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Pressemeldungen

Pressemitteilung vom 14. Oktober 2013

Zum 75-jährigen Jubiläum des Deutschen Jagdmuseums in München

Das Deutsche Jagdmuseum wurde am 16. Okt. 1938 gegründet. Zu diesem 75- jährigen Jubiläum wurde im Juli bereits ein großer Festakt abgehalten (s. dazu PM des ÖJV Bayern vom 4. Juli 2013). Allein schon das Jahr 1938 sollte aber zur Aufmerksamkeit mahnen, verweist es doch auf eine höchst fragwürdige Epoche der deutschen Geschichte.

Treibende Kraft, Antragsteller und erster Präsident aus Reichsjägermeister Görings Gnaden war der Nazi-Emporkömmling Christian Weber, die führende Nazigröße Münchens in der nationalsozialistischen Zeit. So sehr aber auch auf die bedeutungsvolle Geschichte der Jagd in all ihren Epochen in den Schriften und Verlautbarungen des Deutschen Jagdmuseums hingewiesen wird, wird dieser nationalsozialistisch bestimmte Anfang totgeschwiegen. Im besten Falle findet sich eine Randnotiz dazu, dass das Jagdmuseum 1938 im Schloss Nymphenburg gegründet wurde.
Die nationalsozialistische Prägung mit ihrem Aufartungsgedanken, dem Trophäenkult und einem Bild vom jagenden Herrenmenschen findet sich in diesem Museum bis heute. Zudem hängen gewaltige Trophäen des Reichsjägermeisters Hermann Göring und seines Handlangers Walter Frevert, der nachweislich im menschenverachtenden nationalsozialistischen System aktiv mitarbeitete, nach wie vor ohne Kommentar im Museum. Görings Name, der unkommentiert bei diesen Trophäen hing, wurde erst 2006 nach einer kritischen Sendung des BR abgehängt. Die Verherrlichung der auch mit Geldern der NSDAP gekauften Geweihsammlung des Grafen Arco-Zinneberg, die als zentraler Anfangsbestand des Jagdmuseums gerne hervorgehoben wird, unterstreicht bis heute den Trophäenkult, der dem gesetzlichen Bayerischen Grundsatz „Wald vor Wild“ zuwiderläuft. Der Wald als Biotop spielte und spielt dabei keine Rolle und dient dabei lediglich als Kulisse für die Jagd.

Die damals bereits erkennbaren und bis heute vorhandenen gravierenden Wildschäden am Wald allgemein und im Bergmischwald im Besonderen sind kein Thema. Der angesichts des Klimawandels notwenige Umbau unserer Wälder wird nach wie vor durch zu hohe Schalenwildbestände behindert, teils unmöglich gemacht. Damit werden durch diese im Nationalsozialismus verwurzelten Prägungen die Fehlentwicklungen derzeitiger Jagd verstärkt.

Diese Diskrepanzen sollten nach Meinung des ÖJV Bayern endlich aufgegriffen und beseitigt werden. Nur dann ist es akzeptabel, dass die Renovierung des Museums mit 1,1 Millionen Euro aus Steuermitteln gefördert wird. Es wäre zudem gesellschaftspolitisch sehr wichtig, im Zeichen des neu aufbrechenden rechtsradikalen Denkens diesen nationalsozialistisch geprägten Museumsbeginn endlich aufzuarbeiten.

gez.
Dr. Wolfgang Kornder
1. Vorsitzender

Pressemitteilung des Ökologischen Jagdverbandes Deutschland vom 14.10.2013
Zum 75-jährigen Jubiläum des Deutschen Jagdmuseums in München
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Pressemitteilung des Ökologischen Jagdverbandes Deutschland vom 04.07.2013
75 Jahre Deutsches Jagd- und Fischereimuseum München
Lehren ziehen aus der braunen Vergangenheit!
PM 75 Jahre Deutsches Jagd- und Fischere
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