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Unterstützung der Willigen gefordert - MdL Lettenbauer informiert sich beim Ökologischen Jagdverein

Von Adalbert Riehl, Donauwörther Zeitung vom 2. Juli 2020

Thomas Miehler aus Stadtbergen (mit dem Rücken zur Kamera) beklagte die mangelnde Unterstützung der Augsburger Jagdbehörde, daneben Grünen-Landesvorsitzende Eva Lettenbauer und ganz rechts Gastgeber Stefan Kolonko, der auch die Bezirksgruppe Schwaben des ÖJV leitet.    Foto: Riehl


Oberndorf/Villenbach. Umgeben von Revierförstern, Waldbesitzern und Naturschützen ließ sich die Landesvorsitzende der Grünen Eva Lettenbauer „vor Ort“ Beispiele der Waldbewirtschaftung zeigen. Die meisten der 18 Gäste, die sich auf Einladung von Revierförster Stefan Kolonko trafen, sind mehrfach mit dem Thema „Wald und Wild“ verflochten – als Jäger, Mandatsträger der Grünen, Funktionäre im Bund Naturschutz (BUND) oder im Ökologischen Jagdverein (ÖJV).


Lettenbauer, die für die Grünen auch die Landkreise Donau-Ries und Dillingen betreut, wird beim Landesparteitag am 11. Juli die Forderungen der Partei zum Thema Wald zur Abstimmung bringen. Als Quintessenz forderten die Teilnehmer die „Unterstützung der Willigen“ – willig im Sinne des ökologischen Waldumbaues, der Naturverjüngung und der Forderung „Wald vor Wild“. Die Kritik gipfelte dabei im Vorwurf, die Staatsbehörden würden im Vollzug der Gesetze versagen, ihr Ermessen zugunsten der ökologischen Jagd nicht ausüben und der traditionellen Jagd mit zu hohen Wildbeständen den Rücken stärken.

 

Wie es anders funktionieren kann, erläuterten Robert Wiechmann und Gerd Waas. Beide sind Revierleiter und beide sitzen für die Grünen im Kreistag Miesbach. Das Landratsamt gewähre die Spielräume, um den Rehwild-Bestand dem Ziel der Naturverjüngung anzupassen und die Schwarzwild-Bejagung im Hinblick auf die drohende Einschleppung der afrikanischen Schweinepest zu intensivieren. Stadtrat Thomas Miehler (Stadtbergen), zugleich stellvertretender Ortsvorsitzender des BUND, bedauerte, dass die Augsburger Jagdbehörde hier sehr restriktiv sei.

Doch der Reihe nach. Beim ersten Exkursionspunkt im Wald des Zweckverbandes Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum (WFW) demonstrierte Stefan Kolonko, wie sich Jungpflanzen mit und ohne Schutzvorrichtung unterschiedlich entwickeln und wie Vielfalt aussehen soll. Bis zu 30 verschiedene Baumarten seien im Auwald anzutreffen, die Fichte wird hier in 30 Jahren nicht mehr zu finden sein. Das Augenmerk müsse ferner der Nachzucht der Esche gelten, allerdings mit weit weniger Anteil als bisher.


516 Hektar hat der zertifizierte WFW-Wald, der gleichermaßen Wasser- und Klimaschutz, als Biotop und Bannwald sowie zur Erholung dient. Mit Stolz erläuterte Kolonko den zweiten Exkursionspunkt: eine Waldabteilung, mit deren Umbau er bei Übernahme des Reviers 1991 begann und die einen natürlich verjüngten Laubholzbestand aufweist. Verjüngung fand vorher durch den hohen Wildbestand nicht statt, eine Verdreifachung des Abschusses veränderte die Situation. Der Nadelholzanteil von 49 Prozent (1982) wurde bis 2013 halbiert. Den Slogan des ÖJV hatte Kolonko als Banner aufgestellt: „Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt“. Die Waldabteilung sei Positiv-Beispiel der „natürlichen und sehr kostengünstigen Waldverjüngung“, so Kolonko. Die Förster bestätigen der Abgeordneten, dass der BUND den Weg des 1988 gegründeten ÖJV stets unterstützt habe. „Dringend notwendig“ antwortete Kolonko auf die Frage von Lettenbauer nach Verstärkung der Beratung von Privatwaldbesitzern.


Als Negativ-Bespiel und dritter Exkursionspunkt wurde der 80-jährige Fichten-/Kiefernmischbestand mit Laubholz von Norbert Pröll in Rischgau angesteuert. Der Kampf der Waldbesitzer um eine stärkere Bejagung ist bisher erfolglos, die Laubholzverjüngung wird letal verbissen und von Fichtenverjüngung überwachsen. „Aufgrund der Klimaerwärmung wird die Fichte hier ausfallen, noch ehe sie verwertbare Dimensionen erreicht“, machten die Förster wenig Hoffnung.
Frustrierend das Wildschadens-Gutachten von 2019, das zwar 67 Prozent Schaden bei der Buche feststellt, dies aber als nicht entschädigungsfähig einstuft, weil sie mit 4,5 Prozent Anteil nicht „Hauptbaumart“ ist. Bergahorn, Hainbuche und Eiche sind noch stärker betroffen. „Dabei wäre die Buche die Baumart der potenziell natürlichen Vegetation, die das Problem der Familie Pröll bei erheblich geringerem Verbiss beheben würde“, so Kolonko.

Aber, so verdeutlichte man Eva Lettenbauer, das amtliche Vegetationsgutachten komme zu dem fatalen Schluss, dass aufgrund des geringen Fichtenverbisses die Belastung tragbar sei und der Abschuss beibehalten werden kann. Der Waldbesitzer klagte, dass weder das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Wertingen noch die Gemeinde oder die Jagdbehörde in Dillingen ihre Forderungen nach erhöhtem Abschuss unterstützen, sondern vielmehr wie die Gutachter den teureren Zaunbauten das Wort reden. Alois Kaiser, Jagdvorstand von Steinekirch (Markt Zusmarshausen), bezeichnete den Weg seiner Genossenschaft als Erfolg: statt Verpachtung setzt man seit vier Jahren auf die Eigenbewirtschaftung der Jagd.

 

Adalbert Riehl

ÖJV Schwaben: Waldbegang mit MdL Lettenbauer
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