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Rebhuhnsymposium (Lehrberg, den 11.07.2015)

Möglichkeiten zur Förderung unserer Rebhuhnpopulationen aus der Sicht der Wildlebensraumberatung

Wildlebensraumberatung in Mittelfranken:
Nicole Stubenhöfer ist Wildlebensraumberaterin am Fachzentrum für Agrarökologie am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Uffenheim und seit Februar 2015 Ansprechpartner für Landwirte, Jäger und Jagdgenossen.
Ihre Aufgabe ist es, Lebensräume für Wildtiere in unserer Kulturlandschaft zu verbessern und zusammen mit den Beteiligten praktikable Lösungen zu finden.
Als Wildlebensraumberaterin wird sie insbesondere auf Landwirte, Jäger und Jagdgenossen zugehen und diese über die Umsetzung von wildtierfreundlichen Maßnahmen informieren und beraten. Lebensräume für Rebhuhn, Feldhase und Co. sind aufgrund der Flächennutzung oft beschnitten, eingeengt oder teilweise verloren gegangen. Die kritischen Faktoren für das Vorkommen von Wildtieren in der Agrarlandschaft sind heute vor allem Nahrung und sichere Rückzugsorte. Das Rebhuhn als „Leitart“ der offenen und halboffenen Agrarlandschaft ist eine besonders geeignete Indikatorart, um das Vorhandensein und die Qualität landwirtschaftlicher Strukturen zu ermitteln. Von einer strukturreichen Landschaft profitieren verschiedenste Arten.


Hintergründe und Motivation:
Die Zeit in dieser Richtung tätig zu werden ist mehr als reif. So hat sich zum Beispiel der Bestand von Agrarvögeln in den letzten 20 Jahren insgesamt in etwa halbiert (Dachverband Deutscher Avifaunisten, DDA). Über 35 % aller Vogelarten, welche die offene, landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft zur Rast und Nahrungssuche aufsuchen, befinden sich auf der Roten Liste wandernder Vogelarten. Besonders drastisch sei der Einbruch bei den Rebhühnern. Deren Bestand habe sich laut DDA bundesweit seit Anfang der 90er Jahre um 90 % verringert.


Mögliche Ursachen:
Lebensraumrückgang und Strukturwandel, durch vermehrte Flächeninanspruchnahme durch Siedlungsbau und Verkehrsinfrastruktur, die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung (schneller Umbruch und Turnus, Pestizideinsatz, Flächenzusammenlegungen…) und der Freizeitdruck zählen gewiss zu den Hauptursachen für den Rückgang.


Die Verbreitungsschwerpunkte des Rebhuhns liegen einerseits in Nordbayern und andererseits im Donauraum und südlich davon im Niederbayerischen Hügelland, den Isar-Inn-Schotterplatten und der Lech-Wertach-Ebene. Im Alpenvorland, etwa ab 500 m ü.NN und in den Alpen gibt es keinerlei Vorkommen. Der Bestand in Bayern hat sich laut DDA von 1980 bis 2005 um ca. 40 % verringert. Dass besonders im nördlichen Teil Bayerns noch Populationen zu finden sind, trägt uns, in Mittelfranken eine besondere Verantwortung für den Bestand insgesamt zu! Besonders Gebiete wie das Nürnberger Knoblauchsland, werden noch dicht besiedelt. Nicht nur trotz, sondern gerade wegen der intensiv betriebenen Sonderkulturen – deren Flächen sind in der Regel noch sehr kleinparzelliert und weisen u.a. ausreichend Grenzstrukturen für die Hühner auf.
Neben den Brutvogelbeständen bieten die Jagdstrecken der Rebhühner einen Hinweis auf ihr Vorkommen. Aktuell sind diese für jeden Interessierten im Wildtierportal Bayern (www.wildtierportal.bayern.de) graphisch aufbereitet. Hieraus ergibt sich, dass Die durchschnittliche Jagdstrecke (Bayern) von ca. 3800 Vögeln pro Jahr, zwischen 1996 und 2008, ist seit 2005 stark rückläufig. Bejagungsschwerpunkte sind nahezu simultan zum Verbreitungsschwerpunkt in Nordbayern zu finden:

Quelle: http://www.wildtierportal.bayern.de
Quelle: http://www.wildtierportal.bayern.de

Hilfe für das Rebhuhn
Fast 98 % des Offenlandes in Bayern werden landwirtschaftlich genutzt. Davon ca. 2/3 als Ackerland. Hier liegt also auch das größte Potenzial für die Gestaltung von Lebensräumen für Rebhühner und andere Arten. Die Motivation, die die Wildlebensraumberater, wie viele andere, antreibt, ist es also dem Artenschwund in der Agrarflur gemeinsam mit den Bewirtschaftern entgegenzutreten.


Wege zum Ziel: Förderfähige Maßnahmen (v.a. KULAP), Greening-Maßnahmen (ökologische Vorrangflächen), nichtförderfähige Maßnahmen (z.B. extensive Mahdkonzepte, Ackerrandstreifen)


Mit dem Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) steht ein Instrument zur Seite, um hochwertige Lebensräume für unsere Wildtiere in unsere Agrarlandschaft zu integrieren. Zusätzlich zu honorierten Agrarumweltmaßnahmen werden weitere Möglichkeiten der Lebensraumverbesserung vorgestellt und beraten. Förderprogramme setzen Anreize, doch auch ohne sie können Wildlebensräume für das Rebhuhn und andere Arten, unteranderem durch Schwarzbrachen, Herbizidverzicht oder Grenzlinienbildung bzw. Saumstreifen durch Schlagbildung optimiert werden. Entscheidend sind der persönliche Wille aller Beteiligten und eine solide, praxisbezogene Wildlebensraumberatung. Durch gemeinsames Handeln von Landwirten und Jägern lassen sich wertvolle Lebensräume entwickeln. Mit der Wildlebensraumberatung an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) beschreitet Bayern einen neuen, innovativen Weg. Kein anderes Bundesland verfügt über diese staatlich verankerte Beratungsstruktur. Bayern fördert gezielt ein Mehr zur Ökologie in der Kulturlandschaft, kostenfrei für den Empfänger und eingebunden in eine bayernweite Verwaltungsstruktur. Der Raum in der Landschaft wird aufgrund unserer Nutzungsansprüche wie Erholung, Infrastruktur und Landwirtschaft immer enger. Daher ist es das Ziel die Lebensbedingungen für Feldhasen und Rebhühner bis hin zu Bienen und Schmetterlingen zu verbessern.

Uffenheim, den 21.07.2015


Kontakt:
Nicole Stubenhöfer
Rothenburger Str. 34
97215 Uffenheim
Telefon: 09842 / 208 240
E-Mail: nicole.stubenhoefer@aelf-uf.bayern.de