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Bericht Waffenvertiefung 22.06.19

Annie get your gun!

Erstmal nur für Jägerinnen hielt der Arbeitskreis Schießwesen in Oberbayern das erste Trainingsseminar „Waffenvertiefungskurs für Jungjäger“ ab.


Wer Spaß an einer Tätigkeit hat, macht diese gerne und auch gerne öfter. Je öfter man dies dann tut, um so besser wird man: Übung macht den Meister. Und weil wir bei unserem Tun Tiere töten, sollte jeder Schuss präzise sein und so schnell wie möglich töten.
Bei Jagdschülern kommt eine kleinschrittige und grundlegende Schießausbildung mitunter zu kurz. Manchen Leuten passen die Leihwaffen nicht richtig, was blaue Flecken oder schlimmstenfalls einen Schlag mit dem Zielfernrohr auf die Stirn zur Folge haben kann, der Schütze verbindet den Schuss mit Schmerz – und hat keinen Spaß an der Sache. Kauft der Jungjäger dann mit dem ersten Jagdschein ein Gewehr ohne fachgerechte Beratung kann der Schaft zu lang oder zu kurz sein, was negative Auswirkungen auf die Präzision haben kann – ein schlechtes Schussbild, was wieder keinen Spaß macht.

Daher entwickelte der Arbeitskreis Schießwesen im ÖJV Bayern eine neue Fortbildung. Unter der Federführung des ersten Sprechers, Torsten Pflittner, wurde unter dem Motto „Schießen macht Spaß“ ein Trainingstag erarbeitet. Als Zielgruppe wurden Leute definiert, die entweder kürzlich den Jagdschein abgelegt haben oder solche, die ihr Wissen um den Gebrauch der Büchse auffrischen und vertiefen wollen.
Weil immer mehr Frauen den Jagdschein erwerben, diese aber bei ihren Schießstandbesuchen oft unerbetenen, teils auch wichtigtuerischen Kommentaren und Ratschlägen von Männern ausgesetzt sind und so wenig Spaß am Schießstandbesuch haben, wurde das erste Seminar explizit nur für Jägerinnen ausgeschrieben.

Dieser Kurs fand am 20. Juli mit zwei Jungjägerinnen und einer erfahrenen Jägerin in Oberbayern statt. Beim ersten Seminarteil dominierte die Theorie, die aber immer wieder durch praktische Waffenhandhabung aufgelockert wurde: die Teile einer Waffe, ein immer sicherer Umgang, der korrekte Anschlag im Sitzen und Stehen, der Aufbau einer Patrone und das Zusammenspiel aller Komponenten bei der Schussabgabe waren die ersten Kapitel. Der Praxisschwerpunkt vormittags lag beim Laden der Büchse und einem entschlossenen, zügigen Repetiervorgang, und wurde mit Exerzierpatronen erst langsam, dann immer schneller geübt, wobei Oliver Neumeier vom Arbeitskreis Schießwesen als Co-Trainer den Schülerinnen gute Tipps geben konnte.

Über leere und dann scharfe Schüsse mit einem Kleinkaliber wurde richtiges Atmen und kontrolliertes Abziehen realisiert. Weil unterschiedliche Munitionssorten verwendet wurden, sahen die Schülerinnen konkret, dass dies verschiedene Treffpunktlagen zur Folge hat und dass wirklich bei jedem Kauf von neuer Munition das eigene Gewehr damit zur Probe geschossen werden muss. Hilfreich waren auch Videoaufnahmen der Schussabgaben, da so jedes Augenflackern festgehalten, der Schützin gezeigt und daran gearbeitet werden konnte.
Die weiteren Theoriekapitel drehten sich um Verstellen des Zielfernrohrs, den  Schalldämpfer, Zubehör wie Putzzeug und Schaftbackenerhöhung und schließlich die Überprüfung der (eigenen) Waffe auf Passung zum Körper des Schützen.

Die anschließende Fahrt ins Aimcenter am Irschenberg war für alle eine willkommene Pause. Im dortigen Schießkino gaben die Jägerinnen erst sitzend gezielte Schüsse auf ein stehendes Ziel ab und der Trainer prüfte, ob das morgens gelernte nun auch mit der eigenen Jagdbüchse weiter angewendet wurde. Eine Jägerin, die vormittags noch die Streuung ihrer Büchse beklagt hatte, erzielte einen guten Streukreis und das Erfolgserlebnis brachte ihr Selbstvertrauen zurück. Mehrere Durchgänge stehend Schießen auf Wildschweinfilme übten den bewegten Schuss und beschlossen den Seminartag. Alle Teilnehmerinnen erhielten den von Jagdveranstaltern geforderten „Schießnachweis für die Teilnahme an Bewegungsjagden“ und stimmten mit dem Trainer überein: ja, Schießen macht Spaß!

 

AK Schießwesen

Das nächste Seminar am 22.07.2019 ist ausgebucht.  Weitere Termine in anderen Regionen sind für 2019/20 in Planung und werden per Newsletter und die ÖJV-Bayern Homepage veröffentlicht.