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Bauern machen Vorschläge

Reichersdorf. (al) Die bayerische Staatsministerin für Landwirtschaft, Michaela Kaniber folgte neulich der Einladung des 1. Vorsitzenden des BDM (Bund Deutscher Milchviehhalter e.V.), Sepp Hubert und des 2. Vorsitzenden der ÖJV (Ökologischer Jagd Verband), Regionalgruppe Südost-Oberbayern und 1. Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Naturgemäße Waldwirtschaft Rupertiwinkel, Hans Praxenthaler, um sich mit ihnen über Probleme der Land- und Forstwirtschaft auszutauschen.
Als erstes brachten die beiden Bauern die Wiederaufforstungsinitiative des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder ins Gespräch. Die Absicht 30 Millionen Bäume zu pflanzen sei an sich zwar zu begrüßen, habe aber, wegen der hohen Verbissschäden, wenig Aussicht auf eine erfolgreiche Walderneuerung. Praxenthaler, selbst Jagdpächter, sagte, nur die konsequente Durchführung der Praxis, „Wald vor Wild“ und die Umstellung auf eine vielfältigere Waldkultur, mit dem Klimawandel angepassten Baumbepflanzungen verspreche in dieser Hinsicht Erfolg. In seinem Revier habe er diesen Wandel schon gestartet und Praxenthaler präsentierte mehrere Bilder, um das zu verdeutlichen. Er lud die Ministerin auch zu einer Waldbegehung ein, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen.
Etwas härter ging Sepp Hubert mit der gängigen Politik ins Gericht. Was helfe es, hierzulande 30 Millionen Bäume zu pflanzen, wenn gleichzeitig durch Handelsabkommen wie Mercosur, CETA und anderen weit mehr Bäume abgeholzt und Urwälder vernichtet würden. Dies, um zu ermöglichen, billiges Fleisch, Palmöl, Holzkohle und Anderes zu importieren und die Lebensgrundlagen der dortigen Bevölkerungen zu zerstören. Zudem würden durch solche Abkommen auch Konflikte zwischen Landwirtschaft und Industrie heraufbeschworen. Die bayerische Regierung müsse sich mit aller Kraft gegen solche Dinge wehren, wenn es ihr ernst sei mit Klima- und Artenschutz und wenn sie, insbesondere der regionalen und kleinbäuerlichen Landwirtschaft eine Zukunft geben wolle.
Hubert prangerte ebenfalls das Fehlen klar erkennbarer Kennzeichnungen von Lebensmitteln an. „Herkunft, Inhalte und Herstellungsmethoden müssen bei allen Lebensmitteln auf einen Blick zu sehen sein“, sagte Hubert. Angeprangert wurden auch die Verschwendung von Lebensmitteln und deren damit verbundene Überproduktion. Die Produktion sollte dem Verbrauch angepasst werden, statt wie jetzt auf Überproduktion zu setzen und den Überschuss, wie bei Milch, mit billigem Palmöl noch zu vermehren und in Drittländer zu exportieren. Das ruiniere nicht nur die Märkte für die Bauern dort, sondern sei auch zu einem großen Teil an den viel zu niedrigen Milchpreisen schuld, die an Bauern hier bezahlt würden.
Ministerin Kaniber entgegnete dazu, als Exportländer seien besonders Bayern und Deutschland auf offene Märkte angewiesen und die Abkommen vereinfachten dies. Hubert und Praxenthaler meinten aber, bei diesen Abkommen sollten die Produkte gemäß den höchstmöglichen Tier- und Naturgerechten, gesundheitlichen und qualitativen Standards beurteilt werden, statt sich auf niedrigere einzulassen.
Allerdings gerieten auch hier die Anforderungen an die Bauern außer Rand und Band. Als Beispiel führte Huber die Bestimmungen bezüglich der Anbindehaltung an. Wer könne bei einem Milchpreis von 33 Cent noch einen Laufstall bauen, fragte Hubert, bei Kosten von 12000 Euro pro Stellplatz? Wenn die EU Agrarpolitik und die Vergütung für landwirtschaftliche Produkte nicht den Bedürfnissen der Bauern angepasst würden, sehe er einen Rückgang der Anzahl der Bauern während der nächsten Jahre um die Hälfte, meinte Hubert. „Eine Katastrophe“, sowohl in wirtschaftlicher als auch kultureller und landschaftspflegerischer Hinsicht, beteuerte er.
Von Beginn an einig waren sich die Gesprächspartner beim Thema „Düngeverordnung“. Die erneuten Nachforderungen der EU Kommission überforderten die Viehhalter. Bei der Bundesanlagenverordnung müsse rasch Planungs- und Rechtssicherheit geschaffen werden, beteuerte Ministerin Kaniber. Interessant fand die Ministerin die Idee Huberts, bezüglich der Schaffung neuer Kennzeichnungen für konventionelle Betriebe. Die zusätzlichen Produktionsstandards müssten aber auch für die Betriebe leistbar sein und sich in höheren Erlösen für die Bauern niederschlagen, sagte die Ministerin.
Abschließend bedankten sich Hubert und Praxenthaler bei Ministerin Kaniber, für ihr Interesse an ihren Anliegen und ihren Besuch.

(Alle Bilder von H. Praxenthaler)