Newsletter

Pressemitteilung des ÖJV Bayern

Wildunfälle in Bayern auf sehr hohem Niveau

Absenkung der zu hohen Wildbestände ist unumgänglich

Das Statistische Bundesamt hat am 22.10.2018 die Zahlen der Wildunfälle aus dem Jahr 2017 veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass vergangenes Jahr deutschlandweit 2.551 Wildunfälle mit Personenschaden entstanden sind. Dabei kamen 10 Menschen ums Leben, 606 Menschen wurden schwer und 2.308 Menschen leicht verletzt.
In Bayern gab es laut Bundesamt mit 471 Unfällen mit Personenschaden die meisten derartigen Wildunfälle. Zwei Menschen wurden dabei getötet.

Das sind aber nur die Kollisionen mit Personenschäden. Insgesamt gab es 2017 in Deutschland rund 275.000 Kollisionen mit Wild, das sind pro Tag etwa 750 Wildunfälle.

Damit entstanden Schäden, die die Versicherungen fast 750 Millionen Euro kosteten. So verwundert es nicht, dass in manchen bayerischen Landkreisen die Schadenssumme der Wildunfälle die Höhe der Jagdpacht übersteigt.

Studie beweist: Blaue Wildwarnreflektoren sind wirkungslos

Obwohl man es eigentlich schon immer besser wusste, wurden und werden landauf landab Reflektoren an die Leitpfosten am Straßenrand montiert. Das Fern- oder Abblendlicht eines Kraftfahrzeugs wird durch diese Reflektoren zur Seite, auf die Felder oder in den Wald abgelenkt und soll das Wild davor abhalten, die Straßen im falschen Moment zu überqueren.

Die Universität Göttingen hat in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich eine Studie durchgeführt, die herausfinden sollte, ob diese Methode erfolgreich ist. Ernüchterndes Ergebnis: Die Reflektoren bleiben wirkungslos. „Für das Verhalten der Tiere spielte es keine Rolle, ob sich an den Strecken blaue Wildreflektoren befanden oder nicht.“ sagte der Göttinger Waldökologe Christian Ammer im Interview mit dem Spiegel.

Auch die Versicherer verfolgten die Studie mit großem Interesse, da der wirtschaftliche Schaden letztes Jahr zum Beispiel bei rund 744 Millionen Euro lag! Und sie kommen ebenfalls zum gleichen Ergebnis. Siegfried Brockmann, der Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), bringt es im Spiegelinterview auf den Punkt: „Die Ausgaben für die inzwischen weit verbreiteten Wildwarnreflektoren kann man sich sparen!“

So bestätigt sich, was der Ökologische Jagdverein Bayern (ÖJV) schon immer behauptete: Wildwarnreflektoren sind reines Placebo der klassischen Jagd!
Doch was dann??

Nur ein angepasster Wildbestand kann Wildunfälle verhindern

Die hohen Wildunfallzahlen korrelieren mit den Ergebnissen der Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung (sog. Verbissgutachten). Diese Gutachten haben in den letzten Jahren immer wieder belegt, dass der Verbissdruck in rund der Hälfte der bayerischen Hegegemeinschaften zu hoch oder gar deutlich zu hoch ist. Die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten fordern in den betroffenen Jagdrevieren daher eine Erhöhung der Abschusszahlen für das Schalenwild, weil ein hoher Verbissdruck auf einen Wildbestand schließen lässt, der zu hoch ist.

Die wirkungsvollste Methode, die Unfallwahrscheinlichkeit deutlich zu senken, liegt logischerweise darin, den Wildbestand abzusenken. Vor allem in den Gebieten mit zu hohem und deutlich zu hohem Verbiss muss der Wildbestand auf ein wald- und unfallverträgliches verträgliches Maß reduziert werden.

Wir appellieren deshalb vor allem an die zuständigen Revierpächter: Es liegt mit in ihrer Verantwortung, durch angepasste Wildbestände die allgemeine Sicherheit zu erhöhen und Tierleid zu verringern.

Bei angepassten Wildbeständen profitieren alle, der Mensch, der Wald und das Wild:

  • Für alle Autofahrer sinkt das Risiko in einen Wildunfall verwickelt und ggf. selbst verletzt zu werden.
  • Der Wald kann sich viel besser verjüngen und so im Klimawandel seinen Gemeinwohlfunktionen gerecht werden.
  • Das Wild entgeht schlimmen Verletzungen und dort, wo die Rehwildbestände angepasst sind, sinkt zudem der innerartliche Stress.


So lässt sich zusammenfassen: Die Anzahl der Wildunfälle zeigt, ob die Jagd stimmt!

Wenn ein Wildunfall passiert ist, sollte man überlegt vorgehen:
Der ÖJV Bayern hat dazu einen Flyer entwickelt, der als Handreichung dienen kann. Man kann diesen bei der Geschäftsstelle des ÖJV-Bayern bestellen und unter Wildunfall herunterladen.

gez.
Dr. Wolfgang Kornder
1. Vorsitzender

Quellen:


http://www.spiegel.de/panorama/wildunfaelle-studie-blaue-reflektoren-sind-wirkungslos-a-1234598.html


https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2018/10/PD18_410_46241.html


https://www.versicherungsjournal.de/versicherungen-und-finanzen/kosten-fuer-wildunfaelle-erreichen-neues-rekordhoch-133688.php

Wildunfälle in Bayern auf sehr hohem Niveau
Absenkung der zu hohen Wildbestände ist unumgänglich
PM_Wildunfälle_ÖJV - Endfassung_1.pdf
Adobe Acrobat Dokument 213.3 KB

Über den ÖJV

Der Ökologische Jagdverein ist ein 1988 gegründeter Jagdverband, der sich der ökologischen Jagd verpflichtet hat. Der ÖJV reformiert aktiv das deutsche Jagdwesen und trägt dazu bei, dass die Jagd auch in Zukunft in der Gesellschaft Akzeptanz findet.
Der ÖJV sieht die Jagd als eine legitime Form der nachhaltigen Naturnutzung an. Die Ökologie soll dabei als wertfreie Wissenschaft Grundlagen für die Jagd liefern, von der Waldbau, Natur-, Arten- und Tierschutz betroffen sind. Aufgabe der Jagd ist es, in der Kulturlandschaft ökologische und unzumutbare ökonomische Schäden zu verhindern und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. Demzufolge muss beispielsweise das Schwarzwild wegen seiner Schäden in der Landwirtschaft oder Schalenwild wie Rehe wegen ihrer Schäden im Wald reguliert werden.

http://www.oejv-bayern.de

Ökologischer Jagdverein Bayern e. V.
Dr. Wolfgang Kornder
1. Vorsitzender
Tel.     09842 951370
Email    kornder@oejv.de    

Ulsenheim 23
91478 Markt Nordheim