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Exkursion des ÖJV Schwaben zur Jagdgenossenschaft Wildpoldsried

am 26. Oktober 2018

Es war ein Nachmittag, der sich für alle gelohnt hat. Waldbesitzer und Jäger aus Wildpoldsried und Umgebung, natürlich auch aus ganz Schwaben wollten bei dem Termin im Wald nach dem Ergebnis einer mehr als 20-jährigen Eigenbewirtschaftung schauen. Die Jagdfläche der Jagdgenossenschaft umfasst knapp 1800 ha mit ca. 28% Waldanteil, wobei die Besitzgrößen zwischen ca. 0,5 und 20 ha  je Waldbesitzer variieren.

Angeführt vom 1. Vorstand der Jagdgenossenschaft, Herrn Armin Prestele, ging es gleich in den Wald. „In meiner Jugend war der Waldboden hier überall braun“ so Herr Prestele. Jetzt ist alles grün.
Natürlich will hier niemand auf die in dieser Höhenlage natürliche Fichte verzichten. Aber ohne den schädlichen Einfluss überhöhter Wildbestände kehrt die Natur auch in Form von Mischbaumarten und Sträuchern mit Macht von selbst zurück.
Anlass zur Umstellung 1995 gab die Erkenntnis, dass trotz Anhebung des Abschusses in den letzten 9 Pachtjahren von 50 auf 150 Stück der Verbiss nicht weniger wurde, man nach den Stürmen  Vivian und Wiebke alles pflanzen und fast ein Drittel der Waldfläche sogar zum Schutz der Fichte zäunen musste.
Der damalige 1. Vorstand der Jagdgenossenschaft, Herr Peter Fink, wollte sich mit dieser katastrophalen Situation nicht abfinden und begann, mit den Jagdgenossen in die Eigenbewirtschaftung einzusteigen. Das war damals natürlich ein Kraftakt und hat viel Überzeugungsarbeit gekostet.
Aber es hat sich gelohnt. Mussten in den ersten drei Jahren noch im Schnitt mehr als 150 Rehe erlegt werden, schwankt der Abschuss jetzt je nach Witterung zwischen (ca.) 70-100 Stück.
Dafür gibt es einen Wald ohne jeden Zaun und fast ohne jeden Einzelschutz. Selbst die Tannen, die mangels Alttannen sämtlich gepflanzt werden müssen, entwickeln sich fast ohne Verbiss.
Was sind die Voraussetzungen für diesen Erfolg?
    • Einigkeit in der Vorstandschaft
    • Jährliche Waldbegänge mit Jägern, Förster und - wichtig - Protokoll
    • Komplettes Fütterungsverbot
    • Körperlicher Nachweis (warm) bei vier Anlaufstellen
    • Pirschbezirksgrößen von 200-300 ha
    • Ein angemessenes, aber für den Normaljäger bezahlbares Entgelt für den Begehungsschein (jetzt 7 statt früher 3 Jagdbögen)

Natürlich heißt es bei der Eigenbewirtschaftung vieles neu und ordentlich zu regeln: Wer baut die Hochsitze, wer vermarktet das Wild, wer führt die Streckenliste etc.

Günstig ist es auch, wenn das Vertrauensverhältnis in die Vorstandschaft so groß ist, dass sie das Meiste das Jahr über selbst entscheiden kann.
Ganz besonders wichtig sind deshalb auch vertrauensbildende Maßnahmen, z.B. das jährliche Jagdessen der Jagdgenossen mit Partnern und die schon genannten Revierbegänge mit anschließender Umsetzung der Vorgaben der Waldbauern.
Aber auch für die Jäger sind die Vorteile der Eigenbewirtschaftung offensichtlich. Es gibt eben keinen „Jagdherrn“ und demzufolge auch keine „Jagdknechte“.
Jeder Jäger ist sein eigener Herr und kann, auch schon als Jungjäger, gleich mal eigenständig seine Erfahrungen machen. Man kann eben auch jährlich aus- oder einsteigen – das gilt für beide Seiten, die Jagdgenossenschaft und die Begehungsscheininhaber.
Wildpoldsried zeigt, wie es mit der Jagd im Kleinprivatwald besser gehen kann, als leider noch in vielen Jagdgenossenschaften Schwabens.
Dank an die herzerfrischende Darstellung und Erläuterung durch Armin Prestele und Peter Fink. Wir haben doch einiges dazugelernt und sind mit einem guten Gefühl nach Hause gefahren.
Hoffentlich gibt es noch viele Nachahmer. Fragen werden in Wildpoldsried sicher gerne beantwortet.

Diskussion im Wald: Links bei seiner Erläuterung der Initiator der Eigenbewirtschaftung Peter Fink, in der Mitte der jetzige 1. Vorstand der Jagdgenossenschaft Armin Prestele (hinten der letzte überflüssige Zaun um eine Douglasiengruppe)
Diskussion im Wald: Links bei seiner Erläuterung der Initiator der Eigenbewirtschaftung Peter Fink, in der Mitte der jetzige 1. Vorstand der Jagdgenossenschaft Armin Prestele (hinten der letzte überflüssige Zaun um eine Douglasiengruppe)