayern sehr gut aufgestellt. Die Mitgliederzunahme im ÖJV Bayern – wir sind inzwischen nicht mehr 770 wie im Vorjahr, sondern deutlich über 800  -  bestätigen uns und unsere Arbeit. Die Bandbreite wird in den vielen Berichten unserer Bezirks- und Regionalgruppen und er AK´s sichtbar. Ungeachtet dessen müssen wir am Ball bleiben. Wir können immer fähige und aktive Leute gebrauchen, die sich im ÖJV konstruktiv einbringen.

Ich darf mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die auch im zurückliegenden Jahr dazu beigetragen haben und hoffe auf Standvermögen und weiterhin engagierten Einsatz. Und ich bitte darum, nicht vor Auseinandersetzungen zurückzuweichen: Wenn das Fell gewaschen werden soll, muss es nass werden.

Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit!
Dr. Wolfgang Kornder
(Vorsitzender des ÖJV-Bayern)