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Abschließende Bemerkungen zu den SZ-Artikeln von Rudolf Neumaier

  • „Hemmungslos“ und
  • „Frei zum Abschuss“
in der SZ Sa./So. 23./24. November 2019 (Nr. 271)
 
Der ÖJV Bayern bedankt sich bei allen Verbänden, Gruppierungen und Einzelpersonen, die sich in dieser Sache kritisch geäußert haben. Viele Leserbriefe haben uns erreicht, die sich gegen den Stil und die unqualifizierte und unsachliche Darstellung wendeten. – Herzlichen Dank für diese Solidarität!

Ich darf im Folgenden zusammenfassend und abschließend die aus der Sicht des ÖJV-Bayern wesentlichen Kritikpunkte kurz und bündig anreißen:

a) Herr Dr. Neumaier negiert Grundaussagen bestehender Jagd- und Waldgesetze oder wertet diese ab.
b) Herr Dr. Neumaier forciert zum ÖJV konträre, von der herrschenden Meinung nicht geteilte Aussagen zum Waldumbau.
c) Herr Dr. Neumaier stützt sich weitgehend unkommentiert auf persönliche Meinungen von Personen mit einseitigen jagdlichen und waldfeindlichen Positionen.
d) Herr Dr. Neumaier stellt die Darstellung des ÖJV zur Jagdethik in den frühen Vereinsjahren falsch dar.
e) Herr Dr. Neumaier diffamiert andere ÖJV-Mitglieder und missbraucht Vertrauen.
f) Herr Dr. Neumaier machte in Textbeiträgen selbst abwertende Aussagen zur schonungslosen Bejagung von Schalenwild.

zu a)
Der Autor Dr. Rudolf Neumaier negiert in diesem Artikel Grundaussagen der geltenden Jagd- und Wald-Gesetze (u.a. Art. 1 BayJG: „…insbesondere soll die Bejagung die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen.“. Oder „Wald vor Wild“ im Waldgesetz Art. 1 (2).
Er verschweigt bzw. verharmlost die derzeit katastrophalen Schädigungen des Waldes durch den Klimawandel und die daraus resultierende, dringend notwendige Anpassung der Schalenwildbestände.
Das Vegetationsgutachten stellt der Verfasser als willkürlich dar, obwohl dieses Gutachten seit 30 Jahren objektiv, mit wissenschaftlicher Begleitung und großer Transparenz durchgeführt wird. Zudem kann jeder an den Aufnahmen teilnehmen.
Damit werden die Bayerischen Jagd- und Waldgesetzte negiert und abgewertet.

zu b)
Die Forstwissenschaft ist übereinstimmend der Meinung, dass die im Artikel genannten „unblutigen“ Methoden (Einzelverbissschutz und Wildruhezonen) auf der Fläche nicht zielführend sind. Gerade in Zeiten des Klimawandels kann der dringend notwendige Waldumbau nur bei Schalenwildbeständen
erfolgen, die dem Ökosystem Wald angepasst sind. Flächiges Arbeiten mit Verbissschutzmaßnahmen sind weder durchführbar noch ökonomisch leistbar, noch vom Gesetzt her gedeckt.

zu c)
Der Autor zitiert in seinem Artikel fast ausschließlich die persönlichen Meinungen von Personen mit sehr einseitigen jagdlichen und waldfeindlichen Positionen. Viele dieser sehr breit ausgeführten Extrempositionen sind dabei nachweisbar nicht richtig (z.B. 140 Nistkästen als Grund für das Ausbleiben von Borkenkäferschäden). Zudem werden diese persönlichen Meinungen völlig unkommentiert wiedergegeben (z.B. die Behauptung, dass die Verbissgutachten der Forstverwaltung oft willkürlich erstellt seien). Weiterhin halten wir es für bedenklich, wenn ein Autor der SZ „Studien“ als Begründung anführt, ohne diese näher zu erläutern. Man kann natürlich eine Masterarbeit zitieren, die das „Verbissgutachten nach Strich und Faden…auseinandernimmt“. Allerdings wäre es für einen seriösen Artikel notwendig gewesen, nicht nur die Meinung eines einzelnen Studenten zu zitieren, sondern dem zumindest die zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen renommierter Forschungseinrichtungen und Professoren zu diesem Thema gegenüberzustellen. Das Ganze gipfelt dann in der ebenfalls unkommentierten Behauptung eines Adeligen, die Absolventen der Fakultät der Technischen Universität und der Fachhochschule hätten eine „Gehirnwäsche“ hinter sich. Auch wenn es sich um eine zitierte Einzelmeinung handelt, führt es durch die fehlende Kommentierung im Ergebnis zu einer Verunglimpfung einer gesamten Hochschule bzw. einer Hochschulausbildung.

zu d)
Die Darstellung des ÖJVs zur Jagdethik, - Neumaier beruft sich hier auf die Aussagen von Dr. Christine Miller, wonach der ÖJV seit seiner Gründung „mit waidgerechter Jagd wenig am Hut hatte“ – ist grundlegend falsch. Der ÖJV Bayern hat als erster Jagdverband bereits in den 90er Jahren ein Seminar
zum Thema Jagdethik mit renommierten Vertretern abgehalten und damit das Thema bearbeitet. Dazu wurde eine Schrift herausgegeben („Mosaiksteine zur Jagdethik“). Der ÖJV Bayern hat zudem bis 2005 Pressekonferenzen zusammen mit dem Deutschen Tierschutzbund, Sektion Bayern, abgehalten.

zu e)
Die Darstellungen des „Tierarztes“ wurden verdreht und werden so zu einer abstoßenden und rufschädigenden Haltung konstruiert. Der angebliche Abschuss von Geiß vor Kitz war realiter der Abschuss eines einzelnen weiblichen Stückes zu einer Zeit, in der Kitze ohne führendes Muttertier problemlos überleben. Die Frage, ob das deutlich später erschienene Kitz und die erlegte Geiß zusammengehörten, ließ und lässt sich nicht beantworten.

Die "Wildkammerszene" mit betreffendem Tierarzt in der SZ beinhaltet eine weitere Unterstellung: ein Kitz sei am Fuß verletzt worden und in den Bauch geschossen worden. Richtig ist: das Kitz wurde vom Schützen aus ca. 20 m Entfernung von oben links hinter der Schulter getroffen, die Kugel zertrümmerte beim Austritt den rechten Oberarm, das Tier lag im Feuer (O-Ton: Schütze). Der Tierarzt konnte diese Aussage bei Begutachtung des sauber versorgten Kitzes (Bauchlappen waren abgeschärft) bestätigen, schärfte die verletzte Extremität auf Wunsch / Nachfrage des Schützen selbst ab.
Diese fachgerechte Verwertung eines auf kurzer Entfernung tödlich getroffenen Rehes mit Verletzungen am Lauf und Pansen werden zur Schlummschießerei umgemünzt.

zu f)
Dr. Rudolf Neumaier äußerte sich in Textbeiträgen, die dem ÖJV Bayern vorliegen, absolut abwertend über Rehe und nimmt damit Positionen ein, die er in besagten Artikel vehement bekämpft und die auch vom ÖJV nicht geteilt werden.

Dr. Wolfgang Kornder
(1. Vorsitzender ÖJV Bayern, 30. Jan. 2020)