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Mögliche Punkte für die Erstellung der Leitlinien dauerhaft roter Hegegemeinschaften

Mit einem ministeriellen Schreiben (LMS) vom 21.01.2019 wurden die Unteren Jagdbehörden aufgefordert Leitlinien für „dauerhaft rote“ Hegegemeinschaften zu erstellen. Folgende Punkte können dabei berücksichtigt werden. Ziel sollte eine nachhaltige Verbesserung der Situation der Waldverjüngung sein, sowie die Zusammenarbeit und Akzeptanz zwischen den Beteiligten fördern. Angepasste Schalenwildbestände ermöglichen eine natürliche Verjüngung der Wälder mit den dringend notwendigen Mischbaumarten (z.B. Eiche und Tanne).

    1. Körperlicher Nachweis als vertrauensbildende Maßnahme
Den Jagdgenossenschaften, den Jagdpächtern und auch der Jagdbehörde wird empfohlen den körperlichen Nachweis in den Revieren einzuführen. Bei Neuverpachtungen sollte die Möglichkeit des körperlichen Nachweises bereits im Jagdpachtvertrag enthalten sein. Die Jagdbehörde sollte bei der Bestätigung des Vertrages darauf hinweisen. Wenn diese Möglichkeit bereits im Pachtvertrag enthalten ist, sollte dies in den Revieren auch auf Anraten der Jagdbehörde durchgeführt werden.

    2. Moderne Jagdpachtverträge
Siehe „Empfehlungen für den Jagdpachtvertrag“ im Kapitel „Pachtjagd – oder Eigenbewirtschaftung?“ in der Infobroschüre des ÖJV Bayern „Informationen zur Jagd für Waldbesitzer“

    3. Regelmäßige Revierbegänge
Mindestens jährliche Revierbegänge, an denen der Revierinhaber und die Jagdgenossen teilnehmen. Eine Stärkung der Zusammenarbeit und eine objektive Betrachtung der Situation wird dringend empfohlen. Es können dabei auch die Revierleiter der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hinzugezogen werden.

    4. Zwischenmeldungen zum Abschuss von Schalenwild
Jeweils zum Ende des Kalendermonats ist der Abschuss von Schalenwild (inkl. Fallwild) der unteren Jagdbehörde und der Jagdgenossenschaft zu melden. Fehlentwicklungen können so schnell erkannt werden und es kann nachjustiert werden.

    5. Transparenz der Abschusserfüllung innerhalb einer HG
Die Pächter und die Jagdgenossenschaften (auch die Eigenjagdbesitzer) erhalten jeweils im Juli und November eine Übersicht über die gemeldeten Abschüsse innerhalb der Hegegemeinschaft. Dadurch soll die Transparenz gefördert und eine Diskussion zwischen den Beteiligten angeregt werden.

    6. Erfüllungsstand im Herbst
Sollte der Ist-Abschuss in der Novembermeldung unter einem Schwellenwert liegen (z. B.: 70 %), erhält der Revierinhaber und die Jagdgenossenschaft ein Hinweisschreiben der Jagdbehörde.


    7. Gegenseitige Unterstützung
Die Grundbesitzer und Nutzungsberechtigten (Forst und Landwirtschaft) sollen auf die Belange der Jagd Rücksicht nehmen (z. B. Duldung von Jagdeinrichtungen). Es sollten etwaige Störungen der Jagdausübung möglichst geringgehalten werden. Die Jagdpächter beachten ihrerseits die berechtigten Interessen der Jagdrechtsinhaber. Die Jagdgenossen können den Jagdpächtern ggf. Material zum Bau der jagdlichen Einrichtungen zur Verfügung stellen. Auch das Aufstellen der Einrichtungen kann gemeinsam erfolgen. Die Jagdgenossenschaften können bei der Durchführung von Sammel- oder Bewegungsjagden den Jagdpächter unterstützen.

    8. Zusammen statt gegeneinander arbeiten
Sämtliche Verbände (jagdliche Vereinigungen, Bauernverband, ARGE der Jagdgenossenschaften, etc.) sollen in ihren Versammlungen auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit hinweisen.

    9. Der Wald hat Vorrang vor einem hohen Pachtzins
Mit einem niedrigen Pachtzins ist gleichwohl die Erwartung verbunden, dass die Pächter effektiv für den Wald jagen.

    10. Nachsuchenvereinbarungen
Es wird dringend auf die Notwendigkeit von Nachsuchenvereinbarungen mit den angrenzenden Revierinhabern hingewiesen. Der Leiter der Hegegemeinschaft und auch die Jagdbehörde sollen hierbei in den Versammlungen auf die Notwendigkeit gerade im Hinblick auf den Tierschutz hinweisen.

    11. Schonzeitverkürzungen
Eine Schonzeitverkürzung ist möglich, um übermäßigen Wildschaden zu vermeiden. Diese Verkürzungen können auf Antrag bei den Jagdbehörden genehmigt werden.
Voraussetzungen können z. B. sein:

  • Gemeinsamer Waldbegang in den Monaten September bis Dezember mit dem Jagdpächter, den Jagdgenossen und dem zuständigen Revierleiters (AELF). Aus dem gemeinsamen Protokoll wird eine Schonzeitverkürzung vom Revierleiter empfohlen. Dieses Protokoll muss der Jagdbehörde zusammen mit dem Antrag auf Schonzeitverkürzung vorgelegt werden.
  • Der Antrag ist vom Revierinhaber in Abstimmung mit der Jagdgenossenschaft zu stellen.
  • Bei der Entscheidung der Jagdzeitverlängerung soll der Ist-Abschuss, der aus den bisherigen (monatlichen) Abschussmeldungen hervorgeht, berücksichtigt werden.
  • Schonzeitverkürzungen können z. B. die Verlängerung der Jagdzeit auf weibliches Rehwild und Kitze bis einschließlich 31.1. sein oder eine vorgezogene Jagdzeit auf Böcke und Schmalrehe bereits ab dem 1.4.
  • Werden Drückjagden auf Schwarzwild zur Reduktion der Schwarzwildbestände im Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest (ASP) durchgeführt, soll auf diesen Jagden auch weiteres Schalenwild (hier besonders Rehwild) freigegeben werden. Werden diese Drückjagden auch außerhalb der Schusszeit auf Rehwild durchgeführt, muss dies ebenfalls auf Antrag bei der Jagdbehörde bestätigt werden (siehe Regelung in Brandenburg).


    12. Erstellung eines Konzepts zum Schalenwildmanagement
In den Hegegemeinschaften sollte ein Jagdkonzept erstellt werden. Schadensschwerpunkte und Bejagungsschwerpunkte sollten dabei dargestellt werden. Lebensraumverbessernde Maßnahmen auch im Hinblick auf andere Wildarten können dabei getroffen werden. Das Konzept soll auf eine intensive Schwerpunkt- und Intervalljagd zugunsten der waldbaulichen Ziele ausgerichtet werden.

    13. Fütterungs- und Kirrkonzept

  • Fütterungen sind lediglich in der Notzeit erlaubt. Die Jagdbehörde soll zusammen mit dem Jagdbeirat ein Hinweisschreiben herausgeben, das den Revierpächtern als Richtlinie dient. Notzeiten werden durch ein Schreiben der Jagdbehörde an die Jagdpächter und Jagdgenossenschaften bekanntgegeben.
  • Kirrungen sollten ggf. mit den Nachbarpächtern abgestimmt werden. So wenig Kirrungen wie möglich. Kirrungen sollten zudem definiert werden (z. B. max. 1kg energiearmer Apfeltrester). Nachlage erst, sobald alles aufgefressen wurde. Das Kirrkonzept wird in das Hinweisschreiben zum Fütterungskonzept aufgenommen.


    14. Evaluation und Controlling durch die Jagdbehörde und den Jagdbeirat
Der Stand der Maßnahmen soll regelmäßig bewertet und falls erforderlich überarbeitet werden. Die Umsetzung in der Praxis soll ebenso überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

    15. Schulungen und Informationsveranstaltungen
Den Jagdpächtern aber auch den Jagdgenossen sollen regelmäßig Schulungen zu verschiedenen Themen des Jagd (- und Wald)rechts angeboten werden.

    16. Duldung überjagender Hunde
In den abzuschließenden Jagdpachtverträgen sollte festgelegt werden, dass überjagende Hunde bei der Durchführung von Drückjagden im Nachbarrevier an mindestens drei Drückjagden geduldet werden müssen. Die Jagdbehörde sollte bei der Bestätigung des Vertrages darauf hinweisen. Auch die Jagdpächter bestehender Jagdpachtverträge sollen sich hierbei mit den angrenzenden Jagdnachbarn einigen.

Mögliche Punkte für die Erstellung der Leitlinien dauerhaft roter Hegegemeinschaften
Vorschläge für Leitlinien in den roten H
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