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Pressemeldungen

Pressemitteilung vom 11.11.2012

Anmerkungen zum „Klageruf des Wildes“

von Dr. Wolfgang Kornder, 1. Vorsitzender des ÖJV-Bayern

Das unter der Federführung des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) entstandene „Klagelied des Wildes“ als Hubertuserklärung zum 3. November 2012 kursiert derzeit in Bayern (s. z.B. u. www.klage-des-wildes.de/). Es wurde von einigen Einzelpersonen und Verbänden unterzeichnet.


Im Folgenden darf ich diesen Aufruf darstellen, kommentieren und Falsches richtig stellen:  

Passagen und Überschriften aus dem „Klageruf des Wildes“

Kommentar bzw.

Richtigstellung

Wildtiere werden zunehmend als Schädlinge stigmatisiert. „Wildtiere „sind Teil der Schöpfung“.

Folgt man den Klagerufern, so gehören zur Schöpfung vor allem die Rehe und Hirsche. Nicht dazu gehören scheinbar Raubwild, wie die Füchse und “Raubzeug“ wie Haustiere also Hunde und Katzen, gegen deren Schonung bis jetzt effektiv gekämpft wird.

 

Als eine wahre Ausgeburt des Teufels erscheinen Kormoran und Rabenkrähe in vielen Veröffentlichungen der Klagerufer. Nicht zur Schöpfung gehören offenbar auch Wälder, Felder und Wiesen, also unsere Kulturlandschaft, die Lebensgrundlage für alle unsere Wildtiere. Die Vielfalt unserer Fauna kann nur in einer abwechslungsreichen, gesunden Landschaft überleben, die aber nicht zuletzt durch die Überhege der „Klagerufer“  seit Generationen gefährdet ist. Die Schöpfung wird hier geteilt und völlig unsachgemäß auseinandergerissen und bewertet.

 

„Pflicht zur Hege“

Die Interpretation der Klagerufer stellt das Ganze auf den Kopf stellt und macht aus „angepassten Wildbeständen“ das Gegenteil, nämlich dem Wild angepasste Lebensräume.

 

Wildtiere „sind Ureinwohner unser bayerischen Heimat“.

Wenn man Tieren diesen Status gibt, wertet man die Menschen ab, die wir als „Ureinwohner“ bezeichnen,  und die Klagerufer müssen sich fragen lassen, weshalb sie Wildtiere überhaupt noch töten?

 

Wild braucht Rückzugsgebiete.

Wie soll Wild erlebbar werden, wenn an jedem Wiesenrand ein Hochsitz steht, errichtet vom Klientel der Klagerufer? Dazu kommen im Februar die bayerischen Fuchswochen, in denen nicht nur sinnlos „Schädlinge“ eliminiert werden, sondern auch noch zusätzlich alles andere vorkommende Wild beunruhigt wird?

 

Und viele Kilometer See- oder Flussufer sind durch Angelfischer besetzt, die das Leben der Wasservögel empfindlich stören. Es kommt doch deswegen selten zu Ruhezonen vor Jagd und Fischerei,  weil Jäger und Fischer mit ihrem großen politischen Einfluss sich dagegen wehren.

 

Wildtiere  „brauchen eine breite Bürgerallianz um zu überleben“.

Es gab noch nie so viele Reh-und Schwarzwild in Bayern wie heutzutage! Weshalb soll hier eine breite Bürgerallianz zum Überleben nötig sein?

 

Warum ist „Wald vor Wild“ falsch – und sollte es nicht besser „Wald mit Wild“ heißen?

Der Lebensraum kommt deshalb vor jeder Wildart, weil keine Tierart ohne Lebensraum existieren kann. Völlig unverständlich ist zudem, dass Prof. Dr. Vocke diese Formulierung kritisiert, für die er als MdL 2005 bei der Novellierung des Waldgesetzes gestimmt hat! 

 

„Der Mensch steht in der Verantwortung, auch für seine Nachwelt Sorge zu tragen.“

Wer sich um die Schöpfung Sorgen macht, wer für unsere Nachkommen Vorsorge treffen will, muss sich um die ganze Schöpfung kümmern, muss vor allem dafür sorgen, dass ein vielfältiger gesunder Mischwald nachwächst, der für die Wildtiere aber auch für uns selbst lebensnotwendig ist.

 

Man fragt sich unwillkürlich, ob die Einzelpersonen und die Vorsitzenden der unterzeichnenden Verbände überhaupt verstanden haben, was ihnen da vom Jagdverband untergejubelt wurde.

  • Bei einigen reibt man sich verwundert die Augen, z. B. beim Bund der Steuerzahler. Warum greift der Bund der Steuerzahler die regelmäßige Kritik des Obersten Bayerischen Rechnungshofes an den gravierenden Schädigungen durch die zu hohen Schalenwildbestände nie auf und beteiligt sich stattdessen an diesem Pamphlet?
  • Und grundsätzlich fragt man sich, warum sich  Verbände, die mit Jagd und Wild nichts am Hut haben, die keinerlei Verantwortung für landwirtschaftliche Flächen oder den Wald tragen, die nie einen Beitrag zur Lösung der vorhandenen Wildschadensprobleme geleistet haben, sich für ein solches Schriftstück hergeben?  
  • Was soll diese Doppelmoral, die sich auch beim Vorsitzenden des BJV´s Prof. Dr. Vocke zeigt, der ja 2005 als MdL für die Formulierung „Wald vor Wild“ gestimmt hat und nun hohle Breitseiten dagegen fährt?


Überhaupt muss man fragen, wo denn die Grundeigentümer bleiben, die die Schäden zu hoher Schalenwildbestände ausbaden müssen? Oder wo bleibt die Gesellschaft, die die Schutz- und Erholungsfunktionen intakter Wälder dringend braucht? Was ist mit den Bürgern, die den Bergwald als Schutz vor Lawinen oder Steinschlag benötigen? Gerade aber dort kommt der BJV seiner Verantwortung nicht nach, wie das brandaktuelle Verbissgutachten 2012 zeigt.


Wird hier wieder einmal vom BJV eine Attacke gegen die Nutzer unserer Kulturlandschaft, gegen die Forst- und Landwirte geritten? Statt Lösungen angesichts zu hoher Schalenwildbestände zu bieten, wird diesen noch einmal  ein Knüppel zwischen die Beine geworfen.

Dr. Wolfgang Kornder
(Vorsitzender des ÖJV Bayern)