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Jagd in Zeiten des Klimawandels

Der Wald zeigt ob die Jagd stimmt

Die Kreisgruppe Altötting des Bund Naturschutzes veranstaltete zusammen mit der Kreisgruppe des Ökologischen Jagdvereins eine Exkursion zu einem aktuell auch in der Landespolitik heiß diskutierten Thema, der Jagd in Zeiten des Klimawandels. Trotz regnerischen Wetters kamen knapp 30 Waldbesitzer, Naturschützer und Jäger ins tertiäre Hügelland um Winhöring und ließen sich durch die Wälder von Uli Haizinger und durch den Großprivatwald der Forstverwaltung Toerring-Jettenbach führen.

Der Waldbesitzer und Jäger Uli Haizinger erklärte zu Beginn die Geschichte des Jagdrechts. Im Verlauf der Revolution 1848 erkämpften sich die Bauern das Recht wieder auf ihrem eigenen Grund und Boden jagen zu dürfen. Seitdem ist das Jagdrecht untrennbar an Grund und Boden gebunden. Mit 600ha Waldfläche bilden die Wälder von Graf Toerring-Jettenbach, die der Förster Armin Hirt verwaltet, eine Eigenjagd. So beschlossen sie schon 1997 die Jagd so zu gestalten, dass sich der Wald natürlich verjüngen kann. Im Gemeinschaftsjagdrevier Winhöring 2, dem viele einzelne Grundeigentümer angehören, hat man hingegen erst 2012 die Jagd selbst in die Hand genommen und richtet diese ebenso an der Waldentwicklung aus.

Was sieben Jahre waldgerechte Jagd leisten können zeigt Uli Haizinger in seinem eigenen Wald. Teilweise übermannshohe Naturverjüngung aus sieben bis acht verschiedenen Baumarten. Wie auch auf dem Aktienmarkt gilt im Wald: „Wer streut, der rutscht nicht aus“. Zu ungewiss ist die Zukunft, um sich auf nur einzelne Baumarten zu verlassen. Uli Haizinger mahnte im Angesicht der begeisternden Waldbilder auch, dass Jagd und Waldbau untrennbar miteinander verbunden seien, ein Baum brauche Platz, Licht und Wasser zum Wachsen. Er zeigte, in einem angrenzendem dichten Fichtenbestand, dass dort keine Verjüngung zu finden ist, wo nur etwas Licht auf den Boden trifft stellte sich sofort Tannenverjüngung ein. „Auch die Verjüngung muss gepflegt werden!“ gab der Förster Hirt den Exkursionsteilnehmern zu bedenken. Wie sich heuer gezeigt habe, ist eine reine Buchenverjüngung im Klimawandel ebenso gefährdet.
In den von Armin Hirt gepflegten Wäldern wurde deutlich, was die Jagd nach über 20 Jahren bezwecken kann. Zäune sind hier, wie es das Gesetz fordert, nur der Einzelfall, nicht die Norm. Er habe zu Beginn seiner Amtszeit LKW-weise Zäune abbauen lassen. „Zu viele Rehe müssen dann auf eine noch kleinere Restfläche ausweichen“ kritisiert Haizinger den Zaunbau.

Als man damals den Abschuss stark erhöht hatte (ca. 15 Rehe auf 100 ha) um den Wildbestand zu senken und so eine natürliche Waldverjüngung zu ermöglichen, hatte man Zweifel diese Abschusshöhe dauerhaft beibehalten zu können. Heute findet das Reh in den teils flächigen Dickungen aus Nadel- und Laubholz noch mehr Lebensraum als damals, die Jagd ist gleichzeitig wesentlich schwieriger geworden. Der Abschuss konnte über die Jahre stetig forstgeführt werden. Hirt vermutet heute einen ähnlich hohen Wildbestand wir vor 20 Jahren. “Schöne Waldbilder und eine nachhaltig hohe Strecke lassen sich also vereinen“ gibt Hirt den Exkursionsteilnehmern freudig mit auf dem Weg und betont als ÖJV-Mitglied: „Es kommt nicht auf die Verbandszugehörigkeit an, denn diese schafft keine solchen Waldbilder, es ist die Einstellung zu Jagd und Wald eines jeden einzelnen Jägers, die etwas bewirken kann“.  Haizinger und Hirt kritisierten aber auch die Grundeigentümer selbst,  da sich diese häufig Ihres Jagdrechts nicht bewußt seien und die enormen Verbissschäden mit all Ihren Folgen klaglos akzeptieren, ohne sich über die Folgen für den Wald in Zeiten des Klimawandels bewußt zu sein.   Auf der einen Seite Jagdpacht zu verlangen und auf der anderen Seite die Dienstleistung einer waldgerechten Jagd zu fordern beiße sich.
Uwe Vollmarshausen vom Bund Naturschutz sicherte den Waldbesitzern Unterstützung durch sie zu.
Von den Exkursionsteilnehmern blieben die Tierwechsel, aber auch die Verbiss- und Fegeschäden, die in geringem Maße immer noch auftreten, nicht unentdeckt. „Wir müssen nicht das letzte Reh erschießen, um solche Waldbilder zu erzeugen“ entgegnete   Haizinger, denn den Jägern die eine  „waldgerechte Jagd“ betreiben, werde hinter vorgehaltener Hand oft vorgeworfen,  sie würden das Wild ausrotten wollen. Die Waldbilder zeigten, dass natürliche, dem Klimawandel gewappnete, Wälder möglich sind, wenn der Wald mit dem Wildbestand im Einklang ist.

Verfasser: Christian Heyer
Schriftführer, ÖJV Kreisgruppe Altötting-Mühldorf

 

 

 

Jagd in Zeiten des Klimawandels (pnp)