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ÖJV Mittelfranken

Rebhuhn-Symposium

Wildlebensraum Feldflur. Perspektiven für das Niederwild. Betrachtungen und Chancen am Beispiel der Leitart Rebhuhn

Lehrberg 10. Juli 2015

Am 10. Juli 2015 stellt der ÖJV-Mittelfranken ein schwieriges Thema zur Debatte, sind doch die Rückgänge der Vogelarten im Feldbereich besorgniserregend. Spitzenreiter ist das Rebhuhn. Dies war für den ÖJV, allen voran angestoßen durch Hans Webersberger, Anlass genug, sich damit zu beschäftigen. Drei Referenten beleuchteten je aus ihrer Sparte dieses Thema: Der renommierte Göttinger Wissenschaftler Dr. Eckhard Gottschalk berichtete von seinen Forschungen im Göttinger Rebhuhnprojekt, Nicole Stubenhöfer, die seit Februar in für das AELF in Mittelfranken tätige Wildlebensraumberaterin, und Rudolf Groß, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Jagdgenossenschaften im Bezirksverband Mittelfranken des Bayerischen Bauernverbandes, der selbst aktiver Landwirt ist, und Armin Heidingsfelder, Geschäftsführer bei der Fortwirtschaftlichen Vereinigung Mittelfranken und beim Bayerischen Bauernverband. Moderiert wurde der Abend von Uwe Köberlein, stellvertretender Vorsitzender des ÖJV Mittelfranken. Erfreulicherweise waren neben Landwirten und Öko-Jägern auch Dr. Christoph Janko, der Leiter der Wildlebensberatung in Bayern, Dr. Martin Straußberger, der Waldreferent des BN in Bayern, und Markus Bachmann von der LBV-Kreisgruppe Ansbach gekommen. 

Dr. Gottschalk stellte äußerst kompetent und klar das seit 10 Jahren laufende Göttinger Rebhuhn-Projekt vor. Dass die ausgeräumte und hochintensive Landwirtschaft der Hauptgrund für den Artenrückgang ist, sei unbestritten. Hier müsse man ansetzen, um Verbesserungen zu erhalten. Deshalb wird im Verbund mit den Landwirten der Versuch gemacht, z.B. möglichst viele Blühstreifen und andere Strukturen in die ansonsten weitgehend ausgeräumte Feldflur zu bringen. Kernpunkt ist dabei die Lebensraumverbesserung. In einer vielfältigeren Feldflur gibt es mehr Insekten, deren Larven in den ersten Wochen für die jungen Rebhuhnkücken lebensnotwenig sind, dazu  viel mehr Deckung, die Schutz vor Beutegreifern aus der Luft und am Boden bieten, oder mehrjährige Brachbereiche, in denen Rebhühner in der Regel brüten.   Andere Versuche, wie etwa eine stärkere Prädatorenbejagung, Fütterung, Aussetzen etc. treten dahinter eindeutig zurück. Das Projekt wird vom Land Niedersachsen gefördert, um den Landwirten einen Ausgleich zum damit verbundenen Ernteverlust zu bieten.

Genau den letzteren Punkt verfolgen Projekte, die über die Landwirtschaftsämter vor allem mit KuLap oder dem Greening angeboten werden. Über diesen Bereich referierte die Wildlebensraumberaterin Nicole Stubenhöfer übersichtlich und trotz der komplizierten Materie verständlich. Seit 2015 sind die Landwirte über das europäische Greening-Programm verpflichtet, ab einer bestimmten Hofgröße 5% ihrer Flächen als ökologische Vorrangflächen zu bewirtschaften. Dies geschieht durch ein Umwandlungs- und Pflugverbot für wertvolles Dauergrünland, die Förderung beim Zwischenfruchtanbau,  über die Anlage von Hecken bis hin zu Blühflächen. Eine große Variationsbreite ist möglich. Allerdings ist die Wirkung auf Bodenbrüter total unterschiedlich, die z.B. vom Zwischenfruchtanbau oder einem reinen Phaceliaanbau viel  weniger profitieren, als bei mehrjährigen Brachen oder Hecken. Diese unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten werden in einem komplizierten Umrechnungssystem unterschiedlich gewichtet. Aufgrund der unterschiedlichen Gewichtungszahlen und der geforderten genauen Flächengrößen stehen zur Berechnung die Mitarbeiter der Landwirtschaftsämter mit sog. Greening-Rechnern und ihrem Fachwissen zur Seite.

Rudolf Groß und Armin Heidingsfelder vertraten die Landwirte, die das gesamte Thema direkt betrifft. Dass diese mit ihrer großschlägigen und intensiven Bewirtschaftung für den Artenrückgang verantwortlich gemacht werden, ist ja hinlänglich bekannt. Demgegenüber verwies Armin Heidingsfelder auf die kulturhistorische Entwicklung in Deutschland, das bis vor ca. 800 Jahren weitestgehend bewaldet war. Erst im Zuge des Bevölkerungsanstieges wurden die Wälder zunehmend gerodet, extensiv, kleinparzellig und in Dreifelderwirtschaft landwirtschaftlich genutzt. Erst mit dieser grundlegenden Veränderung war es Offenlandarten wie dem Rebhuhn erst möglich überhaupt Fuß zu fassen. Durch Entwicklungen in der Chemie oder der Technik gebe es seit einigen Jahrzehnten einen gravierenden Umbruch in der Landwirtschaft, die sich zudem auf dem Weltmarkt  behaupten muss und in der immer weniger Menschen immer größere Flächen bewirtschaften müssen. Rudolf Groß verwies weiter darauf, dass die heutige Landwirtschaft unter strengen Vorschriften und Vorgaben z.B. hinsichtlich der digitalen Erfassung der Flächen arbeiten müsse, wodurch die Anlage ökologischer Streifen und Kleinparzellen erschwert werde. Rein von der mechanischen Bearbeitung unterscheide sich der ökologische Landbau hier nicht von der klassischen Bewirtschaftung.

Es war jedem im Saal klar, dass zwischen einer ökologischen Gestaltung und einer intensiven Landwirtschaft eine große Diskrepanz liegt. Umso erfreulicher war es, dass die unterschiedlichen Vertreter vernünftig und sachlich miteinander diskutieren konnten. Dass durch die vorgestellten Programme einiges an Verbesserung für die Feldvögel, das Niederwild und die Insektenwelt möglich ist, war ebenso allgemeiner Konsens. Verbesserungen gelingen umso leichter, wenn die Gegenpole aus der Landwirtschaft und dem Naturschutz vernünftig miteinander reden, und das ist in der weit in den Abend hinein andauernden Veranstaltung gelungen. So konnte Dr. Wolfgang Kornder, der Vorsitzende des ÖJV Bayern, den Abend zufrieden abschließen. Miteinander war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung gelungen. 

Dr. Wolfgang Kornder

"Landwirt-schaf(f)t Heimat" - auch für das Rebhuhn?

Wie wird Rebhuhn- bzw. generell Naturschutz aus der Perspektive der Landwirte gesehen?
Kurzzusammenfassung des Vortrages im Rahmen des ÖJV-Rebhuhnsymposiums vom 10.07.2015

Verfasser: Rudolf Groß und Armin Heidingsfelder, BBV Mittelfranken

"Landwirt-schaf(f)t Heimat" - auch für das Rebhuhn?
Kurzzusammenfassung des Vortrages im Rahmen des ÖJV-Rebhuhnsymposiums vom 10.07.2015

Verfasser: Rudolf Groß und Armin Heidingsfelder, BBV Mittelfranken
Zusammenfassung Vortrag Rebhuhnsymposium
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