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Forstliches Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2018 – wieder, wenn auch geringfügig, schlechter!

Forstministerin Michaela Kaniber hat am 12.12.2018 vor dem Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Bayerischen Landtag die Ergebnisse des Forstlichen Gutachtens zur Situation der Waldverjüngung 2018 vorgestellt.

  • Verbisssituation gegenüber 2015 wieder, wenn auch geringfügig, verschlechtert
  • Deutliche Verschlechterung im Bergwald
  • Sorgenkinder Eiche und Weißtanne
  • Revierweise Aussagen werden auch in „grünen Hegegemeinschaften" gut angenommen


Verbisssituation gegenüber 2015 wieder, wenn auch geringfügig, verschlechtert
Das Gutachten zeigt gegenüber dem letzten Gutachten von 2015 ein ernüchterndes Ergebnis: In fast der Hälfte der Hegegemeinschaften (47 %) wird die Verbisssituation immer noch als zu hoch oder gar deutlich zu hoch bewertet (Diese Hegegemeinschaften werden als „rote Hegegemeinschaften“ bezeichnet). Eine günstige Verbisssituation ist lediglich in 4 % der Hegegemeinschaften vorzufinden. In den restlichen grünen Hegegemeinschaften wurde der Verbiss als tragbar eingeschätzt.
Den Trend können sie beiliegender Tabelle „Verbisssituation der Forstlichen Gutachten 1997 - 2018“ des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten entnehmen.

Deutliche Verschlechterung im Bergwald
Von einer Besserung der ohnehin schlechten Verbisssituation kann daher nicht die Rede sein. Gerade in den sensiblen Bereichen im Bergwald verschlechtert sich das Ergebnis deutlich. In vielen Bereichen droht sogar der Verlust der Schutzfunktion des Bergwalds. Dies ist auch auf eine Erhöhung des Verbisses im Staatswald zurückzuführen. Im Werdenfelser Land beispielsweise ist die Situation gravierend. Von den sieben Hegegemeinschaften im Landkreis Garmisch-Partenkirchen wurde der Verbiss in vier Hegegemeinschaften als deutlich zu hoch bewertet und in den drei übrigen als zu hoch.

Sorgenkinder Eiche und Weißtanne
Die Eiche hat auf Grund der in vielen Bereichen vorherrschenden zu hohen Schalenwildbestände massive Probleme und kann daher nicht am Waldaufbau beteiligt werden. Gerade sie wäre aber als Mischbaumart ein wesentliches Element für Biodiversität, für Stabilität und auch für eine Wertsteigerung der Wälder. Ohne ausreichende Beteiligung dieser Baumart können im Zuge des Klimawandels kaum zukunftsfähige Wälder entstehen.
Das größte Sorgenkind ist und bleibt aber die Tanne, bei der der Verbiss leider wieder zugenommen hat. Gerade für einen zukunftsfähigen Bergwald, der all seine Funktionen voll erfüllen soll, gibt es bei der Tanne keine Alternativen. Dass es möglich ist, auch im Bergwald diese Baumart zu etablieren und den Verbissdruck auch dauerhaft niedrig zu halten, zeigen z. B. Staatswaldreviere im Landkreis Traunstein.

Revierweise Aussagen werden auch in „grünen Hegegemeinschaften" gut angenommen
Für insgesamt rund 5.000 Jagdreviere in den sog. „roten Hegegemeinschaften“, mit einer Wertung der Verbissbelastung in 2015 als zu hoch oder deutlich zu hoch, wurde die Revierweise Aussage automatisch erstellt. Alle anderen Jagdreviere in „grünen Hegegemeinschaften“ konnten die Revierweise Aussage auf Antrag erstellen lassen. Davon ist erfreulicherweise reger Gebrauch gemacht worden. Rund 2.500 Jagdreviere haben dies beantragt und können diese als Grundlage in Diskussionen zwischen Waldbesitzern und Jägern nutzen.

„Wald vor Wild“ in der Abschussplanung konsequent umsetzen!
Der Ökologische Jagdverein Bayern fordert die Unteren Jagdbehörden auf, sich an die Abschussempfehlungen der Bayerischen Forstverwaltung zu halten und die Abschusszahlen für die kommenden drei Jagdjahre dementsprechend festzusetzen. Bei der Überwachung der Erfüllung der Abschussplanung muss nun auch konsequent darauf geachtet werden, dass diese Abschüsse auch tatsächlich getätigt werden. Nur so können auch in den „roten“ Hegegemeinschaften zukunftsfähige Wälder entstehen.

Statt „Weniger Jagddruck auf Rehe“ auszuüben, was der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Georg Nüßlein (CSU) unlängst forderte, muss die Rehwildbejagung forciert werden.

Im Hinblick auf die verschlechterte Situation im Bergwald muss von der Regierung von Oberbayern die dringend notwendige Verordnung über die Änderung der Jagdzeiten für Schalenwild in Sanierungsgebeten (Verordnung über die Schonzeitaufhebung) verlängert werden. Auch der Regierungsbezirk Schwaben muss sich mit dem Thema auseinandersetzen und eine dementsprechende Verordnung in Erwägung ziehen.

Hintergrundinformationen zum Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung

Die Bayerische Forstverwaltung erstellt seit 1986 alle drei Jahre die Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung. Bayernweit wurden bei den Aufnahmen im Frühjahr 2018 rund zwei Millionen junge Waldbäume untersucht, ob und wie stark sie durch Schalenwildverbiss (von Rehwild, Rotwild, Gamswild, u.a.) beeinflusst sind.
Wesentlicher Maßstab für die abschließende Wertung der Verbisssituation im Gutachten ist das Erreichen des „Waldverjüngungsziels“ des Bayerischen Jagdgesetzes, d. h. dass sich die standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen natürlich verjüngen können.
Das letzte Forstliche Gutachten 2015 zeigte gegenüber dem vorherigen von 2012 ein fast gleichbleibendes Ergebnis. In 47% Prozent der Hegegemeinschaften war der Verbiss immer noch „zu hoch“ (45%) oder „deutlich zu hoch“ (2%), so dass es keinen Grund zur Entwarnung gab. Gerade die Revierweisen Aussagen stellten aber nunmehr deutlich heraus, wo die „Schwarzen Schafe“ weiden, die so manchem Hegering trotz guter Einzelreviere die „rote“ Karte bescherten.


Bericht zum Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2018 (pdf)

 

Die Ergebnisse der einzelnen Hegegemeinschaften (pdf)

Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Forstliches Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2018 – wieder, wenn auch geringfügig, schlechter!
Pressemitteilung des Ökologischen Jagdvereins Bayern
PM_ÖJV_Forstliches Gutachten 2018.pdf
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