Pressemitteilung des ÖJV Bayern

Muffelwild in Bayern - Nur wenn der Lebensraum passt!

Ulsenheim, 27.09.2016

Der Ökologische Jagdverein Bayern macht mit seiner jetzt vorliegenden Broschüre zum Muffelwild auf die Problematik gebietsfremder Tierarten aufmerksam. Der ÖJV ist als ein Bayerischer Jagdverein auf eine wildbiologisch fundierte und gesellschaftlich akzeptierte Jagd ausgerichtet. Mit der aktuellen Broschüre will der ÖJV einen Beitrag zu der Diskussion um die Muffelgebiete im Raum Eichstätt/Ingolstadt und im Unterallgäu leisten.

Muffelwild, das seinen ursprünglichen Lebensraum ausschließlich in Sardinien und Korsika hatte, war fast bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Bayern nur Gatterwild.
Dann wurde es ausgesetzt und in völliger Unkenntnis seiner Biologie wurden sogar
Hegegemeinschaften gegründet. Dies, obwohl laut Bayerischem Landwirtschaftsministerium „nirgends in Bayern auf größerer Fläche Bedingungen vorherrschen, die mit den ursprünglichen Habitaten auf Korsika und Sardinien tatsächlich vergleichbar sind“. Es ist demzufolge unseren Verhältnissen nicht oder nur sehr bedingt angepasst, ganz besonders im Raum Eichstätt/Ingolstadt und Unterallgäu, was immer wieder zu Laufmissbildungen durch die Moderhinke führt und die Tiere zu Krüppeln macht.

 

Totalabschuss aus Tierschutzgründen
Im Wildtierportal Bayern heißt es kurz und bündig: „An die in Bayern vorherrschenden Lebensbedingungen ist das Mufflon allerdings wenig angepasst. So leiden die Tiere auf den bei uns weicheren Böden nicht selten unter schwerwiegenden Erkrankungen der Klauen.“ Schwer kranke Tiere bewegen sich nur noch auf den Knien fort. Dort, wo sich solche Deformationen an den Gliedmaßen zeigen, ist allein schon aus Tierschutzgründen der Totalabschuss vorzunehmen.

Dass die mit dem Muffelwild gegebene „Erweiterung der jagdlichen Palette“ und die damit verbundene „Hege“ solche Zustände akzeptiert und entgegen aller Erkenntnisse weiter aufrecht erhält, zeigt, dass ökologische Erkenntnisse bewusst übersehen und dazu der Tierschutzgedanke total missachtet werden.
Betrachtet man dazu noch die teils erheblichen Verbiss- und Schälschäden, muss der Erhalt des Muffelwildes in manchen Teilen Bayerns aus ökologischen und aus Tierschutzgründen infrage gestellt werden.

„Da die Muffel an die in Bayern vorherrschenden Lebensräume und Lebensbedingungen wenig angepasst sind und zudem schwerwiegende Verbiss- und Schälschäden verursachen können, ist eine jagdliche Regulation der bestehenden Populationen von großer Bedeutung. Neue Bestände dürfen aus eben diesen Gründen nicht aufgebaut werden,“ heißt es im Wildtierportal Bayern unter Jagd und Management.

Einbürgerung durch Aussetzen zur Erweiterung der jagdlichen Palette
Ende des 19. Jahrhunderts begannen Jäger verstärkt, ihnen genehmes Wild auszusetzen, um die Palette der jagdlich nutzbaren Tiere zu erweitern. Das fing bei Fasanen an und hörte beim Muffelwild auf. Selbst der gern von Jägern zitierte Hermann Löns wies bereits vor 1914 auf die Fragwürdigkeit solcher Maßnahmen hin. In seinem Werk „Kraut und Lot“ schreibt er mit spitzer Feder unter der Überschrift „Tinamu & Cie“, einer Böhmischen Firma, die Wild zum Aussetzen lieferte, über dieses unsinnige Auffrischungs- und Aussetzungs-Phänomen.

Das Aussetzen des Muffelwildes auf dem Festland Europas begann wohl 1840 mit Eugen von Savoyen in seinem Wiener Tierpark. Die Ausbreitung dieser „neuen“ Wildart wurde aus ausschließlich jagdlichen Gründen europaweit gefördert, so dass es heute in weiten Teilen Europas Muffelwild gibt.
Interessanterweise verschwindet das Muffelwild dort, wo sich Luchs oder Wolf wieder ansiedeln, ein klarer Hinweis darauf, dass das Muffelwild von seinem Verhalten nicht auf diese Prädatoren eingestellt ist und zumindest auf dem Festland in Europa in felsarmen Regionen nicht heimisch war. So zeigt sich mit der angestiegenen Luchspopulation im Harz ein starker Rückgang des Muffelwildes.

Derzeit wird der Umgang mit Neozoen, die entweder ausgesetzt, aus Farmen entwichen oder einfach zugewandert sind, breit und kontrovers diskutiert. Der Bestand und die Ausbreitung des überwiegend größeren Teiles der Neozoen kann nicht mehr gestoppt oder rückgängig gemacht werden. Paradebeispiele sind hier Bisam oder Waschbär. Im Gegensatz zu diesen sind die Muffelbestände über die Jagd kontrollierbar und können auch vollständig entnommen werden. Nach Meinung des ÖJV Bayern sollte dies dort geschehen, wo sich der Lebensraum für Muffelwild als untauglich erweist und die Tiere krank werden durch z.B. Klauenverwachsungen oder Moderhinke. Dr. Wolfgang Kornder erklärt: „Spätestens wenn der Wolf wieder heimisch wird, was wir begrüßen und akzeptieren, werden die gebietsfremden Muffelbestände auf natürliche Weise verschwinden.“

Broschüre zum Muffelwild
Der ÖJV Bayern hat deshalb eine Broschüre zum Muffelwild herausgegeben, die die derzeitige Situation des Muffelwildes in Bayern sachlich beschreibt. Grundlage ist eine Anfrage von MdL Markus Ganserer an das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und die Antwort vom 11. Juni 2015.

Interviewanfragen an Dr. Kornder werden gerne beantwortet.

Über den ÖJV

Der Ökologische Jagdverein ist ein 1988 gegründeter Jagdverband, der sich der ökologischen Jagd verpflichtet hat. Der ÖJV reformiert aktiv das deutsche Jagdwesen und trägt dazu bei, dass die Jagd auch in Zukunft in der Gesellschaft Akzeptanz findet.
Der ÖJV sieht die Jagd als eine legitime Form der nachhaltigen Naturnutzung an. Die Ökologie soll dabei als wertfreie Wissenschaft Grundlagen für die Jagd liefern, von der Waldbau, Natur-, Arten- und Tierschutz betroffen sind. Aufgabe der Jagd ist es, in der Kulturlandschaft ökologische und unzumutbare ökonomische Schäden zu verhindern und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. Demzufolge muss beispielsweise das Schwarzwild wegen seiner Schäden in der Landwirtschaft oder Schalenwild wie Rehe wegen ihrer Schäden im Wald reguliert werden.

http://www.oejv-bayern.de

Ökologischer Jagdverein Bayern e. V.
Dr. Wolfgang Kornder
1. Vorsitzender
Tel.     09842 951370
Email    kornder@oejv.de    

Ulsenheim 23
91478 Markt Nordheim

Hintergrund- und Info-Material

Muffelwildbroschüre des ÖJV Bayern
Muffelwild in Bayern – nur, wenn der Lebensraum passt!
Mufflonbroschüre_V9.pdf
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Sie fußt auf der Antwort von Staatsminister Brunner vom 11. Juni 2015 auf die Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Markus Ganserer (Grüne) vom 25.2.2015 betreffend „Mufflon in Bayern“ und ist um die jüngsten Ereignisse im Raum Eichstätt ergänzt. Für die dortigen Bestände plädiert der ÖJV Bayern aus Tierschutzgründen für den Totalabschuss. 16 Seiten, DIN A-5, farbig, ISBN: 978-3-932884-23-8

Hermann Löns: Kraut und Lot - Kapitel 21 Tinamu & Cie.
Hermann Löns, Kraut und Lot, Kapitel 21
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Hermann Löns: Kraut und Lot - Kapitel 21 Tinamu & Cie. - Textversion
Hermann Löns Tinamu und Cie aus dem Gutt
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Gedruckt z.B. 1921 im Adolf Sponholtz Verlag, Hannover (31-38. Tausend) erschienen. Digitalisiert im Guttenberg-Projekt
Löns hat das Buch vor dem 1. WK geschrieben, da er 1914 gefallen ist.

Bildmaterial

Muffelwidder 1
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Muffelwidder 2
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Muffel Klauenauswuchs 1
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