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ÖJV-Seminar Schalldämpfer und ihr Gebrauch bei der Jagd am 11. April in Schweinfurt

Schalldämpfer und ihr Gebrauch bei der Jagd. Ein Thema, zu dem der ÖJV Bayern im April ein eintägiges Seminar bei Waffen-Albert in Schweinfurt organisierte und das offenbar viele Jägerinnen und Jäger interessierte. Rund dreißig Personen nahmen daran teil. 

Den Vortrag zum Thema hielt Andreas Schmitt, Leiter des hessischen Forstamts Frankenberg. Andreas Schmitt kam aufgrund eigener leidvoller Erfahrung zum Thema, der Verwendung von Schalldämpfern an seinen Jagdwaffen. Jagdwaffen sind bei der Schussabgabe sehr laut, ohne Gehörschutz kommt es  zu einer irreparablen Schädigung des Ohrs, mit Tinnitus und Schwerhörigkeit als typische Folgeerscheinungen. Mittlerweile sind alle jagenden Mitarbeiter im Forstamt Frankenberg mit Schalldämpfer ausgestattet. Für die dienstliche Ausübung der Jagd ist der Schalldämpfer im  Forstamt Frankenberg sogar vorgeschrieben. Damit trägt das Forstamt den Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes und der Lärmvibrations-Arbeitsschutzverordnung Rechnung.


Wichtig in den gesetzlichen Vorgaben ist, dass dem gesundheitsschädlichen Schall am Ort der Entstehung begegnet werden muss. Der laute Knall entsteht durch die plötzliche Entspannung der Treibladungsgase an der Gewehrmündung und den Geschossknall, verursacht durch die Kugel, die mit Überschallgeschwindigkeit fliegt und dabei die Schallmauer durchbricht. Der Schalldämpfer dämpft nur den Mündungsknall, dies reicht aber regelmäßig aus um den Schalldruck am Ohr des Schützens unterhalb der Risikoschwelle zu drücken.  Eine Motorsäge erreicht Schallwerte von 115 Dezibel. Ein Jagdgewehr liegt mit mehr als 150 Dezibel deutlich über dem "Hearing Damage Risc Level" von 140 Dezibel. „Der Kapselgehörschutz, der von vielen Jägern benutzt wird, ist kein ausreichender Schutz!“ sagt Andreas Schmitt: „Der schafft im Durchschnitt eine Minderung von 15 Dezibel.“ Damit liege bei der Schussabgabe die Belastung für das Ohr oft immer noch über den gesundheitsschädlichen 140 Dezibel. Das Problem drohender Schwerhörigkeit gilt nicht nur für Jäger und Mitjäger, sondern auch für Jagdhunde. „Gehörschutz für Hunde? Bei Drückjagden schwer vorstellbar!“, so Andreas Schmitt.

Immer noch sei die Verwendung von Schalldämpfern mit starken Vorurteilen belegt, sagte Andreas Schmitt: Viele denken dabei an James-Bond- oder Tatort-Filme. Und Genehmigungsbehörden argumentierten oft mit kriminalpolizeilichen Gründen gegen die Genehmigung von Schalldämpfern. Eine Begründung, die nicht die tatsächliche Situation widerspiegelt. Hier sei Aufklärung und ein Blick in andere europäische Länder notwendig. So ist die Verwendung von Schalldämpfern bei der Jagd in Finnland oder Norwegen prinzipiell erlaubt, in Schweden muss eine Genehmigung eingeholt werden, die in der Regel erteilt wird, wenn für die Verwendung gesundheitliche Gründe angeführt werden. In England muss ebenfalls eine Erlaubnis eingeholt werden. Auch hier ist der Gehörschutz des Schützen eine ausreichende Begründung (" good reason"). Im Nachbarland Frankreich ist die Verwendung von Schalldämpfern erlaubt, während in Österreich ein Verbot im Waffengesetzt geregelt ist und in Italien Schalldämpfer sogar zu „Kriegswaffen“ zählen und damit  verboten sind.

Die rechtliche Situation ist in Deutschland kompliziert: Laut Waffengesetz sind Schalldämpfer rechtlich der Waffe gleichgestellt, für die der Schalldämpfer bestimmt ist. Die Verwaltungsvorschrift zum Waffengesetz sieht den Gebrauch von Schalldämpfern nur in Ausnahmefällen vor. Das Bundesjagdgesetz beinhaltet kein Verbot von Schalldämpfern für Jagdwaffen, in den einzelnen Landesjagdgesetzen finden sich jedoch unterschiedliche Regelungen bis hin zum Verbot.  Dem gegenüber stehen die Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes und der EG-Richtlinie 10/2003 sowie der Arbeitsschutzverordnung zu Lärm und Vibrationen. Gleichwohl: In ungefähr der Hälfte der Bundesländer ist der Gebrauch von Schalldämpfern verboten, unter anderem in Bayern. Es gibt jedoch Ausnahmeregelungen für einzelne Fälle, bei Berufsjägern und der Bejagung von Gatterwild.

Andreas Schmitt sieht angesichts der Vorteile beim Gebrauch von Schalldämpfern den Widerstand von Gesetzgeber und Genehmigungsbehörden kritisch: Schalldämpfer vermindern den Rückstoß und reduzieren das Mündungsfeuer, ohne die Geschossenergie zu reduzieren. Die Schusspräzision wird nicht beeinträchtigt, kann sich sogar verbessern, weil sich aufgrund der Reduktion von Knall und Rückstoß das Schützenverhalten verändert. Der entscheidende Vorteil aber ist: Das Gehör von Schützen und Hunden wird wirksam geschützt, die Umwelt von Lärm entlastet.

Die Nachteile: Der Schalldämpfer macht die Waffe länger, was Probleme bei der Einzeljagd in der Kanzel verursachen kann. Die Waffe wird für die Nachsuche arg sperrig. Das Zielen über die offene Visierung wird erschwert und bei kurzen Waffen muss der Riemenbügel am Gewehrlauf zurückgesetzt werden, um Platz für das Gewinde und den Schalldämpfer zu schaffen, gerade bei Schalldämpfern, die teilweise den Gewehrlauf mit einem Führungsteil umschließen. Die Waffe muss beim Gebrauch eines Schalldämpfers neu eingeschossen werden, da sich der Haltepunkt nach unten verschieben kann. Der Schalldämpfer kann bei halbautomatischen Waffen zu Ladehemmungen führen und nach Gebrauch sollte der Schalldämpfer abmontiert werden, um Rost am Gewinde oder Lauf zu vermeiden.

Nach dem Vortrag und dem Beantworten von Fragen ging es zur praktischen Vorführung in den Schießkeller von Waffen-Albert, nach einer kurzen Mittagspause dann hinaus ins Jagdrevier von Anton Albert, um den Gebrauch des Schalldämpfers in der Natur zu erleben. Die deutliche Knallminderung bei den gängigen Jagdkalibern .30-06 Springfield und .308 Winchester überzeugte. Andreas Schmitt und Anton Albert sind von den Vorteilen der Jagd mit Schalldämpfer überzeugt. Doch bis wir in Bayern eine Regelungspraxis wie in den skandinavischen Ländern haben, ist es noch ein weiter Weg. „Es geht um das Bohren dicker Bretter!“, meinte zum Abschluss Dr. Wolfgang Kornder, 1. Vorsitzender des ÖJV Bayern. Dr. Kornder bedankte sich bei den Organisatoren des Seminars. Sein Schlusswort: „Unser Jagdverein stellt sich diesem innovativen Thema, wir bleiben dran!“

Wolfgang Weiß
26.04.2015

Behauptungen zum Thema Schalldämpfer
Behauptungen zum Thema Schalldämpfer - 1
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Hinweise zur Beantragung
Anträge für Schalldämpfer_Reihe-überarbe
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