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"Im Namen des Waldes"

Artikel von Vivienne Klimke in WuH 4/2020 S. 20 – 25 über den Berufsjäger Jörg Finze

Sehr geehrte Redaktion der WuH,

Ich bitte um die Veröffentlichung unserer Stellungnahme zu oben genanntem Artikel, in dem der ÖJV völlig unsachlich angegriffen wird, ohne jede Kürzung:


Im Namen traditionalistischer Ideologie

Der bayerische Gesetzesgrundsatz „Wald vor Wild“ (Waldgesetz Art 1) wird in diesem Artikel gelinde gesagt einseitig interpretiert und nur schlecht gemacht.
Die im Artikel gemachten Bezüge zum ÖJV sind durchsichtig konstruiert und scheinen als Hauptziel die Diffamierung des ÖJVs zu beabsichtigen.
Fachlich Anerkanntes wird einfach negiert.
Vieles ist widersprüchlich.

  • „Ein“ Durchgehschütze habe auf einer Drückjagd einen Fuchs „erlegt und einfach zum Verfaulen in eine Astgabel“ gehängt. Im Nachhinein habe Berufsjäger Finze dann mitbekommen, dass „die Jäger“ Mitglieder des ÖJVs gewesen seien. Ganz abgesehen davon, dass diese Darstellung in sich unstimmig ist, passt diese Zuordnung absolut nicht zum ÖJV. Denn der ÖJV hat die Fuchsjagd grundsätzlich immer sehr kritisch gesehen und sich gegen das in traditionalistischen Jagdkreisen nutzlose Abschießen und Verludern lassen von Füchsen gewehrt. Dass in traditionalistischen Jagdkreisen Füchse, andere Prädatoren und „Raubzeug“ wie Schädlinge behandelt und bekämpft werden, war nie eine Position des ÖJVs.
  • In der Darstellung „vorbildlicher Jagd“ (Art. 4, BayWaldG) vermisst man eine positive Bezugnahme zur Wildschadensfrage, die im gesamten Bundesgebiet ein wesentlicher Grund zur Schalenwildbejagung ist und letztlich der Auslöser für „Wald vor Wild“ in Bayern war. Der Schaden am Ökosystem Wald, das grundlegende ökologische, gesellschaftliche und ökonomische  Funktionen zu erfüllen hat, wird im gesamten Artikel nicht im Ansatz ernsthaft berücksichtigt.
  • Es wird so getan, als ob hohe Abschüsse, die von bestimmter Seite regelmäßig in „Mediengewittern“ unter Beschuss genommen und von Ideologen angezeigt werden, gesetzeswidrig seien, obwohl Gerichte diese Anzeigen längst eingestellt haben, so z.B. beim Rehwildabschuss in Edelmannsberg. Und so fragt man sich, warum damit weiter Stimmung gemacht wird? - Es dient wohl einzig und allein dazu, vollkommen legale Handlungsweisen wieder einmal in Frage zu stellen.
  • Dass Berufsjäger über ein Prämiensystem Anreize bekommen, um angepasste Schalenwildbestände herzustellen, ist ein legitimes und von manchen Berufsjägern geschätztes Vorgehen, für viele eine Art 13. Monatsgehalt. Die von vielen Jägern außerhalb der BaySf gern in Anspruch genommene Schwarzwildprämie in Bayern (20,- €, in bestimmten Gebieten 100,- € pro erlegtem Stück), folgt dem gleichen Grundprinzip. Da scheint es zu passen! – Aber wo ist der Unterschied, der das Eine verteufelt und das Andere heiligt?
  • Die Winterfütterung mit Heu wird offensichtlich als unpassend angesehen, obwohl gerade Heu für das im Winter beim Schalenwild heruntergefahrene Verdauungssystem bestens geeignet ist.
  • Mit welchen Scheuklappen der Bericht arbeitet, zeigt der abschließende Rundumschlag: „Der Grundsatz „Wald vor Wild“ bringt nur Tod und Elend.“ Dass damit Waldlebensräume vielfältiger und artenreicher werden, dass damit Deckung und Äsung für unser Schalenwild geschaffen wird, dass angepasste Rehwildbestände stressfreier leben und mit weniger Parasiten zu kämpfen haben, dass der Schutzwald wachsen seine Funktionen auch erfüllen kann, dass der Wald klimastabiler wird, spielt alles keine Rolle. Hauptsache das Feindbild einer ökologisch ausgerichteten, waldfreundlichen Jagd wird bekämpft.


Auffällig ist auch, dass Jörg Finze vieles nach Belieben und Gutdünken mal so und mal so wertet: Seine zu Tränen rührenden Fütterungsaktionen sind gelebter Tierschutz, die Heuballentransporte von BaySf´lern hingegen nur ein Feigenblatt; während ein abgebrühter Hundeführer zuschaut, wie sein Hund ein Reh bei lebendigem Leibe auffrisst, ist der auch zuschauende Berufsjäger Finze ein zutiefst erschütterter, aber untätiger Engel; und wenn zugunsten des Waldes effektiv gejagt wird, ist das Schädlingsbekämpfung, wenn aber Berufsjäger Finze Tiere erlegt ist das …? Und wie tickt ein Berufsjäger, der dem Schalenwild Respekt zollt und Jagdhunde als „Köter“ bezeichnet, der was von „waidgerecht“ rumfaselt und nachts mit dem Scheinwerfer jagt? Wer als Berufsjäger so widersprüchlich und mit einem solch überkommenen Jagdverständnis Stimmung gegen eine waldfreundliche Jagd macht, bringt sich selbst ins Zwielicht, schadet damit aber auch dem Wald und letztlich der Jagd insgesamt. Schade, dass sich WuH auf ein derartig unsachliches, reißerisches Niveau herabbegibt.

Dr. Wolfgang Kornder
(1. Vorsitzender ÖJV Bayern)