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Mit Kindern unterwegs in Wald und Feld

In meinem Revier in Dutzenthal (Mfr.), das der Karl-Oskar-Koenigs-Stiftung Nationalparke gehört, kommen regelmäßig Kinder- und Jugendgruppen zu Freizeiten. Für diese mache ich immer wieder Führungen zu Wald, Feld und Jagd. So hat mich dieses Jahr die kath. Jugend Königstein, die Anfang August im Zeltlager war, angefragt.

Mit zwei Betreuern und 42 Kindern von ca. 10 – 13 Jahren machten wir uns zur ca. 2-stündigen Exkursion auf.  Zunächst ging es allgemein um die Jagd: Weshalb ziehen sich die Jäger auffällig mit Warnfarben an, wie funktioniert der Gehörschutz, was ist ein Schalldämpfer, wozu braucht der Jäger das Fernglas …? Dann kamen endlich die vierbeinigen Jagdhelfer dran, die ihrerseits schon ganz neugierig auf die Kinder waren. Wie immer, auch wenn ich unsere Hunde beim Wandertag in der Schule dabei habe, wurden Onja  und Silva an die Kinder zum Führen verteilt. Die Begeisterung ist riesengroß, so dass ich eigentlich 42 Hunde gebraucht hätte. Dazu gibt es dann immer eine Kurzeinführung für den Umgang mit Hunde und die Bitte, die Hunde auch weiterzureichen.  

Unser jagdliches Grundanliegen, dass wir auf der Jagd Tiere töten, um sie zu nutzen und um untragbare Schäden in Wald und Feld zu verhindern, konnten die Kinder problemlos nachvollziehen und dass vernünftiges Jagen Freude bereiten kann, ebenso. Während der Exkursion kamen wir immer wieder auf Verbissspuren, die es in meinem Revier, in dem die Eiche ohne Schutz wächst, durchaus auch gibt.

Der Mittelwald fiel den Kindern als etwas Besonders auf und so konnten wir Entstehungsgeschichte, Stockausschlag, die Verwendung der Eichenrinde zum Gerben etc. klären. Dass Fichten auf Eichenstandorten nicht sonderlich gedeihen, erkannten die Kinder selbst. Die Borkenkäfer sind ihnen nun nicht mehr unbekannt. Salzlecksteine im Wald sind zwar nicht nötig, aber das Wild kommt darauf zu und so kann man es leichter erlegen. Suhlen sind multifunktional, die Wildschweine zeigen die größte Begeisterung, andere Tiere, auch viele Vögel, verwenden sie auf ihre Weise, z.B. zum Trinken. Auch das alte Steinkreuz in meinem Revier gehört dazu. Ich erzähle dann die zugehörige Geschichte und nutze die Gelegenheit, etwas von meinem Glauben zu erzählen, was im Rahmen einer katholischen Kinder- und Jugendfreizeit durchaus passt. Zwischendurch kommen allerlei Pflanzen zur Sprache, angefangen vom Weidenröschen bis hin zum Immergrün. An den bearbeiteten Wurzelstöcken hat das Thema Specht seinen Platz, dessen Höhlen wir an einer im Sturm geknickten alten Eiche studieren. Schließlich geht es am Waldrand zurück, wo ich noch einiges zur der in meinem Revier gepflegten Biolandwirtschaft erkläre. Hier am Waldrand entstand auch das Gruppenbild.

Die Kinder waren sehr aufmerksam, was gerade heute eher die Ausnahme ist, und wie ich im Nachhinein hörte, auch begeistert, und die Betreuer und ich waren zufrieden. So hatten beide Seiten etwas davon.

Noch ein paar grundsätzliche Gedanken
Mir ist es bei solchen Exkursionen wichtig, ein realistisches Bild der Jagd zu vermitteln. Dabei muss das Töten von gesunden Tieren ausdrücklich zur Sprache kommen. Das Jägerbild, dass wir nur die schwachen und kranken Tiere schießen, ist falsch und irreführend. Kinder verstehen, dass zugunsten der Land- und Forstwirtschaft gejagt werden muss. Und Kinder verstehen auch, dass es schön sein kann, in der Natur zu sein und zu jagen, einschließlich des Erlegens. Wichtig ist es mir, immer wieder Zusammenhänge herzustellen um so Vernetzungen, angefangen vom Klimawandel und seinen Auswirkungen über Pestizideinsatz bis hin zu den Waldfunktionen und dem Waldbau herzustellen.
Wenn wir kinder- und jugendgerecht unsere Natur in unserer Kulturlandschaft rüber bringen, wächst ein realistisches Verständnis und damit steigt die Chance, dass die nächste Generation vielleicht angemessenen(er) mit unserer Lebensgrundlage  umgeht.

Dr. Wolfgang Kornder
(Vorsitzender ÖJV Bayern)