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BBV Exkursion zum Thema Saufang in den Nationalpark Bayerischer Wald

Die Geschäftsstelle Töging-Eggenfelden des Bayerischen Bauernverbandes veranstaltete am 27.11.2018 für Jagfunktionäre, sowie Untere Jagdbehörden, Jagdbeirat und Veterinäre der Landkreise Mühldorf, Altötting und Rottal-Inn eine Informationsfahrt zum Thema Saufang. Neben den Vertreter des BBVs und der Landratsämter waren auch Vertreter des Bayerischen Jagdverbands und des Ökologischen Jagdverbands anwesend.

 

Nach dem Mittagessen ging es gestärkt in den Randbereich des Nationalparks. Der Sachgebietsleiter Wald- und Flächenmanagement Franz Baierl gab eine kurze Einführung zum allgemeinen Jagdbetrieb und allgemeine Informationen zum Saufang. Nur auf 25% der Nationalparkfläche wird tatsächlich die Jagd ausgeübt. Dabei werden insbesondere die Randbereiche des Nationalparks bejagt, ausschließlich Rot- und Schwarzwild. Die Jagd auf Rehwild wurde 2011 eingestellt. Dies war für die Wiederansiedlung des Luchses ein Zugeständnis an die private Jägerschaft. Dem Monitoring nach mit dem angrenzendem Nationalpark Sumava leben auf 200.000 Hektar ungefähr 30 erwachsene Luchse. Für Rotwild gibt es vier Wintergatter, worin auch 50-70% des Abschusses erledigt werden. Der Schwarzwildabschuss ist stark schwankend, in der Tendenz aber auf jeden Fall ansteigend. Zur Schwarzwildreduktion werden insgesamt acht stationäre und acht mobile Saufänge benutzt. Der Nationalpark hat bereits seit 30 Jahren Erfahrung mit Saufängen und erlegt auch beim Schwarzwild 50-70% der Strecke mit Hilfe der Saufänge.
Die Nationalparkverwaltung hat sowohl die Jagdleitung auf ihren Flächen in der Hand, als sie auch selbst Untere Jagdbehörde ist. In der Regel werden aber Entscheidungen mit den benachbarten Unteren Jagdbehörden abgesprochen.

 

Da die meisten zwar viel über Saufänge gehört haben, aber noch keinen gesehen haben, ging es mit dem zuständigen Revierjagdmeister in den Bestand zur Besichtigung eines stationären Saufangs mit Drahtgeflecht und Falltor mit mechanischer Auslösung. Der Zaun müsse mindestens 1,60m hoch sein, da sonst das Schwarzwild drüber hüpfe. Der 2 Meter Zaun, war also 40cm eingegraben. Um die Sauen in den Fang zu locken wird mit wenig Mais angekirrt. Dies funktioniert allerdings umso schlechter, je größer das natürliche Nahrungsangebot ist (Mast, Maisanbau) ist. Bessere Kirrmittel wurden diskutiert, unter anderem mit Maggi-Suppengewürz versetzter Mais. Auch bei der Auslösung des Fallenmechanismus gibt es verschiedene Möglichkeiten, einfache Mechanik, welche die Sauen selbst auslösen, oder die Möglichkeit, dass der Jäger selbst auslöst, entweder von außen per Seil oder über Kamera und Funk.

Auch das Thema Sabotage wurde angesprochen. Baierl erklärte, dass dies hauptsächlich in der Anfangszeit eine Thematik und vor allem die angrenzende Jägerschaft ein Problem war, mittlerweile komme dies nur noch gelegentlich vor und man kenne die Tricks schon. Auch Spaziergänger mit Hunden, die hin und wieder die Saufänge besichtigen, gäbe es, aber diese verstänkerten einen Saufang nicht.


Der Tierschutz war mit ein zentraler Aspekt des Nachmittags. Die Erzählungen wilder Gemetzel waren den beiden Experten nicht unbekannt, sie entsprächen aber nicht ihrer jahrelangen Erfahrung. Sind die Sauen gefangen würden diese selbstverständlich versuchen aus dem Fang zu entkommen, ist dies nach wenigen Versuchen jedoch nicht erfolgreich, wird dieses Unterfangen aufgegeben. Die Sauen liegen am nächsten Morgen, es wird in der Morgendämmerung kontrolliert, ruhig im Saufang. Auch bei der Erlegung kann von Panik keine Rede sein. Es werde von groß nach klein geschossen. Dies in der Regel von oben herab (Leiter/Ansitz) oder seltener durch den Zaun. Grundsätzlich reagieren auch Sauen unterschiedlich, ein panisches Umherlaufen konnte jedoch bei keiner beobachtet werden. Viel mehr stellen sich die Schweine von der einen Ecke in die andere, hüpfen also maximal ein paar Meter zu Seite und bleiben dann wieder ruhig stehen. So kann in sehr kurzer Zeit (ca. halbe Minute) sehr große Strecke gemacht werden. Maximalanzahl in einem Saufang im NP Bayerischer Wald seien 20 Sauen gewesen.
Auch der Veterinärarzt Dr. Wullinger berichtete von seinen Erfahrungen aus dem Schlachthof, wie ruhig sich Schweine bei der Schlachtung verhielten. Eine ausreichende Untersuchung des Stresses für Schweine in einem Saufang gäbe es laut Baierl nicht, in einer Hochschul-Abschlussarbeit wurden nur drei Sauen aus einem Saufang untersucht, diese waren aber keinesfalls gestresst.

Auch dem Aspekt des Muttertierschutzes entspricht ein Saufang in jeder Hinsicht. Da die Frischlinge immer zuerst in den Saufang marschieren ist es ausgeschlossen, dass ein Muttertier geschossen wird und ein Frischling außerhalb verwaist.
Im Saufang werden zu 80% Frischlinge gefangen, 15% Überläufer und nur zu 5% Bachen und Keiler. Wurden einer Bache die Frischlinge weggefangen wird diese in aller Regel den Saufang meiden und kann nicht mehr gefangen werden. Da die Bache zu allerletzt den Saufang betritt, ist diese nicht immer mit im Fang. Dies könne aber in engem Rahmen mitgesteuert werden. Je länger sich die Sauen an den Fang gewöhnen, desto eher geht auch die Bache mit hinein. Das bedeutet, dass der Saufang nur immer einen Tag scharf gestellt wird, zuerst muss die Kirrung ordentlich angenommen werden, dann darf nur noch innerhalb des Fangs gekirrt werden und erst dann wird der Auslösemechanismus scharf gestellt. Ergänzend kann man auch mit einer Wildkamera erkennen, ab wann die Bache mit in den Saufang geht.


Der zweite Exkursionspunkt war ein mobiler Saufang. Dieser ist mit zwei Mann innerhalb jeweils einer Stunde auf- und abgebaut. Zum Transport wird lediglich ein Autoanhänger benötigt. Durch ein modulares System mit 2,70m langen Elementen kann der Saufang beliebig erweitert werden. Am häufigsten werden die Maße 2,70m mal 5,40m verwendet. Materialkosten betragen ca. 600€. Der Saufang ist blickdicht. Ein mobiler Saufang hat den Vorteil an uneffektiven Stellen schnell wieder abgebaut werden zu können.

An sich gibt es keine einheitlichen Auflagen oder Vorschriften zum Bau eines Saufangs. So werden, wo er tatsächlich genehmigt wird, innerhalb Bayerns verschiedenste Auflagen vorgeschrieben. Teils so hohe Auflagen, dass ein Betrieb wenig Sinn macht. In aller Regel sind die häufigsten Auflagen ein Überstieg oder eine nach innen aufgehende Türe, damit gefangene Personen wieder heraus können. Auch kann statt der Falltüre eine Drehtür vorgeschrieben werden. Unbedingt ist auch zu beachten, dass innerhalb des Fangs keine Metallteile hervorstehen dürfen, an denen sich die Tiere verletzen können. Bauanleitungen/Skizzen können bei Herrn Baierl angefragt werden.

Bei normalen Genehmigungsverfahren, welche die Untere Jagdbehörde durchführt, werden mit die Forstbehörde, das Veterinäramt, die Untere Naturschutzbehörde und der Jagdberater beteiligt. Wurde eine Genehmigung erteilt, muss der Bau angezeigt werden und der Fang darf erst nach Abnahme benützt werden.


Als Resümee halten die beiden Exkursionsführer den Saufang als kein Allheilmittel, sondern nur als Ergänzung der übrigen Jagdmethoden. Er kann allerdings eine sehr effektive Jagdmöglichkeit sein. Auch aus dem Tierschutzgedanken heraus sei ein Saufang die wohl humanste Lösung, denn Waid- oder Laufschüsse oder verwaiste Frischlinge, wie sie sowohl bei Drückjagden als auch bei der Ansitzjagd vorkommen, können mit dem Saufang vermieden werden. Wie auch bei der regulären Fallenjagd hilft es nichts lediglich eine Falle aufzustellen, der Wille damit etwas zu fangen muss gegeben sein.


Auf dem Heimweg wurden wie auch schon auf der Hinfahrt Fragebögen ausgeteilt um die Meinung zum Saufang zu erörtern. Nach der Besichtigung können sich wesentlich mehr den Einsatz des Saufangs vorstellen als vor der Fahrt.

Verfasser:
Christian Heyer
Schriftführer
Ökologischer Jagdverband Bayern
Kreisgruppe Altötting-Mühldorf