Welche Jagd steckt in Youtube?

Eine ständig steigende Anzahl von Jagd - Influencern, ist momentan auf YouTube zu finden. Aber welches Bild der Jagd repräsentieren sie, welches Bild transportieren sie in die Social Media Welt? Und welches Bild der Jagd wäre angesichts des Klimawandels angebracht?

 

Eigentlich sollte man sich freuen über die zunehmende Zahl an Influencern, die sich auf YouTube mit dem Thema Jagd beschäftigen. Bei genauerem Betrachten verschiedener Jagdsequenzen auf YouTube erscheint das Ganze aber nicht mehr so erfreulich.  Die Influencer bemühen sich ein Bild der Jagd darzustellen, wie es eigentlich nicht realistisch und nicht mehr zeitgemäß ist.

In Zeiten von zusammenbrechenden Wäldern und immer mehr steigenden Temperaturen, einhergehend mit einer zunehmenden Dürre im Sommer muss sich auch Jagd auf diese Herausforderungen einstellen und gerade der jüngeren Generation ein kritischeres Bild vermitteln. Es ist nicht damit getan, neueste Zieloptiken, Schalldämpfer und Camouflage – Bekleidung zu zeigen, um dann den Rehbock trotz Jagdzeit laufen zu lassen, da er ja ein Zukunftsbock ist. Damit ist unseren Wäldern und dem Bild der Jagd in der Gesellschaft sicherlich nicht geholfen. Und das ist kein Einzelfall!

 

Das romantische Bild der Jagd, in dem es eher um die Befriedigung des Trophäenkults, dem rein persönlichen Erlebnis der Jagenden oder eine sentimentale Tierschutzethik ohne Bezug zum Lebensraum, sprich dem Wald mit all seinen Problemen geht, ist das beherrschende Thema der Influencer. Zudem geht es nur am Rande um die Verwertung von Wildbret, immer wieder spielt das Erlegen des Hirsches, des Rehbocks, der Sau oder das Meistern einer schwierigen jagdlichen Situation die zentrale Rolle der Filme. In all diesen Fällen steht die jagende Person im Mittelpunkt, die sich mit ihrem Können darstellt. Da wird Jagd zum „lifestyle – Event“.

Die Notwendigkeit von Jagd aber, beispielsweise die Schalenwildbejagung für den Waldumbau, die nach unserer Meinung wichtigste Aufgabe der Jagd in Zeiten des Klimawandels, bleibt hingegen unerwähnt oder klingt nur ganz im Hintergrund an.

 

Wir wollen hier nicht falsch verstanden werden, dass wir uns gegen Jagdfilme auf YouTube aussprechen würden, - nein. Wir möchten gerne ein realistisches und modernes Bild der Jagd sehen, in der auch auf angepasste Schalenwildbestände und die Notwendigkeit der Jagd eingegangen wird, nämlich, dass Jagd ein wichtiger Baustein für den Umbau und die Entstehung klimastabiler Wälder ist, in denen Jagd auch als eine Dienstleistung für die Gesellschaft und an den nächsten Generationen verstanden wird. 

In einer ernährungsbewussten Gesellschaft darf auch das Thema Wild als Lebensmittel nicht fehlen. Nur dann ist Jagd auch der Gesellschaft als Notwendigkeit vermittelbar und es kommt nicht, wie kürzlich geschehen, zu einer Anzeige, weil ein Jäger sein Reh vollkommen gesetzeskonform zwischen zwei Bäumen aufbrach. 

Selbstverständlich sollen die Influencer auch zeigen, dass Jagd Handwerk und auch Passion ist, dass Jagd aber eben auch Töten von Tieren bedeutet. Und das nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil es zwingend notwendig ist.

 

Reviere zu pachten und dafür Verantwortung zu tragen, Revierpächter bei ihrer Aufgabe zu unterstützen, Schalenwildbestände so anzupassen, dass der Wald im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen wachsen kann (Bayerisches Waldgesetz), das sind doch aktuell die  zentralen Themen der Jagd, die Jagd im 21. Jahrhundert noch legitimieren. Das Ausleben einer Passion, partikulares jagdlichen Geschehen zur Selbstdarstellung, jagen ohne eine tiefere Antwort auf das Warum des Jagens wird über kurz oder lang gesellschaftlich nicht mehr vermittelbar sein.

 

Wenn Influencer Reviere verantwortlich bejagen, in denen die Wildbestände angepasst sind, so dass sich der Wald mit all seinen wichtigen Funktionen entwickeln kann, warum stellen sie das nicht dar? Warum hat dieser zentrale Gesichtspunkt keinen Platz in ihren Filmen? Und wenn Influencer in Revieren jagen, in denen zwar waidgerecht gejagt wird, aber der Lebensraum auf der Strecke bleibt, sollten sie dann nicht eher schweigen? 

Egoistische Partikularinteressen und eine gut ankommende Jagdromantik genügen nach unserer Meinung zur Legitimierung der Jagd im 21. Jahrhundert und mitten im Klimawandel nicht mehr.

 

Uwe Köberlein / Wolfgang Kornder