Aktuell

Jagdlicher und forstlicher Austausch mit Förstern aus Tschechien

Das Ganze begann 2015, als wir unsere ÖJV-Drückjagdbroschüre zusammen mit
dem European Forest Institut (EFI) ins Englische übersetzten (Organisation of
driven hunts for ungulates. Translated from ‘Organisation von Bewegungsjagden auf Schalenwild’ courtesy of Ökologischer Jagdverein Bayern e.V. 2015). Diese
Broschüre erreichte auch Förster aus Tschechien und weckte dort Interesse.
Solchermaßen vorbereitet fragte uns Mitte 2016 Alexander Held vom EFI an, ob denn ein Austausch mit tschechischen Förstern mit Unterstützung des ÖJV Bayern
möglich wäre. Bayern läge ja sozusagen direkt in der Nachbarschaft, von daher
würde das gut passen.


Ich musste im ÖJV Bayern nicht lange herumfragen und auch meine Kontakt-aufnahme zu anderen Verbänden, die naturgemäß mit uns zusammenarbeiten, fiel auf fruchtbaren Boden. Sowohl ÖJV-intern als auch von der ANW und dem bayerischen Forstverein wurde mir Unterstützung zugesichert.
Programmangebote lagen vom Bayerischen Wald bis zum Spessart vor. Schließlich
kristallisierte sich Franken als Zielgebiet heraus. Ein Quartier fand sich in Ebrach und
von dort aus fuhren wir die auf dem Programm stehenden Jagden und Exkursions-punkte an. Das hat bestens funktioniert.


Nachdem die Übernachtungen, und die rechtlichen Voraussetzungen zur Teilnahme an den Jagden geklärt waren, wurde das Unternehmen für den 11. bis 15. November fest geplant. Es kamen fünf tschechische Förster, die am Freitagabend zu später Stunde versetzt in Ebrach eintrafen. Alle sind in Tschechien an interessanten forstlichen Stellen tätig: Jiří Bína, mit 60 Jahren der Älteste, ein Förster in Kocanda, in der Kinský-Žďár Family Forest Estate, ist in Tschechien als Förster sehr bekannt und angesehen. Ich darf an dieser Stelle schon anfügen, dass Jiří Bína mit seinen über Jahrzehnten gewachsenen forstlichen Kompetenzen auch bei unseren
Exkursionen positiv aufgefallen ist. Die anderen Förster, die allein schon aufgrund
ihres Alters noch nicht diese herausragende Erfahrung haben konnten, waren
deutlich jünger: Petr Bednář aus Süd-Mähren, Petr Smutný, der im tschechischen
Hochland bei der staatlichen Forstverwaltung arbeitet, Pavel Bednář, der am
Forschungsinstitut in Brünn als Junior Research Fellow tätig ist. Dazu kam noch der
Förster Kamil Novak. Pavel Bednář war sozusagen der Sprecher und Organisator
der tschechischen Gruppe. Organisationsanfragen klärten wir mit ihm.


Interessant war der Altersunterschied nicht nur hinsichtlich der Erfahrung, sondern
auch in Bezug auf die Sprache: Während die vier jüngeren Förster z.T. sehr gutes
Englisch sprachen und zumindest über Grundkenntnisse in Deutsch verfügten, hatte Jiří Bína satt dessen noch russisch gelernt. – So ändern sich die Zeiten.


Die Kommunikation, das darf ich noch anmerken, lief besser als gedacht: Nicht nur,
weil Pavel Bednář sehr gutes Englisch und Fachenglisch sprach, sondern weil im
Notfall auch auf Deutsch vieles vermittelbar war. Und wenn im Wald gefachsimpelt
wurde, dann notfalls mit den lateinischen Pflanzennamen, denen ich als Nicht-Förster aber alter Lateiner zumindest ganz grob folgen konnte.


Auf deutscher Seite fanden sich Betriebe und Personen, die bereit waren, sich in
dieses Exkursionsprojekt einzubringen. Ich darf chronologisch zuerst den Betrieb
Forchheim des Unternehmens Bayerische Staatsforsten AöR (BaySF) nennen. Der Kontakt und der Jagdeinsatz am Samstag, dem 12. November, wurde von Peter
Grumann organisiert und vom Betriebsleiter Stephan Keilholz tatkräftig mitgetragen.
Da wir uns nicht sicher waren, wie die Kommunikation laufen würde, hatte sich Mario Reißner bereit erklärt zu übersetzen. Die Jagd bei den BaySF im Markwald, dem Revier von Peter Grumann, verlief denn auch völlig komplikationslos. Die
tschechischen Gäste waren von der perfekten Organisation angetan.


Am darauffolgenden Sonntag waren wir im Stadtwald Bamberg zu Gast. Dort führte
Klaus Schulz durch den allseits bekannten und vielfach ausgezeichneten, nach
ANW-Grundsätzen bewirtschafteten Wald. Und damit der fachliche Austausch auch
ein gewisses Niveau bekommen sollte, hatte ich noch den Förster Wolfgang Weiß
organisiert, der Ende der 1980er-Jahre als Praktikant im US-Forest Service tätig und
des Fachenglischen noch sehr gut mächtig war. Auf der Exkursion wurde intensiv
und auf fachlich hohem Niveau diskutiert. Was im Markwald schon anklang und im
Bamberger Stadtwald konkret benannt wurde, war die für unsere tschechischen
Besucher eher geringe Rehwilddichte und üppige Naturverjüngung. Es zeigte sich
einfach, dass in der Tschechischen Republik die Wald-Wild-Frage eher noch zu
Lasten des Waldes entschieden ist.


Um unseren tschechischen Gästen über Wald und Jagd hinaus etwas zu bieten und
Eindrücke zu vermitteln, hatte ich in Bamberg eine Stadtführung auf Tschechisch
organisiert. Interessant auch hier – wie mir die Stadtführerin zwischendurch auf
Deutsch mitteilte – die geschichtlich enge Verbindung zwischen Prag und Bamberg.


Am Montag und Dienstag waren wir zweimal Gäste der Castellschen
Forstverwaltung, Am Montag als mitjagende Gäste. Da ich selbst nicht dabei sein
konnte, kümmerten sich Uwe Reißenweber und Anton Rabl um den Besuch. Auch
hier fanden sich anerkennende Worte über die perfekt organisierte Jagd. Am
Dienstag trafen wir uns dann zur waldbaulichen Exkursion wieder im Castellschen
Revier Lisberg. Zu diesem Treff kamen noch drei tschechische Förster des Prinzen
Lobkowitz dazu, der sehr enge Verbindungen zum Castellschen Haus hat. Die
Kommunikation erreichte dabei ihren Höhepunkt, da einer dieser tschechischen
Förster sehr gut Deutsch sprach. So konnten auch Feinheiten vermittelt und
diskutiert werden. Anschließend lud das Haus Castell alle Teilnehmer zum
Mittagessen ein – herzlichen Dank dafür an dieser Stelle!


Den Abschluss bildete ein kurzer Abstecher nach Ebrach, wo uns Betriebsleiter
Ulrich Mergner empfing und die anschließende Exkursion selbst leitete.


Ich versuche, den fachlichen Gehalt kurz und bündig zusammen zu fassen. Mir fiel
als forstlichem Laien auf:

  • Ein hohes Interesse an der „naturgemäßen“ Ausrichtung aller Exkursionsbetriebe, angefangen bei der Naturverjüngung bis hin zum Liegenlassen von Totholz
  • Großes Lob an die jagdliche Organisation in Castell und im Markwald der BaySF.
  • Die eindeutige Umsetzung von „Wald vor Wild“, was in Tschechien offensichtlich noch in den Kinderschuhen steckt. Dies wurde sehr interessiert von den tschechischen Gästen aufgenommen.

 

Ich darf mich an dieser Stelle bei allen, die zum Gelingen dieses Austausches
beigetragen haben, ganz herzlich bedanken: Bei Peter Grumann, Betriebsleiter
Stephan Keilholz und Mario Reißner, bei Uwe Reißenweber, dem Leiter der
Castell‘schen Forstverwaltung, und dem Haus Castell, bei Klaus Schulz und
Wolfgang Weiß für die Exkursion in Bamberg und schließlich bei Betriebsleiter

Ulrich Mergner, Forstbetrieb Ebrach. Nicht zuletzt möchte ich dem Europäischen
Forstinstitut (EFI) ganz herzlich für die Vermittlung und Begleitung dieses Projektes
danken, allen voran Alexander Held, der auch maßgeblich mit organisiert und uns
teilweise direkt vor Ort begleitet hat.


Es war Neuland für uns alle und ich sah dem Ganzen vor allem wegen der
sprachlichen Hürden manchmal etwas bange entgegen. Aber im Rückblick lässt sich
eindeutig formulieren: Die Kommunikation hat hervorragend funktioniert und der
menschliche und fachliche Austausch ist bestens gelungen. Wir blicken auf eine
schöne und interessante Begegnung zurück, die nach einer Fortsetzung verlangt:
Wenn alles so läuft, wie angedacht, wird 2017 ein Gegenbesuch in Tschechien ins
Auge gefasst. Diesbezüglich werden wir uns rechtzeitig rühren, um Interessierten die Möglichkeit zu geben, teilzunehmen.

 

Dr. Wolfgang Kornder
(Vorsitzender ÖJV Bayern, Mitorganisator der Begegnung)