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Edelmannsberg – Wenn sich der Tierschutz instrumentalisieren lässt!

Edelmannsberg, oder besser eine Drückjagd der BaySF im Revier Edelmannsberg im Januar 2017, ließ bei manchem den Blutdruck steigen. Ein Aufschrei ging durchs Land, der Bayerische Jagdverband (BJV) und der Tierschutzverein Deutschland, Sektion Bayern, waren außer sich: Verletze Rehe, die an einer Fütterung im Nachbarrevier des staatlichen Revieres Edelmannsberg fotografiert wurden, erregten die Gemüter, man sah den Tierschutz mit Füßen getreten.
Der BJV und der Tierschutzverein Bayern erstatteten Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Bamberg: Tierschutzvergehen verbunden mit 300-prozentigem Überschießen des Abschussplanes. Und man sorgte dafür, dass die Foren, Gazetten und Medienberichte nur so von Abscheu über eine derart widerwärtige Tat trieften!
Mit kriminologischem Scharfblick sah man die Ursache für das Leid der Tiere in der Drückjagd des BaySF-Betriebes Forchheim in eben besagtem Revier Edelmannsberg. Und so etwas geht absolut nicht, denn „Tierschutz ist unteilbar!“ (Prof. Jürgen Vocke, Vorsitzender des BJV). Und das gilt zuallererst für die Staatsjagd, die ja vorbildlich auszuüben sei. Und wenn sich diese Vertreter des Staates nicht beherrschen können und auf Rehwild wie auf „Schädlinge“ (ein Begriff, der interessanterweise nur bei den Gegnern einer waldfreundlichen Jagd in den Mund genommen wird!) losballern, dann muss dem Einhalt geboten und die Waidgerechtigkeit wieder hergestellt werden.
Die Anzeige lief. Die Staatsanwaltschaft Bamberg ermittelte. Betriebs- und Revierleiter wurden als Hauptbeschuldigte befragt und verhört. Alle an besagter Jagd beteiligten Jäger galten darüber hinaus als Beschuldigte und wurden wie auch die Treiber von der Polizei direkt oder schriftlich befragt. Politiker einer bestimmten Couleur schalteten sich ein und ließen wegen obskurer Tatbestände, von denen Ihnen berichtet worden sei, ermitteln. – Aber es wurde kein Vergehen festgestellt! Das Verfahren sollte eingestellt werden. Natürlich erfolgte Widerspruch. Neue Vorwürfe wurden aus dem Hut gezaubert. – Auch an denen war nichts dran.
Zähneknirschend mussten die beiden Anzeigensteller, der BJV und der Bayerische Tierschutzbund, hinnehmen, dass die Staatsanwaltschaft ganz klar feststellte (Anordnung und Zitate stammen aus der Begründung der Staatsanwaltschaft, die mir am 16.11.2018 zugesandt wurde):
Zum Überschießen des Abschussplanes (Einstellungsschreiben Seite 2, Nr. 1)

  • Der Abschussplan war nicht überschossen, er wurde lediglich in einem Jahr erfüllt! Eine Möglichkeit, die die Ausführungsbestimmungen des Bayerischen Jagdgesetzes explizit vorsieht.  
  • Es fehlte auch nicht der nach dem Tierschutzgesetz geforderte „vernünftige Grund“ zum Töten eines Tieres, da alle erlegten Tiere „einer ordnungsgemäßen Verwertung“ zugeführt werden konnten.

Zu den an der  Wildfütterung fotografierten verletzten Tieren (Einstellungsschreiben Seite 2, Nr. 2) (Anm. Verfasser: Diese Fütterung war auch im Juni/Juli 2018 noch fortwährend befüllt und damit missbräuchlich!)

  • Auch das sei kein Straftatbestand, der gegen die Beschuldigten ins Feld geführt werden könne, da die Zuschreibungen von Ort und Zeit der Verletzungen als „reine Vermutungen … einen Tatnachweis nicht begründen“ können.
  • Im Zeitraum zwischen der Staatsjagd und der Aufnahme der Bilder fanden zudem weitere Jagden in angrenzenden Revieren statt, auf denen ebenso die Rehe angeschossen worden sein könnten.
  • Ob die Verletzungen überhaupt von Schüssen stammen, sei nicht sicher zu sagen.

Treibjagd oder Drückjagd? (Einstellungsschreiben Seite 2f, Nr. 3)

  • Die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür seien in der Jagd im BaySF-Revier eingehalten worden. Dem Jagdleiter sei kein „strafbares Verhalten“ vorzuwerfen.
  • „Mutmaßungen und Spekulationen“ hätten sich nicht bestätigen lassen.
  • Jagdansprache und Nachsuchen seien „ordnungsgemäß durchgeführt worden“.

Es ist ruhig geworden um diese Jagd in Edelmannsberg. Die verletzten Tiere, um die es eigentlich ging, spielten keine Rolle mehr, weder beim Bayerischen Jagdverband, noch beim Tierschutzbund. Dass der angrenzende Revierinhaber die Bilder zum Scharfmachen lieferte, aber nichts, gar nichts unternahm, um diese verletzten Tiere von ihrem Leiden zu erlösen, interessierte in beiden Vereinen offensichtlich niemanden. Scheinbar ist Tierschutz doch teilbar!
Um Tierschutz ging es wohl auch nicht, denn – wenn ich das richtig sehe - , es sollte endlich mal ein Exempel gegen die ungeliebte waldfreundliche Jagd statuiert und die geliebten hohen Rehwildbestände gerettet werden. Dass unser Jagd- und  Waldgesetz die Anpassung des Wildbestandes an die landeskulturellen Gegebenheiten fordern, interessiert aus diesen Kreisen offensichtlich niemanden. Und weil man die Anpassung der Rehwildbestände an den Wald nicht will, macht man derzeit auf anderen Wegen dem Forstbetrieb das Leben schwer.


Horridoh und Waidmannsheil!

Dr. Wolfgang Kornder
(1. Vorsitzender des ÖJV Bayern)