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Vielfalt für die Honigbiene

Wie Waldbesitzer unseren Bienen helfen können

Thomas Kudernatsch


Vielerorts ist das Nahrungsangebot für Honigbienen nicht mehr ausreichend. Insbesondere intensiv landwirtschaftlich genutzte Bereiche bieten häufig keine durchgehende und reichhaltige Nektar- und Pollenversorgung mehr. Aus diesem Grund werden naturnah bewirtschaftete und strukturreiche Wälder für den Erhalt gesunder Bienenpopulationen immer wichtiger.

Wegen ihrer vergleichsweise naturnahen Bewirtschaftung und Vielfalt sind Wälder ein an sich günstiger Lebensraum für die Honigbiene. Dennoch sind auch in unseren Wäldern die Nahrungsbedingungen für die Bienen nicht immer optimal. Dunkle, dichte Fichtenwälder beispielsweise beherbergen nur wenige für Bienen relevante Trachtpflanzen und sind daher bei großflächigem Vorkommen aus Bienensicht weitgehend uninteressant. Durch die meist abrupten Übergänge zwischen Wald und Offenland fehlen vielerorts ferner die für Bienen so interessanten (da blütenreichen) Waldrandbereiche. Im Zuge einer naturgemäßen Waldbewirtschaftung gilt es also Strukturen zu schaffen, die den Bienen, sowie zahlreichen anderen heimischen Tier- und Pflanzenarten, günstige Lebensbedingungen bieten. Mittels einfacher Maßnahmen kann jeder Waldbesitzer dazu beitragen, seinen Wald noch attraktiver für Bienen zu gestalten.

Nektar und Pollen – Grundnahrungsmittel der Bienen
Die wichtigsten Grundbedürfnisse eines Bienenvolkes sind ausreichend Wohnraum für den Wabenbau, eine vielfältige und kontinuierliche Futterversorgung und die Verfügbarkeit von Wasser. Da Wohnraum heutzutage fast ausnahmslos die Imker in Form von »Beuten« (Bienenkästen) zur Verfügung stellen und Wasser in den meisten Landschaften ausreichend vorhanden ist, stellt insbesondere die Nahrungsverfügbarkeit einen Schlüsselfaktor dar. Als »Grundnahrungsmittel« dienen den Bienen Nektar und Pollen. In manchen Jahren spielen auch die zuckerhaltigen Ausscheidungen von Pflanzensaugern (sog. Honigtau) eine Rolle.
Den eingetragenen Nektar (aber auch den Honigtau) wandeln die Bienen durch Zugabe bieneneigener Stoffe in Honig um, der wiederum die Hauptquelle für die Energieversorgung der Biene darstellt. Pollen ist für die Bienen ein essentielles Kraft- und Aufbaufutter, das den Nektar ergänzt und die Bienen erst vollwertig mit Eiweißen, Fetten, Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralstoffen versorgt. Eine ausreichend gute Nektar- und Pollenversorgung stellt somit eine zentrale Voraussetzung für eine gute Entwicklung der Bienenvölker dar.
Bei ihrer Nahrungssuche fliegen die Bienen von Blüte zu Blüte und bestäuben dabei auch gleichzeitig die angeflogenen Pflanzen. Eine intensive Bestäubungsleistung der Bienen führt zu einer besseren Qualität von Früchten und Samen und sichert darüber hinaus eine hohe genetische Vielfalt (z. B. auch unserer auf Windbestäubung angewiesenen Baumarten).

Baumartenwahl und Mischung
Ein für Blütenbesucher freundlicher Waldbau sollte unbedingt eine in der Fläche gut verteilte Beimischung Nektar- und Pollen-tragender Bäume beinhalten. Dies kann beispielsweise durch eine Pflanzung oder gezielte Förderung bienenfreundlicher Baumarten erfolgen. Voraussetzung dabei ist, dass die Baumarten für den jeweiligen Standort geeignet sind. Vielfältige und gemischte Bestände helfen nicht nur der Honigbiene; Mischwälder sind auch deutlich stabiler und somit risikoärmer als Reinbestände.
Die dem Artikel angefügte Tabelle gibt einen Überblick über verschiedene Baumarten, die eine hohe Eignung als Bienenweide besitzen. Während manche der Arten von waldbaulicher Bedeutung sind (Berg- und Spitzahorn, Vogelkirsche oder Elsbeere), eignen sich andere eher für eine Gestaltung artenreicher und attraktiver Waldränder (Baumweiden, Mehlbeere, Feldahorn, Vogelbeere, Wildapfel). Kombiniert man auf der Fläche Baumarten mit unterschiedlichen Blühzeitpunkten, kann ein kontinuierliches Trachtangebot sichergestellt werden.
Eine Sonderstellung nehmen die verschiedenen Weidenarten ein. Die Weidenblüte stellt die allererste Massentracht im Jahresverlauf dar und ist daher für das Überleben der Bienen von besonderer Bedeutung. Die Pollen der Weiden zählen zu den wertvollsten Bienen-Futterstoffen überhaupt. Der besondere Nährwert der Weidenpollen verschafft den Bienen nicht nur eine höhere Lebensdauer, sondern ist auch für die Brutaufzucht und die Wachserzeugung bedeutsam. Außerdem wird die Widerstandskraft gegenüber Krankheitserregern gestärkt. Daher ist unbedingt darauf zu achten, Weiden in ausreichendem Umfang am Waldaufbau (z. B. entlang von Wegen oder Bachläufen) zu beteiligen.
Vom Wind bestäubte Bäume und Sträucher wie Erlen, Birken oder Hasel liefern im Gegensatz zu den insektenbestäubten Arten zwar keinen Nektar, sind aber trotzdem – insbesondere wenn sie früh im Jahr blühen – als Pollenspender von Bedeutung.

Durchforstung: auch für die Biene vorteilhaft
Regelmäßige Durchforstungen sind wichtig, um stabile, ertragreiche und gemischte Bestände zu schaffen. Aus der Bestandspflege resultieren aber nicht nur Vorteile für den Waldbesitzer, sondern auch für die Biene. Durch die Eingriffe im Kronenraum gelangt mehr Licht auf den Boden, wodurch sich eine reichhaltige Bodenvegetation entwickeln kann. Unter dem Bestandesschirm wachsen z. B. Him-, Brom- und Heidelbeeren oder das heimische »Rühr-mich-nicht-an«, die von den Bienen zur Nahrungssuche aufgesucht werden. Durchforstungen sorgen darüber hinaus auch dafür, dass die Bäume große und vitale Kronen ausbilden, was die Blütenbildung und damit die Nektar- und Pollenproduktion der Trachtbäume positiv beeinflusst.

Waldrandgestaltung
Strukturreiche Waldränder sind aus naturschutzfachlicher, waldbaulicher und landeskultureller Sicht sinnvoll und beherbergen zahlreiche, für Bienen attraktive Baum- und Straucharten (vgl. Tabelle) sowie krautige Pflanzen. Wo immer möglich, sollten daher bestehende Waldränder erhalten und gepflegt bzw. neue Waldränder geschaffen werden.
Neben den Übergangsbereichen zwischen Wald und Offenland können auch Waldinnenränder (z. B. entlang von Forstwegen) attraktive Lebensräume für Bienen darstellen. Wenn Wegränder gehölzfrei bleiben, kann dies die Entwicklung einer üppigen krautigen Vegetation begünstigen. Typische, auch für Bienen interessante Vertreter von Waldinnenrändern sind u. a. Himbeere, Wasserdost oder verschiedene Distel-Arten. Auch aus forstbetrieblicher Sicht sind Seitenstreifen entlang von Forstwegen sinnvoll, da sie z. B. zur Lagerung von Holz genutzt werden können.

Mut zur Lücke haben
Kleinere Frei- oder Störflächen begünstigen Pflanzenarten, die im geschlossenen Bestand nicht vorkommen. Nicht selten stellen solche Pflanzen auch eine gute Bienenweide dar. Ein typisches Beispiel ist das Wald-Weidenröschen, das häufig auf Waldlichtungen zu finden ist, und im Spätsommer eine wichtige Nahrungsquelle darstellt. Deshalb sollte nicht jede entstehende Lücke sofort wieder in Bestockung gebracht werden. Kleinere Lücken können durchaus auch einmal sich selbst überlassen werden; der Wald erobert sich diese Flächen über kurz oder lang ohnehin zurück!

Begleitvegetation nicht flächig entfernen
Himbeere oder Brombeere sind wichtige Trachtpflanzen, können bei der Waldbewirtschaftung aber auch zu Problemen führen, indem sie junge Forstpflanzen in ihrer Entwicklung beeinträchtigen. Vorhandene Konkurrenzvegetation sollte allerdings erst dann mit Hilfe von Kultursense oder Freischneider beseitigt werden, wenn die jungen Forstpflanzen Gefahr laufen, überwachsen zu werden. Vorher ist eine Pflege nicht notwendig. Ferner sollte man die Forstpflanzen gezielt auskesseln und auf ein flächiges Ausmähen verzichten. Das spart nicht nur Zeit und Geld, sondern nützt auch den Bienen, da ausreichend Nahrungspflanzen auf der Fläche verbleiben. Auf eine Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zur Begleitwuchsregulierung sollte gänzlich verzichtet werden.

Höhlenbäume belassen
Höhlenbäume werden von einer Vielzahl von Tierarten genutzt – vom Käfer bis zur Eule. Sie bieten Platz für die Jungenaufzucht, sind Tages- oder Nachtversteck und dienen als Nahrungsdepot. Auch abgeschwärmte und vom Imker nicht wieder eingefangene Bienenvölker sind auf solche Naturhöhlen angewiesen. Obwohl die Überlebenschance dieser Schwärme heutzutage wegen der dann nicht gewährleisteten Bekämpfung der Varroamilbe wohl eher gering ist, gibt es immer wieder Berichte über »wilde« Bienenvölker, die viele Jahre in Naturhöhlen leben.

Ameisenschutz
Neben Nektar und Pollen stellt auch Honigtau (zuckerhaltige Ausscheidungen verschiedener Läusearten) eine wichtige Nahrungsquelle für die Bienen dar. Je mehr Ameisen es in einem Wald gibt, desto höher ist in der Regel das Angebot an Honigtau, da Ameisen die Läuse vor Feinden schützen. Der Schutz von Ameisennestern führt somit indirekt auch zu einem verbesserten Nahrungsangebot für unsere Bienen!

Imkern Waldflächen zur Verfügung stellen
Eine effiziente Nutzung des Nahrungsangebots im Wald ist nur dann möglich, wenn die Bienenkästen unmittelbar im Wald aufgestellt werden. Denn: Je weiter die Bienen zur Trachtquelle fliegen müssen, umso weniger tragen sie ein, da mehr Zucker als »Treibstoff« benötigt wird. Die Bienen können den Wald als Lebensraum also nur dann effektiv nutzen, wenn die Grundbesitzer den Imkern auch Waldflächen für die Aufstellung der Bienenbeuten zur Verfügung stellen. Geeignete Standorte hierfür sind Lichtungen, Waldränder, Verjüngungsflächen oder Wegränder. Und welcher Waldbesitzer möchte nicht einmal Honig aus dem eigenen Wald probieren?

Tabelle Waldbäume und Sträucher
Eignung verschiedener Waldbäume und Sträucher als Trachtpflanze, geordnet nach Blühzeitpunkt
Tabelle.xlsx
Microsoft Excel Tabelle 11.8 KB

Originalartikel: Kudernatsch, T. (2012): Vielfalt für die Honigbiene. LWF aktuell 91, S. 46 – 48.