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Fährtenlegen und Fährtenarbeiten mit dem Fährtenschuh

Seminar mit Hans-Joachim Borngräber

Am Wochenende 26./27.April 2014 war es wieder soweit. Der Hundekreis des ÖJV - Bayerns hatte Wildmeister Hans-Joachim Borngräber, den wohl renomiertesten Nachsuchenexperten Deutschlands, nach Brunnau, Mittelfranken, eingeladen.

Aus ganz Bayern kamen 24 HundeführerInnen angereist, um zwei Tage lang in die wichtige Arbeit nach dem Schuss nicht nur theoretisch sondern vor allem auch praktisch eingewiesen zu werden. Um das ganze überschaubar zu halten, nahmen an der praktischen Arbeit nur 14 Gespanne teil.
Nach dem interessanten und lehrreichen Tagesseminar im vergangenen Jahr, sollte nun in einem zweitägigen Seminar das "kleine ABC" der Fährtenarbeit praktisch erarbeitet werden.
Sehr schnell wurde klar, dass in diesen zwei Tagen wirklich nur ein sehr kleiner Teil behandelt werden kann und jeder Hundeführer noch sehr viel Arbeit vor sich hat, um eine vor allem erfolgversprechende und damit tierschutzgerechte Nachsuche durchführen zu können. Ein ganz wichtiger Punkt dabei ist zu erkennen, wo die eigenen Grenzen und die Grenzen des Hundes liegen und ein bestätigter Nachsuchenführer gerufen werden muss.
Zu Beginn des Seminars noch vor 9.00 Uhr stand eine kurzweilige Einführung zum Thema "Fährtenschuh" und dessen Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Aber auch die jagdpolitischen Strömungen der Gegenwart wurden von Hans-Joachim Borngräber nicht außen vor gelassen, sondern, wie auch schon aus dem Seminar im Vorjahr bekannt, mit deutlichen Worten angesprochen.
Borngräber erläuterte die unterschiedlichen Fährten der Schalenwildarten, und verdeutlichte, dass es absolut wichtig ist, dass der Hund auf die Schwarzwild - Fährte eingearbeitet wird, da Schwarzwild bekannterweise das wehrhafteste Schalenwild in unseren Revieren darstellt.
Ein weiterer Schwerpunkt der theoretischen Vorarbeit war auch das Verhältnis des Hundeführers zu seinem Hund. Typisch Schweißhundeführer betonte Borngräber, dass ein inniges und vor allem gewaltfreies Verhältnis unabdingbar für den Aufbau eines guten Gespanns ist. Nie und nimmer darf auf der Fährte mit Gewalt gearbeitet werden! Er wies aber auch darauf hin, dass Gewalt nicht mit Konsequenz in einen Topf zu werfen ist. Letztere ist eine der Grundvoraussetzungen bei der Einarbeitung des Hundes.

Nach einer kurzen Mittagspause, die viele zum Erfahrungsaustausch nutzten, stand der erste Praxisteil auf dem Programm: das Legen einer kurzen Fährte auf einer Wiese mit anschließendem Einbau einer Verleitung durch eine Haarwildschleppe. Das Endergebnis ist das sog. "Verleitkreuz", an dem der Hundeführer erkennen soll, wie sein Hund beim Treffen auf eine Verleitung reagiert. Um dies auch im Nachhinein noch studieren zu können, wurden alle Gespanne mit der Kamera aufgenommen, wobei der aufmerksame Betrachter oft schon beim Zusehen erkennen konnte, wie der einzelne Hund reagiert. Bei dieser Aufgabe profitierten alle TeilnehmerInnen vom jahrzehntelangen Erfahrungsschatz des Referenten. Kleinigkeiten, die schon beim Ablegen an der Fährte beachtet werden sollen, wurden hier genauso thematisiert, wie die Arbeit auf der Fährte. Schwerpunkt bildete dabei aber das Verhalten des Hundes am Verleitkreuz. Eine gerade in der Praxis ungemein wichtige Kenntnis, da sie entscheidend für den positiven Ausgang vieler Nachsuchen ist.
Nach einer ausführlichen Besprechung vor Ort mit den einzelnen Teilnehmern, erfolgte die Vorbereitung des zweiten Seminartages. Eine je nach Einschätzung des Gespannes ca. 50 - 100m lange, geradlinige Übernachtfährte wurde durch die TeilnehmerInnen im Wald gelegt, die dann am Sonntag Morgen gearbeitet werden sollte.
Auch beim Legen von Fährten mit dem Fährtenschuh sind zahlreiche Faktoren zu beachten, darunter beispielsweise die oft übersehne Tatsache, dass an dem sog. "Anschuss" ein deutlicher Fährtenabdruck eingearbeitet werden muss, der dem Hund dann auch gezeigt wird.
Erschöpft, aber mit neuen interessanten Informationen ausgestattet wurde dieser erste Tag dann abgeschlossen.

Der nächste Morgen bescherte den TeilnehmerInnen optimales Nachsuchenwetter. Es hatte in der Nacht geregnet, was die Witterung am Boden noch intensivierte. So gingen alle HundeführerInnen motiviert ans Werk und Hans-Joachim Borngräber stellte auch bei allen eine Verbesserung gegenüber der Arbeit des vergangenen Tages fest. Alle Hunde erreichten das Ende der Fährte. Dort angekommen wurde der Hund abgelegt und mit dem Hundeführer ausführlichst und in aller Klarheit die vorausgegangene Fährtenarbeit besprochen. Genauso stellt man sich ein praxisorientiertes Seminar vor, bei dem durch den Referenten nichts beschönigt wurde, sondern offen Schwächen, Defizite aber auch Positives angesprochen und verdeutlicht wurden.

Gegen Mittag stand dann der letzte Programmpunkt an: Besprechung der aufgezeichneten Fährtenarbeiten am Verleitkreuz und die Abschlussbesprechung.
Hier wurde nochmals die Arbeit am Verleitkreuz analysiert und jedem Hundeführer sehr genau erklärt, was seine nächste Aufgabe mit seinem Hund im Bereich der Fährtenarbeit sein sollte. Am Ende des zweitägigen Seminars zog Hans-Joachim Borngräber dann Bilanz über die beiden abgelaufenen Tage: Er zeigte sich erfreut über die Motivation der TeilnehmerInnen, stellte fest, dass der ÖJV mit seinem Engagement und der Arbeit mit dem Fährtenschuh auf dem richtigen Weg ist.

Im Schlusswort bedankte sich ÖJV-Bayern Vorsitzende Dr. Wolfgang Kornder, der ebenfalls am Kurs teilgenommen hatte, beim Referenten für das interessante, lebendig gehaltene Seminar, das die interessierten HundeführerInnen wieder ein Stück weiter gebracht hat. Er betonte zudem, dass die fachliche Kompetenz von Hans-Joachim Borngräber bei allen TeilnehmerInnen außer Zweifel stand und den Grundstock für die erreichten Fortschritte bildete. Weiter dankte er Andrea Kühne für das Filmen, Uwe Köberlein für die Gesamtorganisation, Hannes Deininger, der die Schwarzwilddecken und -schalen und den Schweiß mitgebracht hatte und bei Peter Marx, der das Schleppwild zur Verfügung stellte.
Der Hundekreis des ÖJV - Bayerns wird auch im nächsten Jahr wieder ein Seminar mit Hans-Joachim Borngräber ins Auge fassen, um so die Arbeit nach dem Schuss als wichtiges Teilgebiet der Jagd entsprechend zu fördern.

Uwe Köberlein / Dr. Wolfgang Kornder

Bilder vom Kurs