Newsletter

Aktuell

Bericht über Erfahrungsaustausch zum Thema: "Rehwild im Wald effizient bejagen"

Eurasburg, den 26.8.2016

Nico Bonanni erläutert seine Jagdstrategie
Nico Bonanni erläutert seine Jagdstrategie

Knapp 30 interessierte Jäger trafen sich bei hochsommerlicher Hitze, rechtzeitig vor dem Jagdaufgang für das weibliche Rehwild, um über Methoden für eine effiziente Bejagung des Rehwildes im Wald zu diskutieren.
Eingeladen dazu hatte der Revierleiter des Forstreviers Eurasburg-West, Nico Bonanni.
Nach einer Vorstellung des Forstbetriebs Landsberg  und seines seit 5 Jahren von ihm geführten Reviers äußerte Nico Bonanni sich auch dazu, warum er u.a. eine effiziente Bejagung des Rehwildes für erforderlich hält.
Auch wenn wir Jäger gerne jagen, sind doch zwei wesentliche Punkte zu beachten:


1. Ineffiziente Jagd macht die Rehe heimlich, dadurch sinkt auch der Jagderfolg und in Folge die Motivation der Jäger.
2. Durch effiziente Jagd bleibt mehr Zeit für Familie, Hobby, etc.

 

Bereits vor Jahrzehnten hat Wulf-Eberhard Müller einen Rehwildkalender mit den unterschiedlichen Sichtbarkeitszeiten vorgestellt.
Das war auch ein Punkt für die Jagdgestaltung in Eurasburg: Intervalljagd mit Jagdpausen in den Monaten Juli und Oktober. Bonanni  denkt sogar noch über eine Erweiterung auf Mitte bis Ende August nach.
Weitere Instrumente, die er uns auf einem zweistündigen Rundgang erläuterte und vorzeigte sind:

  • Intelligente Sammelansitze: Gut organisiert unter Berücksichtigung von Witterung, Erfolgsaussicht etc., im Zusammenwirken mit einer strategisch angelegten  Kirrung.
  • Ganz wichtig: Schaffung und Pflege einer jagdlichen Infrastruktur, d. h. wohlüberlegte Verteilung von Ansitzeinrichtungen, Schussschneisen in den Dickungen (auch der klassische „Krähenfuß“), Mulchstreifen und einzelne langgezogene Wildwiesen.

Wichtig ist natürlich die Akquise jagdlich fähiger und vor allem williger Pirschbezirkler und Sammelansitzteilnehmer, die sich im Schießen regelmäßig üben und, sehr wichtig, sozial verträglich sind. Das erfordert allerdings auch eine entsprechende Führung und Leitung. Das Gemeinschaftsgefühl der Gruppe ist durch entsprechende Maßnahmen und Veranstaltungen sozialer und fachlicher Art zu fördern und zu erhalten.


Das sind jetzt die wichtigsten Punkte, mit denen erreicht wurde, in einem Revier mit wichtigen Waldumbauzielen von Fichte auf tannen- und laubholzreiche Mischbestände  Zäune völlig  überflüssig zu machen. Lediglich ab und zu ist noch etwas Einzelschutz für die Tanne an den Grenzen zu Nachbarjagden nötig.

 

Noch die Zielsetzung für den Abschuss:

  • Monate Mai-Juni: 30-40%
  • bis September-Anfang Oktober: 60-70%
  • der Rest im Winter

Interessant war, dass man mit einer wohlüberlegten Strategie und Steuerung der Jäger in einem großen Revier über 50% des Abschusses mit Sammelansitzen erreichen kann. Die zur Regulierung des Rehwildes ansonsten zumeist favorisierte Drückjagd kann dann in diesem Fall eine Nebenrolle spielen.


Es wurde viel und heftig diskutiert, auch noch nach dem Ende der Führung bei der Einkehr im Gasthof „Zur Post“ in Eurasburg.
Wer noch weiteres wissen will, kann sich gerne mit Nico Bonanni in Verbindung setzen. Nachahmung eines erfolgreichen Beispiels ist ja immer sehr erwünscht und im Interesse einer positiven Waldentwicklung sowie einer ökologisch ausgerichteten Jagd.

Dr. Walter Mergner