Newsletter

Pressemitteilung des Ökologischen Jagdvereins Bayern e.V.

Ohne effektive Jagd hat der Wald keine Chance!

Reduzierung der Schalenwildbestände ist alternativlos!

Bayerischer Jagdverband hat den Ernst der Lage noch nicht verstanden!

Der ÖJV Bayern wendet sich vehement gegen die Stellungnahme des Bayerischen Jagdverbandes (Main- Post, Würzburg, vom 30. Juli 2019: Wald vor Wild: Jäger halten Grünen-Vorschlag für Unsinn).

Jäger des Ökologischen Jagdverbandes (ÖJV) und andere weitsichtige Jäger halten die Vorschläge von MdL Ludwig Hartmann (Grüne) nicht für „Unsinn“. Sie wissen um die Problematik der Pflanzungen und haben verstanden, dass Wildbestände dem Lebensraum anzupassen sind, nicht umgekehrt. Mit dem Forstlichen Gutachten haben wir einen soliden, statistisch abgesicherten Maßstab für den Abschuss. Ökologie gegen Ökonomie auszuspielen ist in der derzeit dramatischen Situation kontraproduktiv. Es liegt in der Verantwortung der Jäger über eine effektive Jagd Entmischung zu verhindern und Naturverjüngung zu ermöglichen. Beides hilft dem Wald der Zukunft!

Pflanzung ist nicht das Allheilmittel. Ziel ist die Naturverjüngung.
Dort, wo die Böden noch feucht genug zum Pflanzen sind, werden die Setzlinge ohne funktionierende Schutzmaßnahmen in weiten Teilen Bayerns keine Chance haben. Schutzmaßnahmen wie z.B. Zäune sind in Gebieten mit Schwarzwild aber nur sehr bedingt funktionsfähig zu halten, da das Schwarzwild diese hochhebt. Das Rehwild kommt hinterher und bedient sich an dem teuren Pflanzgut. Die Einordnung solcher Pflanzmaßnahmen als „ein gigantisches Wildfütterungsprogramm“ ist in vielen Regionen Bayerns bestens belegt, die Verschwendung von Steuergeldern vorprogrammiert. Die vielen „roten“ Hegegemeinschaften Unterfrankens, in denen entgegen den gesetzlichen Vorgaben „Wild vor Wald“ gelebt wird, werden bei gleichbleibender Einstellung gewaltig an dieser Steuergeldverschwendung beteiligt sein. Wenn das angekündigte Pflanzprogramm unseres Ministerpräsidenten Söder Erfolg haben soll, müssen die Reh- und Rotwildbestände angepasst werden. Da führt kein Weg vorbei.

Ein sehr effektiver Weg, überhöhte Schalenwildbestände zu reduzieren, sind selbstverständlich revierübergreifende Drückjagden. Sie beunruhigen das Wild nur kurzfristig und sind bei fachgerechter Durchführung mit geeigneten Hunden hoch effektiv. Ein beliebtes Mittel, solche effektiven Drückjagden einzubremsen, sind die Anzeigen mancher Nachbarjagdpächter wegen überjagender Hunde. Wenn die rehwildzüchtenden Jäger dies sein lassen würden, wäre zumindest denen geholfen, die dem Wald unter die Arme greifen wollen.
Bei angepassten Schalenwildbeständen entwickelt sich kostenlos die Naturverjüngung, deren großer Vorteil es einmal ist, die richtigen Mikrohabitate zu finden. Und sie hat gegenüber jeder Pflanzung zum anderen unverletzte Wurzeln, die sich in dem Boden entwickeln, auf dem der Baum ein Leben lang steht.

Alte Missverständnisse:

  • Der Lebensraum ist der Maßstab für die Schalenwilddichte, nicht umgekehrt
  • Fütterung heizt die Reproduktion an

Die Aussage von BJV-Pressesprecherin Dr. Helm, dass sich im Winter das Rehwild in die Wälder zurückzieht und dort bereits wenige Rehe alles zusammenfressen, ist schlichtweg fatalistisch. Da hätte der Wald in Unterfranken nie eine Chance gehabt. Und dieser Fatalismus erklärt auch nicht, dass es in Unterfranken, sogar im Bereich Kitzingen, durchaus grüne, also wenig verbissene Reviere gibt. Dort wächst sogar die verbissempfindliche Eiche! Dieser Erfolg entsteht durch die Anpassung der Rehwildbestände an seinen Lebensraum. Und genau das gibt unser Jagdgesetz vor!
Die Petitionen der unterfränkischen BJV-Kreisgruppen fordern "einen Paradigmenwechsel für waldarme, vom Klimawandel extrem betroffene Regionen". Im Grunde genommen fordern sie in ihren Argumentationen „Wild vor Wald“ oder besser „Trophäenjagd vor Wald“. Aber darauf kann sich eine Gesellschaft angesichts des bedrohlichen Klimawandels nie einlassen, weil wir den Wald dringender brauchen denn je! Es bleibt nur zu hoffen, dass diese Jäger einen Paradigmenwechsel weg von der scheuklappenbewehrten Trophäenjagd hin zu einer waldstützenden Jagd vollziehen.
Das alte Märchen, dass Fütterung Verbiss verhindert, sollte endlich ad acta gelegt werden. Fütterung hilft mehr und besser konditioniertes Rehwild über den Winter zu bringen. Der Bestand steigt, die Schäden nehmen zu. Deshalb ist die Fütterung auch nur in behördlich festgesetzten Notzeiten erlaubt! – Notzeiten gab es aber in Unterfranken in den letzten Jahrzehnten so gut wie nie!


Trophäenjäger auf Kriegsfuß mit dem Forstlichen Gutachten!  
Dass die Forstlichen Gutachten eine sehr „taugliche Grundlage“ für die Abschussplanung sind, hat erst in jüngster Zeit der Bayerische Verwaltungsgerichtshof unterstrichen. Es geht um angepasste Schalenwildbestände, gerade im derzeit auf den Wald verheerend wirkenden Klimawandel. Niemand will oder verlangt „alles totzuschießen“, das ist dramatisierende populistische Rhetorik. Es wird lediglich die Umsetzung der Abschusspläne gefordert, die nach der Begutachtung der Schadenssituation aufgestellt werden. Hierbei wird eine Anpassung an die Gegebenheiten, bzw. an die Landeskultur gefordert, nicht eine Tierart auszurotten. Dass wir mit 1,1 Millionen erlegten Rehen am Ende der Fahnenstange wären, ist eine totale Fehleinschätzung. Das Wild kann gut mit Joggern oder Spaziergängern leben und passt sich bestens an. Und an diese veränderten Umstände müssten sich auch die Jäger anpassen. Lamentieren und die Schuld auf andere schieben ist keine Anpassung.
Wenn Michael Hein, Vorsitzender der Kreisgruppe Würzburg, so tut, also würde das Forstliche Gutachten stereotyp und starr über alle Wälder übergestülpt, zeigt er nur, dass er das sehr flexibel gehandhabte Forstliche Gutachten nicht verstanden hat. Und man muss auch einmal mit dem irreführenden Märchen aufhören, dass die Abschüsse immer angehoben werden. Angehoben wird der trotz klarer Vorgabe nicht erfüllte Abschuss. Würde man den vorgegebenen Abschuss einfach richtig erfüllen, würde sich das Anheben des nicht erfüllten Abschusses schnell erledigt haben.
Der Erfolg des Forstlichen Gutachtens, den ja viele grüne Hegegemeinschaften belegen, wird durch die penetranten Verweigerer natürlich geschmälert. Trotzdem hat in Bayern der klimastabilisierende Laubholzanteil zugenommen. Und von solchem Erfolg in den grünen Hegegemeinschaften profitiert nicht nur der Wald oder der Waldbesitzer oder die Gesellschaft, sondern gerade das Wild, dessen Lebensraum dadurch deutlich verbessert wird.

Entmischung verhindern!
Dass Verbiss ökonomisch anders zu bewerten ist als ökologisch, mag stimmen. Wenn aber der Verbissdruck wie im Bereich Kitzingen dazu führt, dass die Eiche zunehmend verschwindet, dann ist das vor allem ökologisch ein Desaster, weil damit eine relativ klimatolerante Baumart, die zudem mehrere hundert Insektenarten beherbergt, verschwindet, die Forstwirtschaft redet hier von der Entmischung. Und das so ungeliebte Forstliche Gutachten dokumentiert dies. Dass eine Jägerschaft, der ihre Art zu jagen vor dem Wald geht, nicht gut auf das Forstliche Gutachten zu sprechen ist, ist nachvollziehbar. Aber so zu jagen, dass die ehemals über 50% vorhandene prägende Baumart Eiche zahlreich erhalten bleibt, wäre auf jeden Fall Aufgabe der Jagd.
Dass die Trockenheit, Schädlinge und Krankheiten dem Wald unabhängig vom Schalenwild zusetzen, wie Hein ausführt, stimmt. Aber gerade, weil wir an diesen Punkten kaum etwas ändern können, müssen wir an den Stellschrauben drehen, wo es möglich ist, und da wären wir wieder bei der Herstellung angepasster Schalenwildbestände, die der Eiche und der Esskastanie und vielen anderen Baumarten eine Chance geben. Denn nur ein gemischter Wald kann zur Risikominimierung beitragen. Allerdings besteht ein zukunftsfähiger Mischwald nicht nur aus Kiefer und Buche, sondern es bedarf aller standörtlich möglichen Baumarten – Warum tun sich manche Jäger so schwer damit?


Mit einer waldfreundlichen Jagd Verantwortung wahrnehmen  
Es macht keinen Sinn aus jagdlicher Sicht vor dem Klimawandel zu resignieren. Wir müssen uns darauf einstellen und über unsere Bejagung den enorm unter Druck geratenen Wald stützen. Dazu sind angesichts des dramatisch wirkenden Klimawandels alle Möglichkeiten zu nutzen:

  • übergreifende Drückjagden mit Hunden, die überjagen dürfen, Jagen mit Klettersitzen, Schwerpunktbejagung, Sammelansitze, …
  • Vorverlegung der Rehwildjagdzeit auf den 1. April und Verlängerung der Jagdzeit bis Ende Januar, mehr Flexibilität bei der Übererfüllung des Abschussplanes …
  • Verbot der Winterfütterung etc.
  • Und bevor uns der Wald zusammenbricht und das Schalenwild die Naturverjüngung vernichtet, muss für die Rehwildjagd wie beim Schwarzwild die Nachtjagd erlaubt werden, notfalls auch mit Nachtsichteinrichtungen.

Wir tragen als Jäger Mitverantwortung für den Wald. Diese gilt es ernst zu nehmen. Das sind wir den nachkommenden Generationen schuldig.

Gez.
Dr. Wolfgang Kornder
(Vorsitzender ÖJV Bayern e.V.)

Den Artikel “Wald vor Wild: Jäger halten Grünen-Vorschlag für Unsinn finden Sie hier:
https://www.mainpost.de/

Unseren Kommentar zu den Petitionen der BJV-Kreisgruppen finden Sie hier:
https://www.oejv-bayern.de/

Die Stellungnahmen und die gemeinsame Pressemitteilung mit BN, ANW und Forstverein finden Sie hier:
https://www.oejv-bayern.de/

 

Einen weiteren Artikel als Reaktion auf diese PM in der Mainpost finden Sie hier: Jäger gegen Jäger:"Wir halten Grünen-Vorschlag nicht für Unsinn"

https://www.mainpost.de/

Ohne effektive Jagd hat der Wald keine Chance!
Reduzierung der Schalenwildbestände ist alternativlos!
Bayerischer Jagdverband hat den Ernst der Lage noch nicht verstanden!
Pressemitteilung des ÖJV Bayern
190801_PM des ÖJV Bayern zu Wald vor Wil
Adobe Acrobat Dokument 512.3 KB

Über den ÖJV

Der Ökologische Jagdverein ist ein 1988 gegründeter Jagdverband, der sich der ökologischen Jagd verpflichtet hat. Der ÖJV reformiert aktiv das deutsche Jagdwesen und trägt dazu bei, dass die Jagd auch in Zukunft in der Gesellschaft Akzeptanz findet.
Der ÖJV sieht die Jagd als eine legitime Form der nachhaltigen Naturnutzung an. Die Ökologie soll dabei als wertfreie Wissenschaft Grundlagen für die Jagd liefern, von der Waldbau, Natur-, Arten- und Tierschutz betroffen sind. Aufgabe der Jagd ist es, in der Kulturlandschaft ökologische und unzumutbare ökonomische Schäden zu verhindern und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. Demzufolge muss beispielsweise das Schwarzwild wegen seiner Schäden in der Landwirtschaft oder Schalenwild wie Rehe wegen ihrer Schäden im Wald reguliert werden.

http://www.oejv-bayern.de

Ökologischer Jagdverein Bayern e. V.
Dr. Wolfgang Kornder
1. Vorsitzender
Tel.     09842 951370
Email    kornder@oejv.de    

Ulsenheim 23
91478 Markt Nordheim