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Mit WilTiB Zusammenarbeit verbessern

Bürgerplattform »Wildtiere in Bayern« ermöglicht neue Strategien

Dr. Wolfgang Kornder (nach Material aus der LfL)

Schwarwildschäden ©  W. Kornder
© W. Kornder

Bereits über eineinhalb Jahre informiert die Homepage »Wildtierportal Bayern« (www.wildtierportal.bayern.de) über Wildarten, die dem Jagdrecht unterliegen, Jägerprüfung und Jagdschein und viele weitere jagdliche Themen wie das forstliche Gutachten und die Leitbachendiskussion. Nun kommt mit WilTiB, der Bürgerplattform »Wildtiere in Bayern«, eine zweite Komponente hinzu. Diese passwortgeschützte Kommunikationsplattform steht regionalen Arbeitsgemeinschaften als online Meldesystem zu Themen rund um die Jagd zur Verfügung. Ziel ist es, Landwirte, Jäger und Jagdgenossen auf Augenhöhe zusammenzubringen, um vor allem Wildschadensprobleme gemeinsam zu lösen.

 

Seit Mai 2015 ist das »Wildtierportal Bayern« online. Besucher der Website können sich über Wildarten, deren Lebensräume oder über Themen wie »Jagd und Management« oder auch »Wildtiere in der Stadt« umfassend und mit neuartigen, meist interaktiven Darstellungen informieren. Die Anwendungsmöglichkeiten des Wildtierportals sind dabei sehr breit gefächert: Die detaillierten Artbeschreibungen und vielfältigen Informationen über unsere heimischen Wildtiere dienen als fundierte Wissensgrundlage für vielfältige Interessenten, wie zum Beispiel Jäger, Grundbesitzer, die interessierte Öffentlichkeit, Schulen oder Behörden. Aber auch zur Planung von Familienausflügen, Klassenfahrten oder Exkursionen kann das Internetportal genutzt werden. Das Wildtierportal Bayern stößt bei der breiten Öffentlichkeit auf ein reges Interesse. Damit die Aktualität und das Interesse bei den Nutzern gewahrt bleibt, wird das Wildtierportal auf seinen unterschiedlichen Ebenen fortlaufend weiterentwickelt, ergänzt und aktualisiert.

Gemeinsam Probleme lösen mit WilTiB
Neu und seit Herbst 2016 für Arbeitsgruppen online verfügbar ist die Bürgerplattform »Wildtiere in Bayern« (kurz: WilTiB). Sie bietet den Beteiligten vor Ort ein wichtiges Instrument, mit dem eine transparente Kommunikation und Diskussion ermöglicht wird. WilTiB und das Wildtierportal mit all ihren Anwendungsmöglichkeiten sind daher ein wichtiger Beitrag zur Stärkung des eigenverantwortlichen Handelns der Beteiligten vor Ort.


Nur wenn Landwirte, Jagdgenossen und Jäger gemeinsam an einem Strang ziehen, kann es gelingen, die zum Beispiel durch Schwarzwild oder Wildgänse verursachten Probleme in den Griff zu bekommen. Doch wie kann eine erfolgreiche Zusammenarbeit auf Augenhöhe organisiert werden?

 

WilTiB ist eine staatliche Dienstleistung, die im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in enger Kooperation mit Verbänden und zukünftigen Nutzern entwickelt wurde. Im Meldesystem arbeiten alle Beteiligten vor Ort gleichberechtigt zusammen und verwalten die eingegebenen Daten selbstbestimmt. Für interessierte regionale Arbeitsgruppen, bestehend aus Landwirten, Jagdgenossen, Jägern und weiteren betroffenen Interessenten, richtet die LfL entsprechende Kartengrundlagen und Meldemöglichkeiten über einen Onlinezugang ein.


Zusammenarbeit in Arbeitsgemeinschaften
Dies geschieht in sogenannten Arbeitsgemeinschaften. Dabei schließen sich Interessierte aus einer Region zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Mindestvoraussetzung im Themenbereich Schwarzwild: Jäger und Landwirte müssen vertreten sein. Sobald sich die Arbeitsgemeinschaft zusammengefunden hat, bereitet die LfL im Hintergrund alles Notwendige vor und führt bei einer Auftaktveranstaltung alle Nutzer in die Funktion von WilTiB ein. Steht das System für die Nutzer bereit, kann sich jedes Mitglied der Arbeitsgemeinschaft mit seiner E-Mail Adresse und einem Passwort in den geschützten Bereich einloggen, um dort Meldungen einzugeben, Daten anzusehen und viele weitere Funktionen zu nutzen. Eine Datenschutzvereinbarung stellt sicher, dass allein die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft die Daten einsehen und verwenden dürfen. Entscheidungen wie die Aufnahme von weiteren Meldern oder die Veröffentlichung von Ergebnissen und Daten trifft die Arbeitsgemeinschaft eigenverantwortlich. Das klare Ziel von WilTiB lautet, ein regionales, von den Betroffenen selbst entwickeltes Management zu ermöglichen. Die Arbeitsgemeinschaft besitzt die alleinige Entscheidungshoheit und organisiert sich selbst.


Daten erfassen …
In die digitalen Karten können Schäden, Abschüsse, Beobachtungen und Reviereinrichtungen wie Hochsitze und Kirrungen eingetragen werden. Mit wenigen Klicks kann beispielsweise ein Wildschaden mit den gewünschten Parametern (Größe, Art, genaue Lage, betroffene Kultur) erfasst werden. Um die Meldungsabgabe zukünftig noch einfacher zu gestalten, wird bereits an einer App für Smartphones und Tablets gearbeitet. Nach der Speicherung der Meldung steht diese sofort für alle anderen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft zur Verfügung. Bei einem Klick auf die Meldung erhält der Nutzer dann alle Informationen, die bei der Erfassung eingetragen wurden. Zusätzlich erreicht jeden Benutzer eine E-Mail, die über neue Meldungen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft informiert. Auf diese Weise weiß der Jäger schnell Bescheid kann entsprechend reagieren.

... darstellen und weiterverarbeiten
Die eingegebenen Daten können als Karten ausgedruckt oder in Tabellen gespeichert werden. So bekommt die Arbeitsgemeinschaft wertvolle Übersichten über seine erhobenen Daten (Schadensschwerpunkte, detaillierte Abschussübersichten etc.) und kann diese für Vorträge und Präsentationen verwenden. Zahlreiche Möglichkeiten werden angeboten, in den Meldungen zu recherchieren: Individuell angepasste Betrachtungszeiträume, Erlegungsarten (Abschüsse differenziert nach Kirrjagd, Bewegungsjagd etc.) oder Schäden an bestimmten Kulturen sind Beispiele für Kriterien, nach denen Daten ausgewählt und angezeigt werden können. Um die Datenrecherche abzurunden, bietet WilTiB Diagramme an. Neben den Daten des Wildtierportals Bayern (z. B. Streckendaten, landwirtschaftliche Flächennutzungen, Ergebnisse der Forstlichen Gutachten) stehen den Nutzern beispielsweise auch Karten zu Schutzgebieten, Verwaltungsgrenzen oder Informationen über Biotopkartierungen zur Verfügung.

 

Transparenz schaffen, Diskussionen anregen
Jede Arbeitsgruppe erhebt Daten ausschließlich zu ihrem gemeinsamen Nutzen. Alle Meldungen sind transparent für jedes Mitglied sichtbar. Ob Wildschaden, Abschuss oder Beobachtung: Nur wenn alle am Wissen teilhaben und auf einen gemeinsamen Kenntnisstand zurückgreifen, begegnet man sich auf Augenhöhe. Daraus sollen Diskussionen innerhalb der Gemeinschaften entstehen. Fragen wie »In welchen Bereichen müssen wir jagdliche Schwerpunkte setzen?« oder »Wie planen wir unsere Bejagung revierübergreifend?« können dann vor Ort auf Basis einer gemeinsamen Datengrundlage sachlich diskutiert und aktiv angegangen werden. Dass dies tatsächlich funktioniert, haben die positiven Erfahrungen mit dem Schwarzwild-Informationssystem (SIS) des Bayerischen Bauernverbands eindrücklich gezeigt.


Nutzen auf einen Blick
Natürlich kann ein Meldesystem allein keine Wildschadensproblematik lösen. Doch ist WilTiB ein sehr wertvolles Werkzeug, das den Betroffenen kostenlos zur Verfügung gestellt wird, damit sie Probleme gemeinsam angehen und lösen können. Fünf Vorteile sind dabei besonders herauszustellen:


Miteinander: Die Zusammenarbeit auf Augenhöhe führt zu einem »Miteinander« statt zu einem »Gegeneinander«.


Transparenz: Die gemeinsam gesammelten Daten bilden eine Datengrundlage, die von allen Beteiligten eingesehen und auf Wunsch überprüft werden kann. So wird einerseits Vertrauen geschaffen, andererseits durch die Transparenz eine Versachlichung der Diskussion erreicht.


Umfassende Schadensdokumentation: Schäden können erstmals vollumfänglich dokumentiert und quantifiziert werden. Die Meldung eines Schadens ist dabei gänzlich unabhängig von einer Wildschadensmeldung an die Gemeinde. Ein Schaden wird ausschließlich für die Arbeitsgruppe dokumentiert. So können beispielsweise die Ausmaße der Schäden in der Projektregion dargestellt und der Öffentlichkeit oder den Jagdbehörden mit Zahlen und Karten anschaulich kommuniziert werden. Wird beispielsweise eine Schonzeitverkürzung bei der Unteren Jagdbehörde beantragt, ist bei Nutzung von WilTiB eine Dokumentation der Schäden schnell zur Hand.


Regional angepasstes Management: Die Arbeitsgemeinschaft ist durch die Bürgerplattform in der Lage, ein regional angepasstes (selbst entwickeltes) Management effektiv und tagaktuell umzusetzen. So können beispielsweise durch die schnelle Meldung von Schäden und die Information der Jäger per Mail kurz nach dem Schaden Vergrämungsabschüsse an Schadflächen erleichtert, das Bewegungsverhalten der Tiere über das eigene Revier hinaus beobachtet oder Regionen mit hohen Schäden leichter erkannt und die Bejagung dort intensiviert werden.


Vereinfachte Planung: WilTiB eignet sich ferner optimal dazu, jagdliche Managementkomponenten wie Bewegungsjagden, Schussschneisen, Ruhezonen oder die Lage von jagdlichen Einrichtungen einfach planen zu können.


All das trägt zu einer Verbesserung der Zusammenarbeit und einer Optimierung der Bejagung bei, was zu einer Minimierung der Schäden führen kann. So melden Landwirte einer Arbeitsgemeinschaft, die drei Jahre lang mit dem SIS arbeitete und nun auf WilTiB umgestellt hat: Die Wildschäden in der Landwirtschaft gingen auf 10 Prozent im Vergleich zu vor der Nutzung eines Meldesystems zurück. Aus dem sehr angespannten Verhältnis zu den Bayerischen Staatsforsten wurde eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, und auch Jäger und Landwirte arbeiten nun zusammen, statt übereinander zu schimpfen.


Neben der Anwendung in den Schnittstellen Jagd und Landwirtschaft ist eine Verwendung von WilTiB auch zu Umweltbildungszwecken möglich, beispielsweise können im Rahmen von Schulprojekten Wildtiere digital erfasst werden.


Staat als Dienstleister
WilTiB wird als eine staatliche Dienstleistung kostenfrei den regionalen Arbeitsgemeinschaften angeboten. Sie stärkt das eigenverantwortliche Handeln der Beteiligten vor Ort. Als ein in die Zukunft gerichtetes Angebot wird das webbasierte Melde- und Monitoringsystem stetig den Herausforderungen angemessen weiterentwickelt.
Fall Sie Interesse an WilTiB haben, melden Sie sich unter WilTiB@LfL.bayern.de – die Mitarbeiter des Projektteams stellen Ihnen das System gerne vor, sei es vor Ort oder am Telefon. Oder besuchen Sie unsere Infoseite im Wildtierportal unter www.wildtierportal.bayern.de/wiltib .