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Erfahrungen mit der Strukturverbesserung

ÖJV Mfr. auf Exkursion des BN in Rohr

Hans Webersberger und Dr. Wolfgang Kornder nahmen an der Exkursion zur Strukturverbesserung in Rohr teil, um weitere Erfahrungen im Bereich der Feldflur zu sammeln. Die Erwartungen wurden dabei nicht enttäuscht, denn es fand sich eine breite Palette teils sehr seltener Pflanzen und Tierarten, angefangen vom Natternkopf über Rebhühner, denen unser besonderes Interesse galt, bis hin zum Neuntöter.  Auch herkömmliches Wild, wie Hase oder Reh profitieren davon (s. auch Bericht des BN).

Rohrer Blütenäcker: Variationen in Pink!

Der Einladung der Ortsgruppe Rohr des BUND Naturschutz zu einem Abendspaziergang durch Blütenäcker waren viele Naturinteressierte und Fachleute gefolgt. Es wurden auch Fachfragen diskutiert, wie man den bedrohten Tierarten der offenen Feldflur helfen kann und welche Förderung notwendig ist, um mehr Landwirte dafür zu gewinnen. Der Schwerpunkt der Exkursion lag aber darauf, die bunten Blütenteppiche als Augenschmaus zu genießen. So zog die Besucherschar als lange Schlange auf schmalen Pfaden durch die bunten Äcker bei Rohr. Der bequeme Abendspaziergang verlief mitten durch ein hüft- bis mannshohes, prächtiges Blütenmeer, das sich seit über 10 Jahren auf einigen Brachäckern rund um Rohr entwickelt hat. Besonders auffällig sind verschiedene reizvolle Nelkengewächse, wie die pink- bis lilafarbene Heidenelke, Karthäusernelke oder die Rauhe Nelke, eine Rote-Liste Art.

Bunter Mix aus Wild-, Kultur-, Heil- und Färbepflanzen
Ralf Straußberger stellte eine Reihe von teilweise prächtig blühenden Wildblumen vor und erläuterte ihren Nutzen für Mensch und Natur. Viele Kräuter können als Heil- oder Färbepflanzen genutzt werden. So wird aus den Wurzeln der bis zu 2 Meter hohen Wilden Karde ein pflanzliches Präparat gewonnen, das erfolgreich gegen Borreliose eingesetzt wird. Das gelb blühende Johanniskraut wird auch als Heilpflanze angebaut und hilft gegen Unruhe, Depression oder Atemwegs-, Haut- und Nervenerkrankungen. Arten wie Färberkamille (Gelb) oder Färberwaid (Indigoblau) werden seit Jahrhunderten zum Färben von Stoffen verwendet. So wurde im Mittelalter die Erfurter Universität mit Erträgen aus dem verbreiteten Färberwaidanbau finanziert. Labkräuter werden bei der Käseherstellung zur Michgerinnung verwendet und können das Lab aus Kälbermägen ersetzen. Ihre Blüten dienen zu Aromatisierung von Kräuter­limonaden. Besonders sehenswert sind einige reich blühende heimische Nelkenarten, wie die Karthäusernelke oder die gefährdete Rauhe Nelke. Vor allem die Heidenelke bildet an vielen Stellen purpur, pink oder lila leuchtende Blütenteppiche. Die Heidenelke ist typisch für sandige Gebiete, wird aber immer seltener. Deshalb wurde sie 2012 zur Blume des Jahres ausgerufen.

Reich gedeckter Tisch für Insekten und Insektenfresser
In den Blütenäckern können zahlreiche Schmetterlinge, wie der Schachbrettfalter, Wildbienen, Hummeln und andere Insekten beobachten werden: viele Arten schwirren in großer Zahl um die zahlreichen Blüten oder verstecken sich darin. Auffällig sind die vielen Ameisennester in den Blütenäckern. Davon profitieren besonders die Rebhuhnküken, die in den ersten Lebenswochen zwingend auf Ameiseneier als Nahrung angewiesen sind. In diesem Pflanzenmix finden Insektenfresser wie der Neuntöter mit seiner schwarzen Augenmaske einen reich gedeckten Tisch.

Hilft Greening oder KULAP dem bedrohten Rebhuhn?
Diskutiert wurde im Rahmen der Exkursion auch, ob die erst seit 2015 eingeführten Greening-Maßnahmen oder das 2015 neu aufgelegte Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) den immer seltener werdenden Tierarten der offenen Feldflur helfen kann. Die BN-Landwirtschaftsreferentin Marion Ruppaner erläuterte die Hintergründe zum sog. „Greening“, das mit der Agrarreform 2015 eingeführt wurde. Damit wurde festgelegt, dass die Direktzahlungen an die Landwirte an bestimmte Umweltleistungen gebunden sein sollten, so u.a. dass auf 5 % der Fläche ökologische Vorrangflächen geschaffen werden sollen. Durch zahlreiche Ausnahmen wurde jedoch der angestrebte Nutzen für den Schutz der Artenvielfalt stark verwässert. Experten des Artenkreises Biotopschutz Büchenbach in der LBV Kreisgruppe Roth-Schwabach um Bernd Weinhardt bedauerten zudem, dass das KULAP nicht stärker auf die Ansprüche bedrohter Vogelarten der Feldflur wie Rebhuhn, Feldlerche oder Wachtel zugeschnitten ist. Sinnvoll dazu wären Ackerstreifen, auf denen sich nur locker bewachsene Partien mit dichteren Blütenbeständen abwechseln. Auch von Jägerseite gibt es großes Interesse daran, die rückläufigen Bestandstrends der o.g. Feldarten zu stoppen. So betonten Wolfgang Kornder, Landesvorsitzender des Ökologischen Jagdvereins (ÖJV) und Hans Webersberger vom ÖJV Mittelfranken, dass sich der ÖJV verstärkt um Strukturverbesserung in der Agrarlandschaft kümmert. Einig waren sich alle Experten, dass nach Lösungen gesucht werden soll, wie Landwirte und Grundbesitzer dafür gewonnen werden können, mehr Ackerrandstreifen für Rebhuhn und Feldlerche zur Verfügung zu stellen.

Artenvielfalt braucht Beratung, bessere Förderung und faire Preise
„Artenvielfalt am Acker kann neben den Dauerblühflächen durch Vertragsnaturschutzmaßnahmen auf dem Acker oder Umstellung auf den ökologischen Landbau erzielt werden“, so Marion Ruppaner, BN Agrarreferentin. Die Wildlebensraumberater an den Ämtern für Landwirtschaft können Hilfestellungen leisten. Der BN fordert auch, dass die Mittel für den Vertragsnaturschutz erhöht werden. „Landwirte können die Artenvielfalt auch fördern, wenn Sie beispielsweise am Vorgewende auf Pestizide, Halmstabilisatoren und Wachstumsregulatoren und Düngung verzichten. Sie können ihre Feldraine verbreitern und erst Ende August mähen. Ein Herbizid- bzw. Striegel-Verzicht auf einem Streifen im Feld oder am Feldrand oder das Ausheben des Striegels an zwei bis drei Stellen pro Hektar kann sich positiv für seltene Ackerwildkräuter auswirken, wenn Samenpotenzial im Boden vorhanden ist. Eine späte Stoppelbearbeitung (nicht vor Mitte September) hilft gefährdeten Arten, ihre Fruchtreife zu erreichen“, so Ruppaner.
Der BN wirbt auch bei Verbrauchern dafür, dass sie für Lebensmittel aus der heimischen Landwirtschaft den Bauern einen auskömmlichen Preis zahlen. „Wer Billigmilch und Dumpingfleisch aus dem Discounter kauft, braucht sich nicht zu wundern, wenn es keine bunten Wiesen und immer weniger Landwirte in unserer Heimat gibt“, so Straußberger. Aber auch der Staat muss besondere Leistungen der Landwirte zum Schutz der Arten stärker fördern. Wichtig ist es bei der Anlage von Blütenäckern oder auch Blütenstreifen im Garten, dass geeignete Saatgutmischungen von Fachfirmen wie von www.rieger-hofmann.de verwendet werden, damit die Blütenpracht nicht nach 1 Jahr wieder verschwindet. Wildblumenfreunde können diese auch im Garten aussäen. Weitere Tipps gibt es auch beim Netzwerk blühende Landschaft: www.bluehende-landschaft.de, bei dem der BN mitarbeitet.


Dr. Ralf Straußberger

Anbei zwei Artikel von Dr. Gottschalk und Werner Beeke, die das Rebhuhnprojekt i, Lkr. Göttingen betreuen aus dem Jahr 2013. Ein ausführlicher, aktualisierter Bericht wird folgen.

Sonderregelung Rebhuhnstreifen
Artikel von Eckhard Gottschalk und Werner Beeke
aus LandInForm 2013-01
Sonderregelung Rebhuhnstreifen - Dr. Eck
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Das Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen - Blühstreifenmanagement für das Rebhuhn
von Eckhard Gottschalk und Werner Beeke
Das Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Gö
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