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Präzisions-/Weitschuss-Seminar April 2019 - oder: trau keinem Ballistikprogramm

Bericht mit Gewinnspiel

Ballistikprogramme sind Fluch und Segen für Longrangeschützen zugleich. Damit kann man sich unter anderem die Flugbahn eines Geschosses mit einer bestimmten Ladung berechnen lassen. Das Programm zeigt die ballistische Kurve und nennt Trefferpunkte auf verschiedene Entfernungen, aber eben nur theoretische Werte. Deshalb darf sich kein Jäger blind auf ein Ballistikprogramm verlassen, sondern man muss die Werte immer mit dem eigenen Gewehr und der eigenen Jagdmunition überprüfen!
Dies bleut Schießtrainer Alexander Breyer den Teilnehmern bei jedem seiner Präzisionsseminare ein. Breyer weiß wovon er redet. Der versierte Schütze bildet nach seiner Instruktortätigkeit bei der Bundeswehr seit 3 Jahren ÖJV-Jäger in Baden-Württemberg und Bayern im Präzisions- bzw. Long-Range-Schießen aus.
Wie stark die Theorie des Ballistikprogramms und die Realität auf der Trefferscheibe voneinander abweichen, konnten die Teilnehmer des letzten Präzisionsseminars vom ÖJV Bayern im April selbst erleben. An dem Tag gab es im MSZU einen sehr guten Schützen mit einer beeindruckenden 5-Schussgruppe von 1,3 cm auf 100 m. Mittels eines Ballistikprogramms ließ der Teilnehmer die  Geschoss-Flugkurve und somit die Zielfernrohr-Verstell-Klicks zur Kompensation auf 300 m ausrechnen. Trainer Breyer hatte eine bestimmte Vermutung, ließ den Schützen aber dennoch mit der errechneten Verstellung schießen. Nun trat genau das ein, was der Trainer  angenommen hatte: die Schussgruppe war zwar weiterhin sehr eng beieinander (5 cm auf 300 m), was für die Qualität des Schützen spricht, aber 15 cm zu hoch! Bei der Jagd hätte der Schütze - im günstigsten Falle  - „nur“ daneben beziehungsweise über das Tier geschossen. Dieses reale Beispiel beeindruckte alle Schüler.
Ursprünglich war das Seminar über zwei Tage ausgelegt. Auf Wunsch der meisten Teilnehmer und der ÖJV-Landesverbände wurde es auf einen überlangen Tag mit 12 Stunden gekürzt und verdichtet. 12 Stunden hören sich nach sehr viel Stress an. Daher wurden bei Seminaren die Teilnehmer beim Feedbackbogen auch befragt, wie stressig sie die 12 Stunden empfunden hatten. Alle Teilnehmer gaben einen mittleren Stresslevel an: es war zwar stressig, aber gut auszuhalten. Gerade der unkonventionelle und raue Ausbildungston des Trainers wurde von den meisten Teilnehmern geschätzt, was sich in den Beurteilungen widerspiegelt. Ein Teilnehmer gab an, dass er am Anfang etwas erschrocken über die Art des Dozenten war, die „ich so nur aus Militärfilmen kannte“. Er verstand aber relativ schnell, dass diese raue Art genau richtig war, um 12 Stunden am Stück konzentriert mitarbeiten zu können. Der Trainer Breyer vermeidet lange Monologe, sondern bindet die Schüler wann immer es geht aktiv ein. So stellt er Probleme der Präzision dar und befragt die Teilnehmer wie sie damit umgehen beziehungsweise umgehen würden. Breyer weiter: „Ich stelle keine Dogmen auf zum Beispiel wie weit vorn am Schaft die Waffe aufzuliegen hat – aber es gibt Naturgesetze aus Biologie und Physik die unveränderbar sind. Also zeige ich den Leuten die Folgen von <<Auflage weit vorn oder weit hinten>>.“
Die Teilnehmer bringen immer sehr unterschiedliche Vorkenntnisse für den Komplex Schießen mit. So reicht das Niveau vom wissbegierigen Jäger mit rudimentärem Präzisionswissen bis hin zum Wiederlader-Spezialisten, der alle seine Ladungen inklusive Ballistik auswendig im Kopf hat. Doch alle werden dort abgeholt, wo sie sind: für die erste Gruppe gibt es Ballistik-Basiswissen, das jeder Präzisionsschütze wissen sollte. Und damit es den Spezialisten nicht langweilig wird, wird die Ballistik stetig gesteigert, sodass es dann auch den Spezialisten gerecht wird.
Ein weiterer Punkt der großen Anklang findet ist die Tatsache, dass das Seminar nicht nur auf das präzise Schießen unter „Laborbedingungen“ - sprich Schießstand - ausgelegt ist. Im Seminar wird mit vielen Tipps und Bildern gezeigt, wie jeder Jäger seine Hochsitze verbessern und überarbeiten kann, damit er von dort aus einen präzisen und / oder weiten Schuss abgeben kann.
Auch an einem überlangen Tag kann man aus einem Anfänger keinen trainierten  Präzisionsschützen machen. Doch oftmals sind es Kleinigkeiten, die bei der Präzision ausschlaggebend sind und die jeder gleich umsetzen kann. So konnte der Streukreis eines Teilnehmers durch eine kleine, aber wichtige Korrektur seiner Sitzhaltung enorm verbessert werden. Zudem erhält jeder Schütze einen Skript, mit dem er zu Hause weiter an sich und seiner Waffe arbeiten kann.
Was unterscheidet das ÖJV Bayern Präzisionsseminar von anderen Präzisionsseminaren? Meist umfasst der Theorieteil bei anderen Seminaren nur 2-3 Stunden, hat also deutlich weniger Inhalt. Dort wird mehr geschossen, die Vermittlung von theoretischem Basiswissen ist aber geringer. Beim ÖJV Präzisionsseminar gibt es ein fundiertes Präzisionswissen, welches in dieser Form und zu diesem Preis nirgends anders angeboten wird.
Sehr viele Teilnehmer bedauern die kurze Zeit auf dem Schießstand. Der Arbeitskreis Schießwesen im ÖJV Bayern und Trainer Breyer arbeiten derzeit an einem Konzept für einen zweiten Seminartag, bei dem der scharfe Schuss auf 100, 200 und 300 Meter im Vordergrund steht.
Seit April 2019 wird dies Präzisionsseminar exklusiv vom ÖJV Bayern angeboten, teilnahmeberechtigt sind indes Vereinsmitglieder aus allen Ländern: so waren beim letzten Präzisionsseminar auch ÖJV-Mitglieder aus Baden-Württemberg, Bremen und sogar aus der Schweiz dabei. Wenn Mitglieder aus anderen Ländern Interesse haben, dann sollten sie den Newsletter des ÖJV Bayern abonnieren und werden so zeitnah über die nächsten Termine informiert.
AKS / AB

Für den bayrischen ÖJV, dessen Arbeitskreis Schießwesen und den Trainer ist der Tierschutz ein sehr hoher Wert, der über einen präzisen Schuss mit einem schnellen Tod des Beutetiers realisiert werden soll. Daher rührt unter anderem der sehr günstige Seminarpreis von 100 Euro für ÖJV Mitglieder.

Im Bild zwei ist ein Schützenfehler enthalten. Wer ihn als erstes findet und an breyer@oejv.de sendet, hat Platz auf dem nächsten Präzisionsseminar garantiert. Sieger und Auflösung im nächsten Heft der ÖkoJagd.