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Die Bezirksgruppe Schwaben in den Plenterwäldern von Weiler

am 12. August 2017

Trotz Ferienzeit und trotz Dauerregen bis zum Mittag trafen sich fast 30 Interessierte um sich über das Thema Tannenplenterwälder und Jagd zu informieren.
Dabei waren viele Waldbesitzer aus dem Allgäu, aber auch Jäger und Forstleute.
Die Jagdvorstände Martin Müller und Lothar Behmann, deren Genossenschaftsreviere aneinander angrenzen, hatten die Begangsroute mit Klaus Urban, Berater und freier Mitarbeiter der Bergwaldoffensive Allgäu, abgestimmt. Die jagdliche Eigenbewirtschaftung in der Gemeindejagd und wie sie dem Ziel angepasster Rehwildstände nutzbar gemacht werden kann, war auch das zentrale Thema der Exkursion.
Bereits 1956 hatte Professor Köstler in seiner berühmten Plenterwaldstudie festgestellt, dass der notwendige Tannennachwuchs weitgehend fehlt. Auch wenn er die Gründe dafür genauso kannte und auch benannte, wie wir heute, gab es doch über Jahrzehnte keine Änderung der Situation. Der langjährig zuständige Revierförster, Roland Tröster, erläuterte an mehreren Punkten die derzeitige Situation und die Entwicklung in den letzten Jahren. Die Plenterstruktur hält viel aus, von keinen Eingriffen über Jahrzehnte bis zur kompletten Entnahme allen Starkholzes. Die besten Strukturen sind seiner Meinung nach dort zu finden, wo die Höfe das Holz und auch das Geld benötigt haben, da finden sich die idealen vorratsguten Plenterwälder. Der Wandel in der Agrarstruktur mit der Aufgabe vieler landwirtschaftlicher Betriebe ist natürlich eine Herausforderung für den Erhalt der Plenterwaldstrukturen.
Eine Herausforderung ist natürlich auch die Jagd. Die Tanne ist vor  allem noch aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg im Unterstand erhalten. Damals war Lindau französische Besatzungszone und die Jagd der Militärangehörigen ein Segen für den Wald.
Damit jetzt endlich wieder der Tannennachwuchs funktioniert, haben die beiden Jagdgenossenschaften, eine schon vor sieben Jahren, die andere vor zwei Jahren auf Eigenbewirtschaftung umgestellt. Dass das nicht so einfach ist, erläuterten die beiden jungen Jagdvorstände. Irgendwann muss es halt mal eine Zäsur geben. Um klar formulierte waldbauliche Ziele zu erreichen, wurde Klaus Urban mit der Erstellung eines Jagdkonzeptes beauftragt (siehe auch: www.bauernjaeger.de – Archiv: Jagdkonzept für das BWO-Projektgebiet Salmersberg-Hausbachtobel). Die Waldbesitzer als Eigentümer des Jagdrechts müssen entscheiden, was Sie wollen. Dass es bereits erste Erfolge gibt, konnte man an den jungen Tannen sehen. Die gibt es jetzt immerhin schon, wenn auch der Verbiss noch Luft nach oben lässt. Interessant waren die Ausführungen des verantwortlichen Jägers über die Organisation der Jagd.
Auffallend ist dabei der Gedanke des gemeinschaftlichen Jagens.
Ohnehin werden jagdliche Schwerpunkte nach der Sichtbarkeit des Rehwildes organisiert, dann aber wird gemeinschaftlich gejagt und das macht offensichtlich auch bedeutend mehr Spaß. Das ist ein Umdenken von der bisherigen Pächterjagd und kann gut funktionieren, wenn sich die Jäger auf so ein System einstellen. Auch herbstliche Drückjagden gehören natürlich zu diesem System.
Interessant war, dass nach Aussage von Forstdirektor Peter Titzler vom AELF Kempten, der uns freundlicher Weise auch an einem Samstag begleitete, schon ca. 45% der Jagdgenossenschaften in seinem Verantwortungsbereich auf Eigenbewirtschaftung umgestellt haben.
Es bewegt sich also etwas im Allgäu!!
Das ist sehr erfreulich. Besonders erfreulich ist, dass junge Waldbesitzer wie die beiden Jagdvorstände Verantwortung übernehmen und die Aufgabe der notwendigen Tannenverjüngung konsequent anpacken. Natürlich ist das auch ganz in unserem Sinne und letztendlich auch eine Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen!
Herzlichen Dank allen verantwortlichen Organisatoren, den Forstleuten vom AELF Kempten, dem Bergwaldoffensive-Kartierer Klaus Urban und vor allem den Jagdvorständen Martin Müller und Lothar Behmann.
In fünf Jahren schauen wir wieder nach! Da freue ich mich schon drauf!

Dr. Walter Mergner