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ÖJV Südostbayern im Gespräch mit dem LRA Traunstein

Auf Initiative der ÖJV-Regionalgruppe Südostbayern wandten sich kurz nach dem Ende der regulären Jagdzeit auf Rehwild 2015/16 der WBV-Vorsitzende Werner Schindler, der Sprecher der Jagdgenossenschaften Hans Poller und ÖJV-Regionalgruppenvorsitzender Stefan Zauner mit einem Schreiben an Sigi Walch, den Landrat von Traunstein. Thematisiert wurde vor allem das neue Vegetationsgutachten, das im Landkreis eine leichte Verschlechterung erbracht hatte. Es erfolgte ein Treffen im Landratsamt, bei dem bereits viele Problemfelder angesprochen wurden. Es herrschte Einigkeit darüber, dass man gegen die nach wie vor häufig vorkommenden missbräuchlichen Fütterungen und die dauerhaft "roten Reviere" vorgehen müsse. Der ÖJV konnte darauf hinweisen, dass der immer später einsetzende Winter auch für willige Jäger die Regulierung der Schalenwildbestände erheblich erschwert. Deswegen sollte die Untere Jagdbehörde am Landratsamt bei Bedarf einen Antrag auf Schusszeitverlängerung oder eine Abschussüberziehung großzügig behandeln. Diese Problematik wurde vom Landrat Walch und den Vertretern der Unteren Jagdbehörde verständnisvoll aufgenommen.  Am Ende vereinbarten wir eine Besichtigung unserer Schilderungen vor Ort. So trafen wir uns mit Landrat Sigi Walch, weiteren Vertretern der Landratsamtes und dem Leiter des AELF-Traunstein Alfons Leitenbacher am 02. Mai zu einem Waldbegang.
Zuerst besichtigten wir ein Waldstück in der Eigenbewirtschaftung Kay. Jagdvorsteher Hans Poller und der angestellte Jäger Hans König konnten anhand von Statistiken und Diagrammen den Verlauf und die Auswirkung der Jagd über die letzten 20 Jahre belegen. Eindrucksvoll war der Reduktionsabschuss über etwa 2 Jahre zu Beginn der Eigenbewirtschaftung, der eine Vervielfachung der Rehwild-Jagdstrecke bedeutete. Noch eindrucksvoller war dann allerdings der Spaziergang durch das Waldgebiet. Ein reicher Anflug von allen möglichen Baumarten, ein Aufkommen auch der vom Verbiss besonders bedrohten Arten wie Tanne und Eiche waren die Belohnung dieser jagdlichen Bemühungen. Poller und König mussten aber auch über die Schwierigkeiten zu Beginn der Eigenbewirtschaftung berichten, z. B. von einer Strafe wegen Überziehung des Abschussplanes. Die Runde war sich schnell darüber einig, dass es nicht sinnvoll ist, solchen jagdlichen Bemühungen, die ja nur zum Ziel haben, den Wildbestand dem zur Verfügung stehenden natürlichen Lebensraum anzupassen - ganz nach dem gesetzlichen Grundsatz "Wald vor Wild" - Steine in den Weg zu legen.
Danach war ein Revier bei Tettenhausen am Tachinger See unser Anlaufpunkt. Hier war der Verbissdruck eindeutig zu hoch. Baumarten wie die Tanne hatten hier nur mit Schutzmaßnahmen eine Chance. Der Jagdpächter, der erst seit 2 Jahren für das Revier verantwortlich ist, war auch der Meinung, dass er hier noch nachsteuern muss.
Am Ende der Begehung entzündete sich noch eine Diskussion über die Möglichkeiten, die das Landratsamt überhaupt hat, um die Dinge für den Wald auf einen guten Weg zu bringen. Der Jurist des Landratsamtes  hatte hier doch eine etwas vorsichtige Auslegung der zur Verfügung stehenden Maßnahmen, um z. B. Pächter der dauerhaft schlechten Reviere dazu zu bewegen, ihrem gesetzlichen Auftrag  nachzukommen. Dies konnte von unserer Seite nicht ganz so akzeptiert werden. Am Ende waren wir uns aber einig, dass die neue Führung im Landratsamt Interesse an der Thematik und den Problemen hat, und dass der Wille da ist, Missstände auch anzupacken.