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Pressemitteilung des Ökologischen Jagdvereins Bayern e.V.

Verendete Rotwildkälber am Königssee - Stimmungsmache und haltlose Vorwürfe des Vereins „Wildes Bayern e.V.“

Dr. Christine Miller diffamiert ausgehend von Fallwild am Königssee die Nationalparkverwaltung Berchtesgaden und den Ökologischen Jagdverein. Ihre Unterstellungen beruhen nicht auf Fakten, sondern sind konstruiert. Fallwild im Winter gehört zu den natürlichen Abläufen und hat eine wichtige Bedeutung im ökologischen Gesamtprozess. Gegenüber den wenigen, durch die Natur bedingten Fällen von Fallwild am Königssee spielen die ca. 50.000 Stück Fallwild in bayerischen Revieren offensichtlich keine Rolle.

In diversen Zeitungen, unter anderen im Münchner Merkur, im Reichenhaller Tagblatt, auf bgland24.de und mittlerweile auch in der Onlineausgabe des Focus hat der Verein „Wildes Bayern e.V.“ die Nationalparkverwaltung des Nationalparks Berchtesgaden scharf angegriffen. Die 1. Vorsitzende des Vereins, Frau Dr. Christine Miller, unterstellt der Nationalparkverwaltung, dass die Rotwildkälber verendet sind, weil die dazugehörigen, führenden Alttiere von sog. „Ökojägern“ erlegt worden seien. In den Zeitungsmeldungen und auf der Homepage des Vereins wirft sie der Verwaltung Vergehen gegen den Elterntierschutz vor.
In der jüngsten Entwicklung weicht sie auf nach ihrer Meinung fehlende Transparenz im Nationalpark aus.

Nationalparkverwaltung mit beispiellosem Wildtiermanagement
Die Nationalparkverwaltung Berchtesgaden hat seit vielen Jahrzehnten ein hervorragendes, modernes Wildtiermanagement mit ausgezeichnetem Personal. Die Verwaltung mit ihren zuständigen Förstern und Berufsjägern legt hier sehr viel Wert auf absolute Transparenz beim Wildtiermanagement, daher werden zum Beispiel die Streckenlisten der letzten Jahre online im Wildtierportal Bayern veröffentlicht. Da die Streckenlisten erst Ende März des jeweiligen Jagdjahres abgeschlossen werden können, ist die letzte Streckenliste April 2018 bis März 2019 noch nicht veröffentlicht. Nachweislich wurden bei der Regulierung des Rotwildbestandes keine führenden Alttiere erlegt!

Fallwild gehört zur Natur
Es ist richtig, dass am Königs- und am Obersee im ausgehenden Frühjahr tatsächlich Rotwildkälber verendet aufgefunden worden sind. Auch verendetes Gamswild wurde gefunden. Das Vorkommen von diesem sogenannten Fallwild im Nationalpark, gerade nach strengen, schneereichen Wintern ist nichts Ungewöhnliches. Dass im Winter einzelne Individuen sterben ist nicht nur völlig natürlich, es ist sogar wichtig: Es dient der Gesunderhaltung der Gesamtpopulation, denn es trifft in erster Linie Tiere in schlechterer körperlicher Verfassung, meist junge und alte. Dieser natürliche Flaschenhals ist damit ein Teil der Evolution. Wie schon Charles Darwin vor 160 Jahren beschrieben hat, überleben in einem Wildtierbestand auch immer nur die stärksten und fittesten Individuen. Dies hat den Effekt, dass auch in Zukunft eine gesunde, flexible und an die jeweiligen Lebensumstände angepasste Population erhalten bleibt.
Fallwild ist zudem wichtig für das Überleben vieler anderer Tierarten. Der Steinadler, aber auch Insektenarten sind im Winter und im Frühjahr bei Nahrungsknappheit auf die wertvollen Proteinquellen angewiesen.

Es verwundert also, wenn ein Verband, der sogar den Begriff „Wildnis“ in seinem Namen trägt, solche grundlegenden Wesenszüge von Wildnis und Natur plötzlich negiert und sich auf die Ebene des Tierschutzgesetzes stellt, dem es um das einzelne Individuum geht. Natur aber hält sich nicht an das Tierschutzgesetz, sondern folgt ihren eigenen Gesetzen. Die Vorsitzende des Vereines „Wildes Bayern e.V.“ konterkariert damit ihr eigenes Programm.

Über 50.000 Stück Fallwild jährlich in Bayern!
Fallwild kommt fast in jedem bayerischen Jagdrevier vor. Im Jagdjahr 2017/ 2018 waren es bayernweit insgesamt über 50.000 Stück Fallwild, überwiegend aus privaten Jagdrevieren (Quelle: Bayer. Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten). Diese Zahl bezieht sich nur auf das abschussplanpflichtige Schalenwild, also Rot-, Gams-, Reh-, Dam-, Sika und Muffelwild. Das Fallwild, z.B. beim Schwarzwild, bei Hasen und Füchsen ist hierbei noch gar nicht mitgerechnet. Zu den 50.000 Stück Fallwild im Jahr beim Schalenwild stehen die wenigen verendeten Tiere im Nationalpark in keinem Verhältnis.
In dieser großen Zahl sind viele durch den Verkehr getötete Tiere enthalten, wo im Gegensatz zum Fallwild durch Naturumstände ein konkreter Mensch ursächlich verantwortlich ist. Müssen diese nun auch mit Diffamierungen rechnen? Renommierte Wildbiologen, wie z.B. Ulrich Wotschikowsky, teilen die diffamierende Sicht der Fallwildfunde am Königssee deshalb ausdrücklich nicht!

Der Lebensraum des Wildes spielt für Frau Dr. Miller offensichtlich keine Rolle
Da in ihren Agitationen der Lebensraum des Wildes, insbesondere der Wald meist keine Rolle spielt, kommt es naturgemäß zu Kontroversen mit Verbänden und Institutionen, die neben dem Wild auch Verantwortung für den Wald tragen. Gerade der Bergwald, der häufig auch einen wirksamen Schutz vor Naturgefahren, wie Steinschlag, Muren oder Lawinen bietet, ist für die Artenvielfalt (nicht nur für Schalenwild) unentbehrlich. Im Bergwald wird der Klimawandel viel stärkere negative Auswirkungen haben, als im Flachland. Daher hat der Schutz dieses einzigartigen Lebensraumes obersten Stellenwert, nicht zuletzt deshalb, dass er den kommenden Generationen erhalten bleibt. Der Konflikt mit ökologisch denkenden Jägern oder den bayerischen Staatsforsten, denen der Lebensraum des Wildes eben nicht egal ist, war damit vorprogrammiert.

Haltlose Vorwürfe und Polemik seitens des Vereins „Wildes Bayern e.V.“
In der Vergangenheit hat Frau Dr. Miller immer wieder versucht, vorrangig gegen Nationalparkverwaltungen und Staatswaldbetriebe in Bayern und anderen Bundesländern mit fragwürdigen Behauptungen vorzugehen. Dabei konnte ihr meist mangelnde Kenntnis an der Sachlage nachgewiesen werden (z.B. bei den Auswirkungen von Verbiss, bei ihrer Kritik am „BioWild-Projekt“, bei Abschüssen von führenden Alttieren in BaWü und bei Vorwürfen gegen die BaySF Oberammergau).
Mit ihren plakativen, emotionalen Schlagzeilen und Unterstellungen bekommt sie ungeachtet dessen immer wieder Beachtung. Aber namhafte Wildbiologen und Jagdexperten und viele Verbände sind schon längst von ihr abgerückt. Es ist offensichtlich, dass die pauschalen Anzeigen in Verbindung mit haltlosen Unterstellungen nur dazu da sind, um Personen und Institutionen, die nicht in ihrem Sinne handeln, öffentlich zu diffamieren.

Die Nationalparkverwaltung hat zu den Vorwürfen eine Stellungnahme verfasst und prüft, ob rechtliche Schritte gegen die Unterstellung einer Straftat von Frau Dr. Miller eingeleitet werden.

Gez.
Dr. Wolfgang Kornder
(Vorsitzender ÖJV Bayern e.V.)

Quellen (in Auszügen):

 

Ökojäger unter Verdacht: Im Nationalpark liegen plötzlich Dutzende verhungerte Kälber (Focus) („Ökojäger“ werden mitbeschuldigt)

 

Verendete Rotwildkälber am Königssee: Stellungnahme der Nationalparkverwaltung zu den Vorwürfen des Vereins „Wildes Bayern e.V.“ (pdf) (Aktualisierte Stellungnahme der Nationalparkverwaltung, die die Darstellung von Dr. Miller überzeugend korrigiert.)

 

Wildbiologin fordert mehr Transparenz: "Nationalpark fehlt die Kontrolle!" (BGLand24) (Thema verschiebt sich hin zur „Transparenz“)


Wildtierportal Bayern (Streckenlisten, derzeit zeitbedingt bis 2017/2018)

Verendete Rotwildkälber am Königssee - Stimmungsmache und haltlose Vorwürfe des Vereins „Wildes Bayern e.V.“
Pressemitteilung des Ökologischen Jagdvereins Bayern e.V.
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Über den ÖJV

Der Ökologische Jagdverein ist ein 1988 gegründeter Jagdverband, der sich der ökologischen Jagd verpflichtet hat. Der ÖJV reformiert aktiv das deutsche Jagdwesen und trägt dazu bei, dass die Jagd auch in Zukunft in der Gesellschaft Akzeptanz findet.
Der ÖJV sieht die Jagd als eine legitime Form der nachhaltigen Naturnutzung an. Die Ökologie soll dabei als wertfreie Wissenschaft Grundlagen für die Jagd liefern, von der Waldbau, Natur-, Arten- und Tierschutz betroffen sind. Aufgabe der Jagd ist es, in der Kulturlandschaft ökologische und unzumutbare ökonomische Schäden zu verhindern und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. Demzufolge muss beispielsweise das Schwarzwild wegen seiner Schäden in der Landwirtschaft oder Schalenwild wie Rehe wegen ihrer Schäden im Wald reguliert werden.

http://www.oejv-bayern.de

Ökologischer Jagdverein Bayern e. V.
Dr. Wolfgang Kornder
1. Vorsitzender
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