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Die Afrikanische Schweinepest vor den Toren Bayerns

Informationen und Handlungsempfehlungen des Ökologischen Jagdverein Bayern e.V. zur hochinfektiösen Schwarzwildkrankheit „Afrikanische Schweinepest (ASP)“

aktualisiert am 27.03.2018

Bayern ist seit vielen Jahren schweinepestfrei. Weder die Klassische Schweinepest (KSP), noch die Afrikanische Schweinepest (ASP) kommen hier vor. Das soll auch so bleiben, denn die Krankheit hätte schwere Folgen für unsere Schwarzwildbestände und nicht zuletzt auch für Landwirte mit einem Schweinezucht- oder -mastbetrieb. Leider gibt es bei der Afrikanischen Schweinepest aber bislang keine Entwarnung. Ganz im Gegenteil. Die Informationen, die uns aus den osteuropäischen Staaten im Baltikum, aus Polen, Rumänien und seit Mitte letzten Jahres sogar aus unserem Nachbarstaat Tschechien erreichen, zeigen, wie schnell sich diese hochinfektiöse Krankheit ausbreiten kann und wie schwierig es ist sie einzudämmen.

Nach 2014 ist es nun schon die zweite Ausbruchswelle innerhalb weniger Jahre. Im Januar 2017 wurden im Baltikum wieder an der ASP verendete Wildschweine gefunden. In Litauen, in der Nähe der Großstadt Kaunas (der zweitgrößten Stadt Litauens) wurde die Krankheit dann sogar in einem Großmastbetrieb festgestellt, in dem daraufhin rund 23.000 Tiere gekeult werden mussten. Im weiteren Verlauf des Jahres traten immer wieder Fälle bei Hausschweinen auf, in Rumänien, Polen und Moldawien gab es meist in Kleinbetrieben zahlreiche Ausbrüche. Sogar auf Sardinien gab es im Sommer 2017 mehrere infizierte Hausschweine (und Wildschweine). Die Anzahl der tatsächlich infizierten Hausschweine lag im Jahr 2017 bei etwa 250 Tieren. Aus veterinärhygienischen Gründen mussten aber mehrere 10.000 Tiere gekeult werden.

Sehr dramatisch sieht es auch bei den Wildschweinen aus. 2017 wurden insgesamt fast 3.900 Stück infiziertes und daraufhin verendetes Schwarzwild bestätigt. Die Dunkelziffer dürfte aber sehr viel höher liegen, denn gerade auch in angrenzenden Nicht-EU-Staaten, wie etwa in Weißrussland oder Moldawien liegen mangels eines entsprechenden Monitorings gar keine Zahlen vor. Auch ist es natürlich bei Wildtieren von Haus aus schwer, verendete oder infizierte Tiere überhaupt erst aufzufinden und eindeutig der Krankheit zuzuordnen. Oft sind es in einer Population auch nur einzelne Tiere, die gleichzeitig infiziert sind und das macht den Nachweis und das Monitoring dementsprechend noch schwieriger. Die aktuellen Ausbruchszahlen zeigen, dass auch weiterhin kein Grund zur Entwarnung gegeben werden kann: Allein Anfang 2018 waren es bereits insgesamt 1.777 Stück (Stand 20.3.2018) infizierte Schweine. Den Hauptanteil haben dabei die Wildschweine mit 1.751 Stück.

Der Fall aus Tschechien, bei dem im Sommer 2017 bereits verendete, infizierte Wildschweine gefunden wurden, zeigte eindrucksvoll, dass das Virus binnen kürzester Zeit große Strecken zurücklegen kann. Außerdem wurde schnell klar, dass der Mensch bei der Verbreitung der Krankheit einen größeren Anteil haben kann, als zunächst angenommen. Es wird in diesem Fall vermutet, dass durch Speiseabfälle - vielleicht durch ein unachtsam weggeworfenes, kontaminiertes, ukrainisches Wurstbrot - das Virus über hunderte Kilometer weiter in die Nähe der tschechischen Stadt Zlin verbracht wurde. Beweisen lässt sich die Verbreitung durch das Wurstbrot als Vektor zwar nicht, obgleich eine Verbreitung durch den Menschen als gesichert gilt. Dies rüttelte somit nicht nur die örtlichen tschechischen Behörden, Landwirte und nicht zuletzt Jäger wach. Auch die bayerischen Schweinehalter und Jäger wurden nun aufmerksamer. Die ASP war nur noch etwa 300 km Luftlinie von Deutschland entfernt. Es war und ist immer noch möglich, dass sich innerhalb weniger Wochen oder im schlimmsten Fall sogar über Nacht das Virus nach Westen hin ausbreitet. Auch in Tschechien gibt es bislang keine Entwarnung. So wurden auch 2018 immer wieder infizierte Wildschweine innerhalb und leider auch außerhalb der Sicherheitszone aufgefunden.

Im Folgenden wird die seit Juli 2017 geltende qualitative Risikobewertung des Friedrich-Loeffler-Instituts aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) wiedergegeben. Sie zeigt das hohe Risiko und eben daraus die hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit nach Deutschland und auch nach Bayern kommen kann:

„Das Risiko des Eintrags von ASP nach Deutschland durch illegale Verbringung und Entsorgung von kontaminiertem Material wird als hoch eingeschätzt. Das Risiko des Eintrags durch kontaminiertes Schweinefleisch oder daraus hergestellte Erzeugnisse entlang des Fernstraßennetzes durch Fahrzeuge oder Personen wird im Sinne eines „worst case scenario“ als hoch bewertet. Das Risiko einer Einschleppung durch den Jagdtourismus und das Mitbringen von Jagdtrophäen aus betroffenen Regionen wird als mäßig eingeschätzt. Das Risiko eines Eintrags der ASP durch direkten Kontakt zwischen infizierten Wildschweinen wird als mäßig beurteilt.“

Übertragen wird das Virus durch direkten Kontakt von Schwein zu Schwein. Von Hausschwein zu Hausschwein, von Wildschwein zu Wildschwein aber auch von Hausschwein zu Wildschwein und umgekehrt. Das heißt, es kann bei offenen Haltungsformen des Hausschweins zur Übertragung auf das Wildschwein kommen und umgekehrt. Das Virus ist im Blut und Gewebe der infizierten Tiere und wird mit allen Sekreten und Exkreten ausgeschieden (Speichel, Urin, Kot, Sperma). Aber insbesondere der Kontakt zu Blut von infizierten Schweinen stellt einen höchst ansteckenden Übertragungsweg dar. Neben der direkten Übertragung ist ebenso eine indirekte Übertragung über virusbehaftete Kleidung, Futtermittel, Schlacht-/Speiseabfälle oder Gülle und Mist möglich. Auch der Mensch kann nach Kontakt zu infizierten Tieren z. B. über schmutzige Hände das Virus übertragen. Das Virus der ASP ist sehr widerstandsfähig und hält sich in unbehandeltem Fleisch und Fleischprodukten, Blut und auch in gepökelten oder geräucherten Waren monatelang.

Eine mögliche Quelle für die Einschleppung der Krankheit nach Bayern ist die Verfütterung oder der Kontakt zu nicht oder ungenügend erhitzten, virushaltigen Fleisch- oder Speiseabfällen (auch Schinken, Salami, etc.). Eine besondere Gefahr stellen hierbei die Wildschweine dar, die sich z. B. an Mülltonnen bedienen und hier an Nahrungsmittel aus Ländern kommen können, in denen die Afrikanische Schweinepest bereits vorkommt. An den einschlägigen Autobahnen mit viel Fernverkehr aus östlichen EU-und Nicht-EU-Ländern wurden auf den Rastplätzen bereits mehrsprachige Warnschilder angebracht. Darauf wird in sechs Sprachen dringend darauf hingewiesen, dass sämtlicher anfallender Reiseabfall und insbesondere Lebensmittelreste in die dafür vorgesehenen, verschlossenen Abfallbehälter entsorgt werden.

Wie erkennt man nun als Jäger die Symptome der Afrikanischen Schweinepest?

Generell unterscheiden sich die Krankheitssymptome nicht von denen der Klassischen Schweinepest (KSP). Aufgrund eines sehr variablen Krankheitsbildes kann aber eine sichere Diagnose der ASP ausschließlich im Labor durchgeführt werden. Es gibt aber Anzeichen, die auf eine Erkrankung mit ASP hinweisen.  Das Friedrich-Loeffler-Institut unterscheidet dabei zwischen verschiedenen Verlaufsformen der Krankheit:

Perakuter Verlauf der Krankheit:
Bei dieser Form, die durch ein hoch virulentes Virus hervorgebracht wird, verenden die infizierten Tiere innerhalb weniger Tage ohne vorher charakteristische Krankheitssymptome aufzuweisen. (Mortalität 100%)

Akuter Verlauf der Krankheit:
Diese Form ist gekennzeichnet durch lang anhaltendes Fieber, Appetitlosigkeit, allgemeine Schwäche, Atembeschwerden und plötzlichen Tod. Die infizierten Tiere weisen oft Rötungen und Verfärbungen, besonders im Bereich der Ohren, des Schwanzes, der unteren Extremitäten und des Unterbauches auf. Blutiger Durchfall kann ebenfalls zu den Symptomen gezählt werden. Beim Aufbrechen der infizierten oder verendeten Tiere treten meist punkt- oder flächenhafte Blutungen in der Haut und den inneren Organen auf. Die Milz ist oft stark vergrößert. (Mortalität 100%)

Subakuter Verlauf der Krankheit:
Bei diesem Verlauf werden meist weniger intensive Krankheitssymptome beobachtet. Neben wellenförmig verlaufendem Fieber und Appetitlosigkeit und allgemeiner Schwäche können die Tiere Zeichen einer Lungenentzündung aufweisen. Auch häufige Fehlgeburten können auftreten. Auch die Rötungen und Verfärbungen können wie beim akuten Verlauf auftreten, sind aber meist weniger deutlich ausgeprägt. (Mortalität 30-70%)

Chronischer Verlauf der Krankheit:
Diese Form des Krankheitsverlaufs ist selten. Es können dabei kaum charakteristische Krankheitssymptome festgestellt werden. Häufig kommen bakterielle Sekundärkrankheiten hinzu und der Nachweis der ASP wird nochmals erschwert. Die Tiere sind aber über sehr lange Zeit ansteckend.

Ein Schwein, das die Krankheit überlebt, kann noch über Monate hinweg das Virus ausscheiden.
Die Afrikanische Schweinepest ist nicht auf den Menschen übertragbar. Fleischprodukte, die aus ASP-infizierten Wild- oder Hausschweinen hergestellt wurde, sind dabei für Mensch und Hund nicht gefährlich und könnten sogar ohne gesundheitliche Auswirkungen verzehrt werden. Mensch und Hund können aber beim Kontakt mit ASP-kontaminiertem Material zur Verbreitung der Viruserkrankung beitragen.

Was können Jäger (vorbeugend) tun (Handlungsempfehlungen des ÖJV Bayern)?

  • Jäger sollten sich kontinuierlich an den Überwachungsprogrammen und am Monitoring beteiligen. Möglichst jedes Stück Fallwild und krank erlegtes Schwarzwild sollte untersucht werden. Es reicht, wenn entweder Milz, Lymphknoten und/oder Rachenmandeln (ca. 30 g je Organ), Flüssigkeit aus der Körperhöhle, Bluttupfer oder Skelettreste bei starker Verwesung zur Untersuchung gebracht werden.
  • Der unmittelbare Kontakt der Jagdhunde zu Fallwild und bereits erlegten Wildschweinen sollte wenn möglich vermieden werden. Auch wenn für den Hund selbst keine Gefahr besteht, so kann er zur ungewollten Verbreitung beitragen.
  • Die Kirrungen sollten auf keinen Fall mit Schwarzwildaufbruch, Speiseabfällen oder Schlachtabfällen bestückt werden. Auch Abfallprodukte (zB. Schwarte oder Knochen), die beim Zerwirken anfallen, sollten unbedingt auch als Abfall entsorgt werden. Fütterungen müssen unbedingt unterlassen werden.
  • Bei Auffälligkeiten sollte sofort das Veterinäramt informiert werden. Auffälligkeiten können Fallwild, abgekommene Tiere mit mangelnder Scheu oder besondere Merkmale an erlegten Tieren sein.


Zu den wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen gehört aber die konsequente Bejagung der Schwarzwildpopulation, da sich bei hohen Beständen Krankheiten viel leichter ausbreiten. Es müssen dringend alle möglichen jagdlichen Möglichkeiten zur Bestandsreduktion des Schwarzwildes ausgenutzt werden. Der ÖJV Bayern hat hier einen Maßnahmenkatalog erstellt:

  • Das wichtigste Mittel ist die Durchführung revierübergreifender Drückjagden. Dabei sind selbstverständlich von allen Revierinhabern überjagende Hunde zu dulden.
  • Es müssen bei allen Jagdarten gezielt auch Bachen erlegt werden. Nur so reduziert man die reproduktionsfähigen Mitglieder einer Schwarzwildpopulation und kann so bestandsregulierend eingreifen. Auf Grund der prekären derzeitigen Situation muss dabei auch bereits vor dem Auftreten der Krankheit in Bayern darüber nachgedacht werden, ob die Verfolgung des Straftatbestandes wegen eines fahrlässigen Abschusses einer laktierenden Bache ausgesetzt werden sollte.
  • Des Weiteren sollten durch eine vereinfachte Beantragung auch vermehrt Saufänge zum Einsatz kommen. Diese können in Gebieten, in denen hohe Schwarzwildpopulationen auftreten, eine geeignete Möglichkeit zur Reduktion sein. Richtig angewendet und betrieben sind sie effizient und tierschutzgerecht.
  • Der Einsatz der Nachtsichttechnik ergänzt in vielen Fällen eine konsequente Bejagung. Eine eindeutige Ansprache des Wildes ist dadurch gegeben und in vielen Fällen wird mit Hilfe des Nachtzielgeräts ein sauber angetragener,  tierschutzgerechter Schuss überhaupt erst möglich. So wird die Nachtjagd mittels technischer Hilfsmittel zu einer effektiveren Jagdart. In Bayern ist derzeit mit einer Sondergenehmigung vom Landratsamt der Einsatz von Vorsatz-Nachtsichtgeräten möglich. Die Jäger, die diese Technik benutzen, haben erste positive Erfahrungen gemacht, vor allem, weil sie bei der Nachtjagd nicht mehr auf wolkenfreie Mondnächte angewiesen sind.


Die Voraussetzungen zur Genehmigung der Saufänge in Bayern sind dabei etwas geringer als die zur Genehmigung der Nachtzielgeräte. Grund hierfür ist das Maßnahmenpaket zur nachhaltigen Reduktion des Schwarzwildes des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das die Hürden zur Genehmigung der Saufänge verringert hat.

  • Eine weitere ergänzende Maßnahme ist die Anlage von Schussschneisen in landwirtschaftlichen Nutzflächen. Diese sollten immer in Absprache zwischen dem Landwirt und dem Jäger angelegt werden und vereinfachen die Schwarzwildbejagung im Feld. Die Schussschneisen sollten wenn möglich auch gleich bei der Aussaat mit eingelegt werden. Bewegungsmuster und Aufenthaltsorte der Wildschweine können so schon im Jahresverlauf ausgekundschaftet werden.
  • Schließlich muss zur effektiven Reduktion des Schwarzwildes auch eine (zumindest temporäre) Jagdzeitverlängerung bzw. Schonzeitaufhebung erfolgen. Stärkere Stücke Schwarzwild müssen angesichts des ASP-Risikos auch zwischen Februar und Mitte Juni bejagt werden können. Am 14.03.2018 ist die „Verordnung zur Änderung der Schweinepest-Verordnung und der Verordnung über die Jagdzeiten“ in Kraft getreten. Die Verordnung auf Bundesebene ermöglicht es auch in Bayern, sämtliches Schwarzwild ganzjährig zu bejagen. Der Muttertierschutz ist dabei einzuhalten.
  • Anreizsysteme, wie etwa Abschussprämien und kostenfreie oder zumindest kostenreduzierte Trichinenuntersuchungen könnten als unterstützende Maßnahmen seitens der Behörden das Umdenken in der Jägerschaft fördern. Auch eine finanzielle Förderung des Hundeeinsatzes bei Drückjagden und Nachsuchen wäre denkbar und wünschenswert. In Bayern wurde, wie in vielen anderen Bundesländern eine Abschussprämie eingeführt (dazu unten mehr).


Nur eine Kombination aus allen genannten jagdlichen Möglichkeiten kann zu einer ausreichenden Bestandsreduktion des Schwarzwildes führen. Die Jäger sind in der Pflicht, ihren Beitrag bei der Abwehr dieser hochinfektiösen Krankheit zu leisten. Denn wenn die Afrikanische Schweinepest einmal Fuß gefasst hat, ist es enorm schwierig, sie wieder aus Bayern herauszubekommen. Nur ein modernes Management mit effektiven Bejagungsstrategien, die zu einer eindeutigen Reduktion der Schwarzwildbestände führen, kann dies bewirken. Die Zeit der „Schwarzwildbewirtschaftung“ ist längst vorbei. Jäger, die so denken, sind als Jagdpächter ungeeignet!

Sollten alle jagdlichen Bestreben zur Bestandsreduktion des Schwarzwildes keinen Erfolg bringen, wird auch die Verwendung von Mitteln zur Immunokontrazeption kein Tabu mehr sein. Bei dieser Art „Impfung“ werden die Wildschweine unfruchtbar gemacht und so ein weiterer Bestandsanstieg verhindert. In dicht besiedelten Gebieten ist der Einsatz zwar schwieriger, Studien aus England zeigen allerdings, dass eine Impfung von Wildschweinen mittels Futterköder möglich ist. Dies könnte durch behördliche Anordnung durchgesetzt werden, um zum Beispiel auch in Jagdrevieren die Bestände zu regulieren, in denen die dort eingesetzte Bejagungsstrategie keinen Erfolg gebracht hat. Der Einsatz dieses Mittels als ultima ratio würde allerdings ein Versagen der derzeitigen Jagd aufzeigen. Noch ist es möglich durch konsequente Bejagung die Schwarzwildbestände zu regulieren. Allerdings müssten dabei alle Interessensgruppen an einem Strang ziehen. Jäger, Landwirte und Förster, genauso wie die zuständigen Behörden.

Was wurde in Bayern bislang zur Seuchenprävention gemacht?

Die Gefahr eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest scheint auch der Öffentlichkeit bewusst geworden zu sein. Spätestens seit letztem Herbst ist die Afrikanische Schweinepest nun regelmäßig Thema in den Medien. Auch die Politik beschäftigt sich nun europaweit endlich auch ausführlich mit dem Thema. Die bereits betroffenen Länder gehen dabei die unterschiedlichsten Wege: In Tschechien wird zum Beispiel eine Spezialeinheit der Polizei eingesetzt, Wildschweine zu erlegen, weil es die Jägerschaft alleine nicht schafft. In Polen bekommen Jäger sogar Sonderurlaub, um auf die Wildschweinjagd zu gehen. In Deutschland ist die Jagd jedoch Ländersache und so versucht jedes Bundesland auf unterschiedliche Weise einen Ausbruch zu verhindern.

In Bayern können seit einiger Zeit Anträge für den Betrieb eines Saufangs und der Verwendung der Nachtsichttechnik gestellt werden. Die Genehmigungen erteilt die zuständige Untere Jagdbehörde. Es zeigte sich bislang, dass die Landratsämter hier sehr unterschiedliche Anforderungen bei der Genehmigungsfähigkeit stellen. Eine eindeutige, einheitliche Regelung wäre hier wünschenswert.

Am 19. Dezember 2017 wurde in der Kabinettssitzung des bayerischen Ministerrats ein Maßnahmenpaket zur präventiven Tierseuchenbekämpfung beschlossen. Insgesamt wurden dabei 1,5 Millionen Euro bis Ende 2018 zur Verfügung gestellt. Neben verstärkten veterinärhygienischen Kontrollen ist auch die Einführung eines Anreizsystems für Jäger im Beschluss enthalten. Dabei erhalten Jäger für den Abschuss von Frischlingen, Überläufern und Bachen 20 Euro. In manchen Regionen ist dadurch zwar teilweise die obligatorische Trichinenuntersuchung bezahlt, ein echter Anreiz ist dies aber noch bei weitem nicht. Zusätzliche Kosten könnten zum Beispiel noch bei einer fakultativen Radiocäsium-Kontrolle dazukommen. Hinzu kommt noch, dass gerade bei Frischlingen unter 30 kg der Fleischerlös auch nicht sehr hoch ist, die Kosten für die Kontrollen aber gleich bleiben. 20 Euro sind dabei kein ausreichender Anreiz auch in diese Altersstruktur einzugreifen. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass sich die Schwarzwildstrecke allein wegen der 20-Euro-Abschuss-Belohnung nicht ausschlaggebend verändern wird. Der Antrag auf die Prämie muss dann auch noch pikanterweise beim Landesjagdverband gestellt werden, obwohl sich genau dieser klar von einer effektiven Schwarzwildreduktion distanziert hat. Beim Landesjagdverband, der nur ca. 63% der bayerischen Jagdscheininhaber vertritt, gelten zum Beispiel Nachtsichttechnik oder Saufänge als jagdethisch verwerflich. Der bayerische Landesjagdverband propagiert zudem immer noch eine Schonung der sog. Leitbache. Auch dessen Polemik gegen den Bauernverband und daher auch gegen die bayerischen Landwirte, die aufgrund des vermehrten Maisanbaus Schuld an der Problematik seien, ist absolut nicht vertrauensbildend und zur Bewältigung der Probleme wenig hilfreich. Der ÖJV Bayern steht hier ganz klar hinter den Landwirten und versucht im Dialog mit allen Landnutzern praktikable Lösungen zu finden.

Am 21. März 2018 wurde das bayerische Kabinett umgebildet und es gibt mit Frau Michaela Kaniber (CSU) eine neue Landwirtschafts- und Forstministerin. Sie ist zudem zuständig für die Jagd. Herr Dr. med. vet. Marcel Huber (CSU) wird neuer Umwelt- und Verbraucherschutzminister. Sein Zuständigkeitsbereich erstreckt sich auch auf die Seuchenprävention. Der ÖJV erwartet von der neuen Landesregierung, dass umgehend praktikable und effektive Maßnahmen zur Bestandsreduktion und daher zur Abwehr der ASP mit noch mehr Konsequenz und Dringlichkeit beschlossen und gefördert werden.

Die Forderung des Deutschen Bauernverbands (DBV), prophylaktisch 70% der Wildschweine zu erlegen, ist aus der Sicht der Landwirte durchaus nachvollziehbar, wenn auch schwierig, denn zum einen kennt niemand den tatsächlichen Wildschweinbestand, geschweige denn dessen Altersstruktur. Zum anderen ist die Durchführung einer drastischen Reduktion mit den derzeitigen Mitteln schlichtweg unmöglich. So bleibt angesichts der ASP mit ihren drohenden Folgen für Ökonomie und Tierschutz keine andere Wahl, als die Durchführung einer Reduktion mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Der ÖJV ist bereit sein fachliches Wissen in eine Diskussion miteinzubringen, um gemeinsam mit allen Beteiligten das möglichste zu tun, dass diese Krankheit in Bayern nicht Fuß fassen kann.

Markus Philipp
ÖJV Bayern e.V.