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ÖJV-Schießnachweise

Am 23. September, genau rechtzeitig vor Beginn der Drückjagdsaison war es wieder soweit: Im Müller-Schießzentrum Ulm (MSZU) traf sich ein kleines Häufchen ehrgeiziger Jäger, um die Prüfung für die qualifizierten Schießnachweise des ÖJV-Bayern zu bestehen. Von zehn Aspiranten gingen am Nachmittag fünf mit dem Nachweis „Professional“ und vier mit „Medium“ nach Hause.


In sechs verschiedenen Disziplinen, von der langsamen Überläuferrotte im Schießkino, über die Reh-Doublette - stehend freihändig und auf Zeit, bis hin zum weiten Schuss auf 200m hatten sie sich gemessen. Ganz ohne Training wird es schwer, musste mancher feststellen. Aber auch fleißige Kinogänger merkten, dass es sich in der Prüfungssituation anders anfühlt, als beim Üben in geselliger Runde. So soll es aber auch sein:  trägt man doch beim „echten“ Schuss auf lebendes Wild eine hohe Verantwortung und steht auch hier entsprechend unter Spannung. Für viele überraschend, waren es oft weniger die schnellen Filmsequenzen, als vielmehr die Langdistanz, die Schwierigkeiten bereitete. Gerade wenn man so etwas nicht so oft macht, weiß man nicht, wie weit die Kugel auf diese Entfernung fällt und das Reh wird im Zielfernrohr auch verdammt klein…


Warum tut man sich sowas an? Die wenigsten bayerischen Jäger werden wohl bis nach Nordrhein-Westfalen zu Staatsjagden fahren, wo derartige qualifizierte Schießnachweise zwischenzeitlich schon vorgeschrieben sind. Einzelne Forstämter in anderen Bundesländern fordern sie auch schon. Man kann natürlich darüber streiten, ob es nicht schon wieder eine obrigkeitliche Gängelei ist, wenn wir unsere Schießfertigkeiten jedes Jahr unter Beweis stellen müssen. Wenn ich mich allerdings in die Situation eines Jagleiters versetze, kann ich mir lebhaft vorstellen, dass man auf diese Weise manchmal gerne die Spreu vom Weizen trennen und das Niveau der Schützen heben möchte.


Jetzt erhebt der ökologische Jäger ja den Anspruch, dass er besonders verantwortungsvoll auf die Jagd geht. Da gehört ein ordentliches Handwerk einfach dazu. Warum also nicht zeigen, was man trainiert hat? Abgesehen davon macht es einfach enorm Spaß und es ergibt sich  automatisch ein kleiner Wettbewerb unter den Teilnehmern. Selbst wenn es nicht klappen sollte: Für das Nenngeld von 35.- € bekommt man gerade auf der tollen Schießanlage des MSZU jede Menge geboten und kann sehr viel dazulernen. Und wenn es nur die Erkenntnis ist, dass man auch als „Professional“ noch weit davon entfernt ist, in jeder Situation perfekt zu treffen.


Auch im kommenden Jahr werden die qualifizierten Schießnachweise wieder angeboten. Das Reglement wird sich aber ein wenig ändern: Nach der Erfahrung der bisherigen Termine würden eigentlich die meisten Teilnehmer gerne für Professional antreten, haben aber Respekt vor den hohen Anforderungen. Ab sofort gibt es eine Rückfallregelung: Wer in den Prüfungen für den großen Schießnachweis zumindest das Medium-Level geschafft hat, bekommt dieses auch bestätigt. Den Nachweis „Basic“ in der bisherigen Form wird es nicht mehr geben, weil er ohnehin nirgends als Qualifikation anerkannt ist. Einen normalen Trainingsstempel als Nachweis bekommt außerdem jeder, der an der Prüfung teilgenommen hat, unabhängig vom Bestehen.


Heinrich Höllerl