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Loben in den höchsten Tönen oder wie werden wir zum Team auf der Fährte

Achtzehn motivierte Hundeführerinnen und Hundeführer trafen sich Mitte April in Brunnau bei Allersberg, um im Thema Schweißarbeit durch die beiden Schweißhundeführer und Buchautoren, Stefan Mayer und Hubert Kapp von der Schweißhundestation Südschwarzwald angeleitet zu werden. Dabei waren sowohl Neueinsteiger wie auch erfahrene Hundeführer sehr gespannt auf das, was an diesen beiden Tagen auf dem Plan stand. Sie wurden nicht enttäuscht!
Um eine einheitliche Ausgangsposition in der Theorie zu erhalten, startete die Gruppe am Samstag Vormittag erst einmal im Seminarraum.
In einer Vorstellungsrunde schilderte jeder Hundeführer kurz, was er bis jetzt mit seinem Hund machte und wo er eventuelle Probleme oder Schwachstellen sieht. Dazu gehört das Annehmen von Verleitungen durch den Hund genauso wie das zu schnelle Arbeiten der Fährte oder auch ein zu unruhiges Verhalten auf der Fährte. Eigentlich ganz „normale Problemchen“, wie Hubert Kapp dann ergänzte.
Bei einer kurzen, interessanten Vorstellung der Schweißhundestation Südschwarzwald und deren Anfänge, wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr schnell klar, dass es sich bei Stefan Mayer und Hubert Kapp um zwei Vollblut – Schweißhundeführer handelt. So absolvierte die Station rund 3500 Einsätze auf das gesamte Schalenwild – Spektrum in den letzten neun Jahren. Dabei sind vier Nachsuchenführer im Einsatz.
Die seit einigen Jahren in Bayern und Baden – Württemberg eingeführte Brauchbarkeitsprüfung zur Nachsuche auf Schalenwild verleitet leider viele Jäger dazu, sich an Nachsuchen zu wagen, die häufig nicht für diese Hunde machbar sind. Hier forderten die beiden eine realistische Selbsteinschätzung.
Absolute Grundvoraussetzung ist  bei Nachsuchen der wildscharfe Hund, so die beiden Referenten.
Mit der Behauptung, dass jeder Hundeführer verbesserungsfähig ist, starteten sie dann den inhaltlichen Teil ihres Vortrags.
Nach einigen anatomischen Grundlagen und des Herausstellens der gigantischen Nasenleistung von Hunden ging man dann zur Theorie der Fährtenarbeit über.
Beginnend mit einigen grundlegenden Informationen wie die Tatsache, dass Rituale das A und O bei der Fährtenarbeit bedeuten und dass die Leberwurst aus der Tube für viele Hunde das non plus ultra am Fährtenende darstellt, wurde auf die unterschiedlichen geruchlichen Ausprägungen auf der Fährte eingegangen. Gerade die Duftglocke am Anschuss der frischen Fährte stellt eventuell ein Problem dar, genau wie das Phänomen, dass der Hund oft in unmittelbarer Nähe des Stücks dieses nicht findet. Deshalb dürfen gerade auch junge Hunde erst nach drei bis vier Stunden auf die ersten Naturfährten gehen. Die klassischen Totsuchen auf Rehwild, kurz nach dem Schuss, sollten deshalb von erfahreneren Hunden durchgeführt werden.
Kritisch sehen beide auch die Tatsache, dass oft aus Bequemlichkeit der Hund zu früh geschnallt wird. Wichtig ist hierbei nicht nur, dass man beim Schnallen weiß, wo die nächste Straße ist, sondern auch, dass es genau zwei Gründe gibt den Hund zu schnallen: Am letzten, warmen Wundbett und wenn das Wild sichtbar hoch geht.
Im weiteren Verlauf gingen die beiden Referenten nun auf das Thema Anlegen einer Übungsfährte und Einarbeiten eines älteren Hundes ein. Obligatorisch ist der Fährtenschuh, mit dem anfangs eine einfache, gerade Fährte getreten wird, mit dem Wind im Rücken. Eine deutliche Markierung der Fährte spielt dabei eine entscheidende Rolle um sich bei der Arbeit ganz auf den Hund konzentrieren zu können. Dem Hund kann am Anschuss durchaus auch mit einer Geste angeleitet werden. Hubert Kapp sprach dabei von den „ helfenden Händen“. Ist der Hund dann auf der Fährte, soll sofort ein Lob erfolgen. Dieses Lob muss innerhalb von zwei Sekunden kommen, damit der Hund eine Verknüpfung von Leistung und Lob herstellen kann.  Fällt der Hund dann auf der Fährte eine Verleitung an, bleibt der Hundeführer stehen und wartet bis der Hund wieder auf die Fährte zurückkommt. „Wir stehen das aus“, ist dabei die Devise. Weder wird an der Leine geruckt, noch wird der Hund bestraft. Ist der Hund wieder auf der Fährte, wird er gelobt.
Am Stück angekommen, muss der Hund in höchsten Tönen, soll heißen mit hoher Stimme gelobt werden. Erfahrungsgemäß tun sich Frauen dabei leichter. Gleichzeitig soll dem Hund dabei eine überschwängliche Belohnung zuteil werden, eine Belohnung, die es nur am Ende einer Fährte gibt. Das kann ein ganz tolles Leckerchen sein, genauso wie ein Spielzeug oder die klassische Reizangel.  Der Schweißriemen darf dabei am Anfang nur ein bis eineinhalb Meter lang sein, damit seitens des Hundeführers schnell reagiert werden kann.
Nach diesen Grundlagen für die Fährtenarbeit gingen Stefan Mayer und Hubert Kapp auf Hindernisse auf der Fährte ein. Dazu gehört die Witterung genauso wie ein Wechsel des Untergrunds, ein Vegetationswechsel oder auch Verleitungen.
Das Legen von Verleitungen in die Übungsfährte ist dabei nützlich, eine gute Markierung der Fährte und der Verleitung unabdingbare Voraussetzung.
Am Ende des Theorie - Teils standen dann noch Themen wie Kommunikation und die Innere Haltung des Hundeführers auf der Fährte, was dann auch mit einer gewissen Selbstreflexion einher geht.

Nach diesem interessanten, kurzweiligen Theorie - Teil, wurden dann im Staatsjagdrevier Stöckach die  Fährten gearbeitet, die am Vortag von den beiden Referenten gelegt wurden. Hier wurde dann individuell die Arbeit besprochen und die ersten Tipps oder auch Aufgaben für die nächste Fährte am darauffolgenden Tag gegeben. Oft reicht dabei schon eine Kleinigkeit, um merklich besser auf der Fährte zu werden. Am Spätnachmittag war dann Fährtenlegen der Teilnehmer angesagt.
Abends erfolgte dann ein weiterer interessanter Vortrag zum Thema „Ausrüstung“. Die beiden Referenten stellten dabei die wichtigsten Utensilien vor, die man benötigt, wenn es zu einer Nachsuche geht. Auf dem neuesten Stand der Technik gehören dabei natürlich Handy, GPS – Gerät und LED – Taschenlampe dazu.
Am Sonntag Morgen war die Spannung zu spüren: Wie läuft es heute? Sind mein Hund und ich besser oder schlechter als gestern? Kann ich das umsetzen, was man mir gestern sagte?
Am frühen Nachmittag trafen sich dann die beiden Gruppen wieder. Stefan Mayer und Hubert Kapp   gaben dann nochmal eine kurze Einschätzung für jeden Hundeführer ab, ehe die Teilnehmer dann selbst das Wort hatten und ihre Eindrücke und Kritikpunkte äußern konnten. Auch der ÖJV – Bayern Vorsitzende, Dr. Wolfgang Kornder, ließ es sich nicht nehmen, die Gruppe zu besuchen und an der Abschlussbesprechung teilzunehmen.
Motiviert, um viele Eindrücke und Informationen reicher, traten dann am Nachmittag die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Heimreise an.
Für den ÖJV – Bayern ging eine gelungene Veranstaltung vorbei, bei der die Wichtigkeit der Hundearbeit wieder eindrucksvoll demonstriert wurde.
Auch im nächsten Jahr ist wieder eine Veranstaltung des Arbeitskreises Hunde im ÖJV – Bayern geplant, da die Hundearbeit im ÖJV einen sehr hohen Stellenwert besitzt. Der alte Spruch, dass Jagd ohne Hund Schund ist, ist aktueller denn je!

Uwe Köberlein