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Exkursion der ÖJV Bezirksgruppe Schwaben in die Freiherr von Wiedersperg-Leonrod’sche Forstverwaltung in Schmiechen

Thema: Die Bedeutung der Jagd für die Waldwirtschaft in einem größeren Privatwaldbetrieb

Knapp 20 ÖJV-Freunde und Mitglieder trafen sich am 30. Juni 2017 zu einem Begang in den von Wiedersperg-Leonrod’schen Waldungen.

Der Betrieb umfasst ca. 400 ha, verteilt auf 6 verschiedene Waldorte. Hauptbaumart ist bisher die Fichte. Durch die Orkane Wiebke und Lothar entstanden große Freiflächen.  An eine Zäunung war nicht zu denken, was dann sehr schnell den Focus auf eine intensivere Bejagung des Rehwilds lenkte.

Lediglich 250 ha Wald gehören zur Eigenjagd, aufgeteilt auf zwei Reviere, der Rest gehört zu Genossenschaftsjagden. Hier zeigten sich dann sogleich die Unterschiede. In den nicht selbst bejagten Waldteilen ist der Waldboden unter dem Fichtenaltbestand kahl. Alle Naturverjüngung, selbst die der Fichte, wird konsequent vom Rehwild abgeäst. Anders in den selbst bejagten Flächen. Dort stellte und stellt sich eine reichliche Naturverjüngung von selbst ein. Auf den Windwurfflächen besteht sie heute meist ohne Pflanzung aus Birke, Eiche, Fichte, Kiefer, Lärche, Douglasie, Pappel, Weide, Eberesche und Buche – ein gemischter Wald bestens gewappnet auch für eine künftig zu erwartende Klimaerwärmung.

Neu war für uns, dass sich eine intensive Wildregulation auch schon in kleineren Revieren lohnt. Nach Erfahrung von Frhr. v. Wiedersperg bringt bereits ein Abstand von 200m zu konventionell bejagten Revieren eine wesentliche Verbesserung der Naturverjüngung.

Jagdmethoden sind der Sammelansitz zu Zeiten erhöhter Sichtbarkeit sowie mehrere kleinere Drückjagden mit Hunden, wobei das Problem überjagender Hunde grundsätzlich auch hier besteht.

Frhr. v. Wiedersperg plädiert im Übrigen auch als Mitglied des Vorstands im Bayrischen Waldbesitzerverband für Anpassungen im Bayerischen Jagdgesetz. So würde er eine Freigabe der Benutzung von Nachtzielgeräten, mindestens aber der Taschenlampe für erforderlich halten. Zudem bewegen sich zunehmend auch Freizeitsportler nachts in den Wäldern.

Zu dem fordert er eine Vorverlegung des Bockabschusses auf den ersten April - neben der allgemeinen Freigabe der Böcke im Herbst und Winter – da durch die Klimaerwärmung das Bastgeweih schon im April abgefegt wird.

Der Betrieb mit 400 ha Wald ernährt nicht nur die Frhr. v. Wiedersperg’sche Familie, sondern sichert auch den nicht unerheblichen Erhaltungsaufwand für Wirtschaftsgebäude und ein altes Schloss. Uns wurde überzeugend dargestellt, dass eine wesentliche Stellschraube für einen ordentlichen Ertrag aus dem Waldbesitz die Kostensenkung im Kulturbereich, also Pflanzung und Zaun, darstellt. Dafür muss die Jagd stimmen.
Herzlichen Dank an Frhr. v. Wiedersperg-Leonrod für eine erfrischende und überaus humorvolle Führung.

Dr. Walter Mergner
(Vorsitzender ÖJV-Bezirksgruppe Schwaben)

Bilder: Dr. W. Kornder