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Fährtenseminar mit Joachim Borngräber

Am 03.10.2013 hieß der ÖJV-Bayern in Brunnau den renommierten Schweißhundeführer Hans-Joachim Borngräber willkommen.
Nach einer kurzen Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Dr. Wolfgang Kornder begann das Seminar pünktlich um 9:00 Uhr. Den Vormittag gestaltete Herr Borngräber mit einem sehr interessanten, lockeren und kurzweiligen Vortrag über die Schweißarbeit. Nach dem Mittagessen und einem Kurzfilm über die Nachsuche begann der praktische Teil im Gelände. Abschließend kamen alle Teilnehmer noch einmal zusammen, diskutierten das gerade Gesehene und stellten ihre Fragen an den Fachmann. Gegen 17:00 Uhr fand das Seminar ein Ende. Herr Dr. Kornder bedankte sich mit zwei Flaschen fränkischen Wein bei dem sichtlich zufriedenen Referenten.
Die Veranstaltung war für alle Beteiligten sehr lehrreich und fand allgemein sehr positive Resonanz, so dass eine Wiederholung im nächsten Jahr geplant ist.

Zusammenfassung des Vortrags von Herrn Hans-Joachim Borngräber:
Die Konkurrenz nimmt auf dem Gebiet der Schweißarbeit immer mehr zu. Noch vor 30 Jahren galt die Nachsuchenarbeit als „Krone“ der Jagd, heute wohl eher als „Hure“ der Jagd – so der Referent. Diese Inflation hat zur Folge, dass auch die Ahnungslosigkeit immer mehr zunimmt. Hierbei betonte Borngräber, dass meist nicht der Hund, sondern der Führer der Schwachpunkt ist. Die richtige Ausbildung der Hundeführer ist also ein zentraler Punkt der Nachsuchenarbeit. Gut ausgebildete Hunde sind aber ebenso von Nöten, auch deshalb, da aufgrund der starken Infrastruktur ein blitzschnelles Stellen des Wildes unabdinglich ist. Die Ausbildung des Nachsuchenhundes umfasst ungefähr 3 Jahre. Es gilt hier, dass der Hund mit seinen Aufgaben und der Erfahrung wächst. Der Hund hat die Anlage, welche gefördert werden muss. Jedoch liegt es an dem Führer jede Arbeit nachzubereiten, sich also Fehler und den genauen Sachverhalt, wie Datum oder Stehzeit der Fährte, zu notieren um eine Nachverfolgbarkeit auf möglichst lange Zeit zu gewährleisten. An dieser Stelle betonte der Spezialist, dass die Stehzeit nicht etwa zur „Entfaltung“ des Schweißes von Nöten ist, sondern um die Schweißwitterung ebenso wie die Individualwitterung verfliegen zu lassen.

Die herkömmliche Ausbildung von Führer und Hund weist viele Fehler auf. So wird meist schon die Fährte falsch gelegt, ebenso wie der Anschussbruch. Das große Problem liegt darin, dass diese Fährten meist wenig bis nichts mit der Realität zu tun haben. Hinzu kommt noch die Ungeduld des Hundeführers bei der Arbeit mit dem Hund. Wie sollte also die Grundausbildung für Führer und Hund aussehen? Bei der Ausbildung des Führers sind die tragenden Elemente Technik, Kondition, Biss und letztlich die Familie. Techniken müssen erlernt werden und zwar in verschiedenen Mikroklimas (anfangs auf der Wiese/Grünfläche, später Wechsel zu Wiese-Waldrand). Die Kondition, also körperliche Fitness, wie auch der Versuch des „Runterstellens“ auf den Hund im Denken und Handeln sind von großer Bedeutung. Der Biss, mit dem die Arbeit angegangen wird, ist ein wesentlicher Bestandteil, da schon einfache Fährten Hund und Führer sowohl psychisch, als auch physisch an ihre Grenzen bringen können. Der Biss zeigt sich also, wenn bei Muskelkater oder Schmerzen trotzdem weiter gearbeitet und die Fährte nicht schon nach kurzer Zeit abgebrochen wird.

In Bezug auf den Hund ist der Gehorsam das A und O. So ist z.B. das Bögeln unerwünscht, da es v.a. im stark bewachsenen Gelände das Arbeiten für den Hundeführer erschwert. Der Hund soll folglich „gerade“ eingearbeitet werden. Wesentliche Elemente, die die Ausbildung betreffen sind zudem noch Ausschuss, Anschuss, Fährte, Verweisen und Verleiten. Vor allem Aus- und Anschuss bekommen besonderes Gewicht, da der Anschuss meist nicht dort ist, wo er vermutet wird, und der Ausschuss der Ausgangspunkt für die Analyse und Diagnose ist. Vom Ausschuss aus wird also der Anschuss gesucht, an dem der Hund angesetzt wird. Wesentlich ist bei der Ausbildung das Üben, wobei 98% der Übungseinheiten für den Hundeführer zu veranschlagen sind, um das Verhalten seines Hundes kennen zu lernen.

Die Fährtenarbeit gliedert sich in Riemenarbeit, Hetze und Stellen. Bei Hetze und Stellen ist die Kondition des Hundes wichtig. Die Hetze muss dem Hund beigebracht werden, ein systematischer Aufbau ist hierbei wichtig. Der Fangschuss soll dort gegeben werden, wo er möglich ist. Nicht immer steht das Wild breit. Nach einer Hetze ist es anzuraten, am nächsten Tag eine Kaltfährte von 300-400 Meter mit dem Hund zu arbeiten, um ihn wieder runter zu bringen. Bei der Arbeit ist differenziertes Arbeiten sehr wichtig, da oft als nebensächlich  angesehene Sachen elementar sind. Nach Borngräber gilt ein Hund erst dann als Gebrauchshund, wenn er eine Strecke von 5 km ohne Schweiß arbeitet.

Da die Hundenase das wohl wichtigste Organ bei der Nachsuche ist, ging Herr Borngräber darauf gesondert ein. Ein Hund besitzt ca. 200 qcm Riechfläche (Im Vergleich: der Mensch nur 5). Viele Dinge wie die Jahreszeiten oder andere Erschwernisse beeinflussen dieses Organ. So ist der Hund im Frühjahr z.B. am stärksten gefordert, da er sich im Fellwechsel befindet und deshalb haart. Wichtig ist, dass der Hund mit geschlossenem Fang arbeitet. Auch beispielsweise die Kälte bereitet dem Hund Probleme. So ist eine Arbeit unter -3°C nicht mehr möglich, da dem Hund die Nase einfriert und sie somit nicht mehr offen ist. Aufgrund der stärkeren ultravioletten Strahlung ergibt sich für den Winter also ein Zeitfenster von 10 bis 14 Uhr, um mit dem Hund zu arbeiten. Insgesamt gilt, dass bei Witterungsumschwung die Arbeit für ca. 30 Minuten unterbrochen werden soll, in denen der Hund abgelegt wird und er sich somit auf die neuen Bedingungen einstellen kann. Betont wurde außerdem, dass im Frühjahr bis Juli darauf geachtet werden muss, dass kein Gelände, welches mit Spritzmitteln behandelt wurde, gearbeitet wird, da dies für den Hund schädlich, im Ernstfall sogar tödlich, ist.

Beim Legen der Schleppe ist stets darauf zu achten, dass der Schwierigkeitsgrad dem Stand des Hundes angepasst ist. So wird unterschieden in: kurze Futterschleppe „Stehzeit wenige Minuten“, lange Futterschleppe „Stehzeit bis zu 1 Stunde“, Futterschleppen mit leichten Bögen um Hindernisse, Schleppen für den Hund, der schon Fährten arbeitet, Schleppen in jeglichen Gelände in verschiedenen Längen, Schleppen ohne Legerspur mit „Stock oder Angelrute“, Konditionsschleppen „bis zu 5000 m“ bei jedem Wetter – Haken nicht vergessen.
Wichtig ist aber generell, dass der Hund nie auf eine bereits gearbeitete Schleppe gesetzt wird, da dann schon so viel Bodenverwundung vorhanden ist, so dass der Hund diese problemlos macht. Länge und Schwierigkeit der Schleppe sollten immer variiert werden, damit sich der Hund nicht an etwas Bestimmtes gewöhnt und dann das Arbeiten aufhört, sobald etwas davon abweicht.

Für die Fährtenarbeit selbst gilt, dass alle Fährten, Spuren und Geläufe gearbeitet werden können. Dem Hund ist es möglich durch die Individualwitterung z.B. aus einer Rotte das kranke Stück heraus zu finden. Der Schweiß hat für den Hund bei Aufnahme der Arbeit nur Motivationscharakter, er nimmt ihn nach einer gewissen Zeit nicht mehr auf. Was zählt ist die Bodenverwundung, da diese auch noch nach Tagen erhalten ist. Dies muss sich vor allem der Hundeführer immer wieder ins Gedächtnis rufen.

Stationen der Fährtenausbildung sind: 1) Gerade – Bogen – Haken, Beginn: einfache Gerade, 2) Weg, Straße, Suhle, Bach, 3) Wiedergang: offene, geschlossene, Rehwildwidergang; Fährte über Wechsel. Wenn alle Stationen sitzen beginnt das Umgehen, indem  z.B. eine Dickung umgangen und der Hund danach wieder neu ansetzt. Ob der Hund bei der Arbeit noch auf der Fährte ist, wird überprüft durch das Kommando „Halt – lass sehen“, worauf hin der Hund mit dem Fang auf einen Schalenabdruck am Boden zeigen muss.

Letztlich zeigte Borngräber noch die größten Irreführungen von Hundeführern und Jägern auf. So ist die als einfach geltende Rehwildnachsuche die schwerste Arbeit, da die Bodenverwundung viel geringer ist als z.B. bei einem Hirsch, der deutlich mehr Körpergewicht aufweist. Zudem hat das Rehwild ein anderes Fluchtverhalten: es „fliegt“, ein Wiedergang ist möglich und es ist Einzelgänger. So gibt es z.B. beim Muffel als Rudeltier deutlich mehr Witterung, da kranke Stücke im Rudel mitlaufen.

Auch auf das Schwarzwild wurde gesondert eingegangen, da es als wehrhaftes Wild den Hunden die meisten Probleme macht. Der Hund sollte demnach auf Schwarzwild eingearbeitet werden, da er, nachdem er alle Stationen der Fährte durchlaufen hat, alle anderen Fährten von alleine macht. Die Devise ist also von „schwer“ zu „leicht“.

Zum Abschluss wurden noch kurz die Vor- und Nachteile der verschiedenen Fährtentechniken (Tropf-/Spritz-/Tupfverfahren, Einarbeitung auf natürliche Fährte, Jägerlehrhof-Methode (Jagdschloss Springe): Fährtenschuh) erläutert.

Praxisteil im Gelände

Nach der Mittagspause ging es dann an den praktischen Teil des Vortrags. Herr Borngräber legte dazu drei Fährten auf einer nahegelegenen Wiese:
Die erste Fährte  für einen Junghund ohne Fährtenerfahrung, die zweite Fährte für einen schon etwas erfahreneren Hund und die dritte Fährte letztendlich für einen fertig, auf Schweiß durchgearbeiten Hund. Auf kurzen, mit dem Fährtenschuh getretenen Fährten sollten die Hundeführer zeigen, wie sie ihren Hund auf die Fährte ansetzen und diese ausarbeiten. Selbst kleinste Details wurden dabei vom Referenten erkannt und den Teilnehmern nahegebracht und erklärt.
Besonders in sich hatte es die dritte Fährte, die nur mit Schweiß und ohne Fährtenschuh gelegt wurde. Hier wurde auf eindrucksvolle Art und Weise demonstriert, dass sich der Hund überwiegend an der Bodenverwundung und weit weniger am Schweiß orientiert. Das in der Theorie am Vormittag erworbene Wissen wurde hier beeindruckend bestätigt.
Nicht nur für die drei Hundeführer, sondern auch für alle anderen TeilnehmerInnen eine sehr interessante und aufschlussreiche Demonstration dessen, was letztendlich hinter dem Begriff „Schweissarbeit“ steckt. Insgesamt eine gelungene Abrundung des am Vormittag besprochenen Themas.

Rebekka Kornder / Uwe Köberlein