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Aktuell

Technischer Schutz für Wildtiere

Jagdgenossenschaft bietet Wildrettungsgeräte zum Ausleihen an

 

Von Rudi Bichlmaier

 

Dirnaich. Rehe setzen ihre Kitze ab Ende April zum Schutz von Fressfeinden in die hohe Vegetation im Wald oder am Waldrand, leider auch in Wiesen ins hohe Gras. Das trifft zeitlich mit dem ersten und zweiten Schnitt der Wiesen zusammen. Kitze haben keinen Eigengeruch und den Instinkt, bei Gefahr flach auf dem Boden kauernd in Deckung zu bleiben, um von Fressfeinden nicht aufgespürt zu werden. Leider ist dieser Instinkt beim Einsatz landwirtschaftlicher Erntemaschinen eher gefährlich als schützend.
Die Vorstandschaft der Jagdgenossenschaft hat sich entschlossen, ihre Mitglieder beim Thema „Vermeiden von Mähtod von Wildtieren“ zu unterstützen und zwei entsprechende Geräte zum Ausleihen erworben. Ein Gerät ist zum Aufstellen auf der Fläche (Scheuche), das optisch und akustisch in unregelmäßigen Zeitabständen Wildtiere vergrämt. Zeitliche Pausen geben der Rehgeiß die Möglichkeit, ihr Kitz aus der Fläche zu bringen.
Das zweite Gerät ist ein Schallgeber, der am Erntefahrzeug befestigt wird, um Wildtiere aufzuscheuchen, damit sie ihre Deckung verlassen. Beide Geräte waren bereits im Einsatz und sind von den Landwirten positiv bewertet worden.
Die Geräte sind bei Jagdvorstand Thomas Saxstetter eingelagert und können dort ausgeliehen werden. Sollte sich mehr Bedarf zeigen, werden weitere Geräte erworben.
Markus Philipp, Fachreferent des Ökologischen Jagdvereins Bayern (ÖJV), unterstützte die Jagdgenossenschaft bei Fragen zu den möglichen Verfahren und der rechtlichen Situation. Es ist vorgesehen, die Landwirte bei der nächsten Jagdversammlung in einem Referat zu diesem Thema ausführlich zu informieren.  

 

Von links: Konrad Wimmer, Josef Steckermeier, Martin Steckermeier und Jagdvorstand Thomas Saxstetter freuen sich, mit den Wildrettungsgeräten (links in der Wiesenfläche und auf dem Traktor) die Gefahren für Rehkitze zu vermindern.

(Foto: Martin Streckermeier)

Kitzrettung - Tierschutz bei der Landwirtschaft

 

Von Markus Philipp

 

Die Gesellschaft fordert zu Recht, dass auf den Tierschutz und das Tierwohl ein besonderes Augenmerk gelegt wird. Auch, oder vielmehr besonders bei der Jagd, denn dort haben Eingriffe in der Regel einen endgültigen Charakter und können somit für das Wild und andere Tierarten folgenschwere Konsequenzen haben. Der Gesetzgeber hat hier strenge Regeln festgesetzt. Zentral ist dabei die Maßgabe, dass es immer eines vernünftigen Grundes bedarf, ein Tier zu töten. Unnötige Qualen oder gar ein Misshandeln von Tieren werden hart bestraft. In Bezug auf die Jagd gilt zudem der Grundsatz, dass das Töten eines Tieres so schnell, schmerzfrei und sicher wie möglich passieren muss. Der ÖJV Bayern sieht daher den Tierschutz bei der Jagd als ein zentrales Thema.

 

 

 

Aber nicht nur bei der eigentlichen Jagdausübung gilt es, den Tierschutz zu beachten. Gerade im Mai kommt es immer wieder zu Unfällen bei der Grasmahd. Der Grund dafür liegt darin, dass der erste Grasschnitt in der Regel mit der Setzzeit des Rehwildes zusammenfällt. Rehgeißen legen ihre Kitze häufig auch in Wiesen ab. Das junge Kitz verlässt sich dabei völlig auf seine Tarnung und drückt sich in das Gras. Für den Landwirt ist es fast unmöglich beim Mähen der Wiese das Kitz rechtzeitig zu entdecken. So kommt es ohne präventive Maßnahmen zwangsläufig immer wieder zu Mähkollisionen mit Kitzen. Auch wenn diese Unfälle in der Regel nicht absichtlich passieren, haben sie für Landwirte immer wieder auch rechtliche Konsequenzen. Werden die Wiesen vor der Mahd nicht abgesucht, nicht von innen nach außen gemäht oder das Rehwild vorab nicht vergrämt, kann das als Fahrlässigkeit eingestuft werden, was auch strafrechtliche Konsequenzen haben kann.

 

 

 

Präventive Maßnahmen

 

 

 

Eine häufig praktizierte, präventive Maßnahme ist das Absuchen der Wiese vor der Mahd. Die Suche sollte unmittelbar vor der Mahd erfolgen - das erfordert viel Zeit und eine sehr gute Absprache zwischen Bewirtschafter und Jäger. Zudem ist es relativ schwierig, so die bestens getarnten Kitze zu finden. 

 

 

 

Das Suchen mit Drohnen und Wärmebildkamera ist sicher eine Möglichkeit, die aber einmal auch ihre Begrenzungen hat (z.B. bei hoher Außentemperatur) und entsprechendes technisches Knowhow und eine Drohne voraussetzt.

 

Die Vergrämung des Rehwildes aus der zu mähenden Wiese ist eine weitere Möglichkeit, das Risiko zu minimieren. Dabei können optische, akustische und olfaktorische (oder eine Kombination) Vergrämungsmittel am besten am Abend zuvor eingesetzt werden. Das ist weniger zeitaufwendig, sehr effektiv und bietet dem Bewirtschafter zudem noch mehr Flexibilität.

 

 

 

Es ist dabei zu beachten, dass es in den Gesetzestexten nicht nur um Rehwild geht, sondern um alle Wirbeltierarten. Das heißt, präventive Maßnahmen sollten auch den Schutz von Fuchs, Hase, Igel und Bodenbrüter, und alle weiteren Arten, die Wiesen als Lebensraum nutzen beinhalten.

 

 

 

Welche Maßnahme schlussendlich sinnvoll und praktikabel ist, ist vor Ort zu entscheiden. Der ÖJV Bayern empfiehlt daher grundsätzlich, dass sich die Jagdgenossen, die Bewirtschafter und Jäger bei diesem Thema vorab absprechen. Das Thema Tierschutz ist wichtig! Jagd und Landwirtschaft sollten sich hier zudem nicht angreifbar machen.