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Auf der Jagd  - Wem gehört die Natur?

Kommentar zum Film - Von Karl Heinrich Knörr

Der Film transportiert verschiedene Botschaften der Jägerseite.

So wird der Skepsis über die Rückkehr des Wolfs viel Zeit eingeräumt.
Eine direkte Ablehnung des Wolfs wird geschickt vermieden. Aber die vielen Bildeinstellungen zielen doch über die emotionale Schiene auf eine Ablehnung ab.

Ähnlich ist es mit der Ablehnung der hohen Schalenwildabschüsse.
Die Pflicht zur Abschusserfüllung wird zähneknirschend als Ausfluss einer Behördenmacht dargestellt.
Aber immer wieder infrage gestellt.
Z.B. wird über die Schutzwaldsanierung einschließlich Lawinenverbauung berichtet. Dann aber tönt ein typischer Oberbayer mit seinem Zweifel, dass da wohl kaum irgendeinmal eine Lawine runter gehen würde.

Es wird über eine Drückjagd in den Brandenburgischen Staatsforsten berichtet. Dabei tritt die Bayerische Gamsschützerin Dr. Miller als Teilnehmerin an der Gesellschaftsjagd auf. Sie zuckt auf ihrem Drückjagdstand bei jeder Schuss-Serie zusammen und zeigt mit ihrer mitleidsvollen Miene, wie sehr ihr die armen Kreaturen leid tun, die da unschuldig hingemetzelt werden. Ihre Botschaft: Gesellschaftsjagden auf Schalenwild sind nur etwas für Barbaren. Die vorbeikommenden Sauen quittiert sie mit Zielübungen, bei denen sie mit der Büchse auf der Hochsitzbrüstung unprofessionell herumfummelt.

Ein Jäger erlegt am Ansitz ein Kitz und die Rehgeiß. Er macht das handwerklich einwandfrei aber dann zeigt er seine Resignation: muss halt sein (Behördenwille). Ist mir aber eigentlich zuwider.

Der schlimmste Fehlgriff ist der Kommentar eines Oberbayern-Typs (vermutlich ein Berufsjäger des Verbandes der Bayer. Berufsjäger) über den Rehwildverbiss. Wenn der Leittrieb der Fichte verbissen wird, dann stellt sich nach seiner Auffassung der Seitentrieb auf und bildet einen Ersatzleittrieb. Nach seiner Auffassung wird die Pflanze damit stockiger, was für das weitere Aufwachsen nur von Vorteil sei. Dann der Hammer: Da die Fichte in 100 Jahren hiebsreif ist spielen die 3 Jahre fehlender Höhenwuchs keine Rolle.

Keine Spur von Hinweisen auf die Notwendigkeit, die künftigen Wälder mit Mischbaumarten anzureichern. Keine Spur eines Hinweises auf die Folgen der Erderwärmung, die das Risiko des flächigen Ausfalls der Fichte (Borkenkäfer, Sturmwurf) ständig anwachsen lässt und deshalb den Umbau auf Mischwald, weg von der reinen Fichte unausweichlich macht.

Geschickterweise kommen immer wieder Vertreter der BaySF und der Forstverwaltung zu Wort. Da ist vom Entstehen von Wäldern, „wie wir sie uns vorstellen“ die Rede. Das ist nicht sehr geschickt. Warum nennen sie nicht Ross und Reiter: Da fehlt ein Statement wie: Die standörtlichen Zwänge (Bergwald) und die Erderwärmung machen es unausweichlich, klimatolerantere und stabilisierende Baumarten in angemessenen Anteilen am Bestockungsaufbau zu beteiligen.

Was auch fehlt: Kein Hinweis darauf, dass der Waldeigentümer zu bestimmen hat, wie der künftige Wald aussehen soll und nicht der Jäger.

Der selbsternannten Gemsenhüterin Dr. Miller wird ein außerordentlich breiter Rahmen eingeräumt. Vermutlich ist sie es, die bei dem Film Regie führt. Sie zeigt ständig rührselige Emotionsausbrüche und prophezeit die Ausrottung des Gamswildes. Trophäenwände mit Gamskitzen werden mit „Kindermord“ kommentiert.
Ständig sieht man aber Filmsequenzen mit massenhaften Gamsvorkommen.  Eine sachlich-kompetente Darstellung der wildbiologischen Situation in Sachen Gamsverbiss und Zukunft des Bergwaldes fehlt auch im Hinblick auf die journalistisch gebotene Ausgeglichenheit der Berichterstattung.

In Zeiten von facebook und twitter nimmt die Darstellung von Fakten, die mit Gefühlsausbrüchen konterkariert werden, in der „Überzeugungsarbeit immer breiteren Rahmen ein. Die „Jagd auf unbedarfte Zeitgenossen“ ist zum Tagesgeschäft in der „Überzeugungsarbeit“ geworden. Bestechende Fototechnik und gekonnte Bildeinstellung tun das Ihrige

Dass der Trophäenkult immer noch eine tragende Säule der Jägersehnsucht ist, wird in dem Film in vielen Einstellungen mit starken Hirschen deutlich. Auch
bildlich sehr ansprechende Sequenzen mit massenhaftem Rot-Kahlwild zeigt, was das Jägerherz höher schlagen lässt.

Der Konflikt Niederwildsterben und industrielle Landwirtschaft wird nur kurz gestreift aber nicht kritisch kommentiert oder vertieft.

Hochpeinlich ist die Darstellung der Hubertusmesse in einem oberbayerischen Ort. Da wird tatsächlich ein ziemlich kapitaler Hirsch in die Kirche gekarrt und der Pfarrer freut sich, dass er endlich mal volles Haus hat.

Menschlich anrührend ist die Szene einer Wolf-Beauftragten, die sich kindlich freut, wenn sie bei ihren Streifzügen zum Aufsammeln von genetisch bedeutsamer Wolfslosung  auf der Wildkamera Fotos von Wölfen erbeutet. Sie erzählt leidenschaftlich davon, wie sie in unmittelbarer Ortsnähe Jungwölfen begegnet ist. Das wird natürlich gleich wieder dazu benutzt, um darzulegen, dass es mit der Scheu der Wölfe gegen Menschen doch nicht so weit her sein kann und doch irgendwann auch ein Mensch zur Beute des Wolfes werden könnte.


Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Art von PR-Arbeit ihren Auslöser bei Frau Dr. Miller und dem Verband der Bayer. Berufsjäger hat.
Der Bayer. Landesjagdverband überlässt dieser Gruppierung die Rechtsaußen-Position und fingiert dann als besonnen denkende Gruppierung.

Karl Heinrich Knörr, 10.Mai 2018