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Runder Tisch „Wald“ anlässlich des Volksbegehrens „Rettet die Bienen!“

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ war das erfolgreichste in der Geschichte Bayerns. Ohne Zweifel zeigt sich darin oder im kürzlich erschienenen, alarmierenden UN-Bericht zum Artensterben, dass sich etwas ändern muss. Wir begrüßen die Verbesserungen, die nun mit dem Volksbegehren und dem Begleitgesetz auf den Weg gebracht werden.
Der ÖJV Bayern hat sich aus unterschiedlichen Gründen nicht als Unterstützer des Volksbegehrens beteiligt und wie bei allen anderen Volksbegehren auf die Verantwortung der einzelnen Mitglieder gesetzt. Durch den Ablauf des Arbeitskreises "Wald" und durch die Ergebnisse des Runden Tisches sehen wir uns in dieser Vorgehensweise auch weitgehend bestätigt.
Zum Volksbegehren waren vier Arbeitskreise eingerichtet worden:

1. Offene Landschaft, Agrarlandschaft,
2. Wald,
3. Gewässer sowie
4. Garten, Siedlungen, kommunale und urbane Lebensräume,

die mit Experten und Vertretern aus Institutionen und Verbänden besetzt waren. Passend zu unserem Schwerpunkt, der Jagd im Wald, konnte sich der ÖJV Bayern mit seiner jagdlichen Kompetenz im AK Wald einbringen.

Im Folgenden darf ich das Ergebnis zu „Wald und Jagd“ vom 26. April 2019 zitieren (Fachgruppe Wald 6.): 

„Thema Jagd und Wald
Angepasste Schalenwildbestände sind unabdingbar für einen erfolgreichen Waldumbau. Nach den im dreijährigen Turnus erstellten Gutachten zur Situation der Waldverjüngung ist nach wie vor in 47 % der Hegegemeinschaften in Bayern die Verbissbelastung durch Schalenwild zu hoch. Eine ausreichende und vielfältige Verjüngung der Wälder ist unter diesen Umständen in vielen Wäldern nicht zu erreichen.

Vorgeschlagene Lösungsansätze:
Insgesamt soll eine neutrale staatliche Wildforschung wieder verstärkt werden (Ersatz für Lehrstuhl von Prof. Wolfgang Schröder).
Waldumbau und Walderhalt muss Vorrang haben („Wald vor Wild“). Dies soll aus Sicht zahlreicher Verbandsvertreter erreicht werden durch:

  • Synchronisieren der Bejagungszeiten unterschiedlicher Schalenwildarten (u. a. zur Erleichterung revierübergreifender Bewegungsjagden und zur Reduktion der Beunruhigung des Wildes durch die Jagdausübung)
  • Einhalten der Abschusspläne und körperlicher Nachweis, wenn in Hege-gemeinschaften dauerhaft gesetzlich vorgegebene Ziele verfehlt werden, weil die Verbissbelastung anhaltend zu hoch ist
  • Abschaffung der verpflichtenden Trophäenschau
  • Angepasste Strategien in dauerhaft „roten“ Hegegemeinschaften
  • Lebensraumverbesserungen insbesondere in der Feldflur (z. B. Blühflächen, Gehölzstrukturen anlegen, Waldrandgestaltung)
  • Verpflichtende revierweise Aussagen und gezielte Festlegung geeigneter Maßnahmen für alle Jagdreviere
  • Wildschadensrecht vereinfachen (einvernehmliche Regelung zwischen Geschädigtem und Pächter)
  • Keine systematische Änderung des Forstlichen Gutachtens
  • Genehmigungsvorbehalt für Notzeit-Fütterung“


Der ÖJV Bayern wird sich weiterhin intensiv zur Umsetzung von mehr Biodiversität im Wald einbringen. Dass dabei angepasste Wildbestände unabdingbare Voraussetzung sind, ist im Ergebnisbericht des AK „Wald“ bereits festgeschrieben:

„Walderhaltung in Zeiten des Klimawandels hat höchste Priorität
Für alle Waldbesitzer steht derzeit die Anpassung des Waldes an den Klimawandel und damit die Erhaltung des Waldes an oberster Stelle. Auch gesellschaftlich hat dies höchste Priorität, liegt hierin doch die Grundvoraussetzung nicht nur für die Bewahrung der Biodiversität im Wald, sondern auch für alle übrigen Waldfunktionen. Der Waldumbau wirkt sich somit direkt förderlich für die Biodiversität aus. Dies bedarf auch angepasster Wildbestände.“ (Endbericht 5.2.2)

Dr. Wolfgang Kornder
(1. Vorsitzender des ÖJV Bayern und Teilnehmer am Runden Tisch AK-Wald)

Runder Tisch Arten- und Naturschutz - Bericht des Moderators Alois Glück, Landtagspräsident a.D.
RunderTisch_Bericht_Glueck_190426_final.
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