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Pressemitteilung des Ökologischen Jagdvereins Bayern e.V.

Wald hat im Waldsterben 2.0 nur bei angepassten Schalenwildbeständen eine Chance!

Wald ist mehr als Kulisse für die Jagd!

  • Der ÖJV steht im Gegensatz zum BJV mit dem Grundsatz „Wald vor Wild“ auf der Grundlage des Bayerischen Jagd- und Waldgesetzes.
  • Umbau, Verjüngung und Artenvielfalt im Wald wird durch überhöhte Schalenwildbestände gefährdet.
  • Ökologischer Sachverstand statt überholter Vereinsideologien


Der ÖJV steht für eine ganzheitliche Sicht der Jagd und lehnt die einseitige Förderung von jagdlich interessanten Schalenwildbeständen auf Kosten des Waldes, wie sie in der Pressemitteilung des Bayerischen Jagdverbandes vom 8. August 2019 vertreten wird, ab!

Der ÖJV unterstützt seit seiner Gründung den Aufbau und Erhalt klimastabiler Wälder einschließlich der darin beheimateten Arten.
Es geht und ging nie um einen Wald ohne Schalenwild, aber es geht um angepasste Schalenwildbestände. Nur so ist die Entwicklung des Lebensraumes Wald mit all seinen Facetten, angefangen bei den Bodenlebewesen bis hin zu den Vögeln und Insekten möglich.
Der ÖJV Bayern befindet sich mit dem Grundsatz „Wald vor Wild“, dem Prof. Dr. Vocke bei der Einführung als MdL auch zugestimmt hatte, eindeutig auf der Grundlage des Bayerischen Rechtssystems.
Die dringend nötige Sicherung des Waldes und der damit alternativlose Waldumbau können nur bei angepassten Schalenwildbeständen erfolgen.

"Wald vor Wild"
Die Formulierung „Wald vor Wild“ wurde 2005 mit Zustimmung des BJV-Vorsitzenden Prof. Dr. Vocke, damals MdL, in das Waldgesetz aufgenommen.
„Wald vor Wild“ heißt und hieß nie „Wald ohne Wild“, setzt aber ökologisch absolut stimmig den Vorrang des Lebensraumes vor einer einzelnen Population. Dort wo das Schalenwild angepasst ist, verbessert sich der Bodenund blühen wesentlich mehr Blütenpflanzen, die für Insekten wichtig sind. Weiter wachsen Bäume wie die Tanne oder Eiche, die zu unseren klimastabilsten Baumarten gehören. „Wald vor Wild“ sichert so ein artenreiches, vielfältiges Ökosystem Wald.
Wie das statistisch abgesicherte, von der Bayerischen Forstverwaltung alle drei Jahre erhobene „Forstliche Gutachten“ 2018 belegt, ist der Verbiss durch Schalenwild in mindestens 47% der Hegegemeinschaften eindeutig zu hoch und behindert damit massiv die Waldentwicklung.

Wildschadensverhütung im Wald richtig anpacken!
Fütterung bedeutet Energieeintrag, der in Reproduktion umgesetzt wird. Das bestätigt ja auch der BJV beim Schwarzwild. Beim Rehwild führt das zu einer besseren Kondition während der Entwicklung der Föten, was einer natürlichen Selektion in den Wintermonaten widerspricht. Es kann nicht Sinn einer Fütterung sein, dass körperlich schwache Stücke durch den Winter gefüttert werden. Wie neueste wissenschaftliche Untersuchungen aus Bayern (PD. Dr. König et al.) belegen, ist die Fütterung von Rehwild nicht nötig. Die Natur kommt mit Engpässen bestens zurecht.
Fütterung ist nach dem Bayerischen Jagdgesetz nur in Notzeiten erlaubt. Solche Notzeiten gab es in Franken in den letzten Jahrzehnten nicht! Trotz der damit rechtswidrigen Fütterung in vielen Revieren ergibt sich erheblicher Verbiss, z.B. in Unterfranken, wo der BJV völlig unsinnige Rehwildhegeprojekte durchsetzen will.

Forstliches Gutachten legt Finger in die Wunde!
In Revieren mit vielen dauerhaft roten Hegegemeinschaften, also solchen mit dauerhaft viel Verbiss wie z. B. in weiten Teilen Unterfrankens, müssten die Jäger endlich einmal anfangen, die Rehwildbestände zu reduzieren und damit dem Lebensraum anzupassen.
Auch die BJV-Behauptung, dass der Verbiss seit Einführung des Forstlichen Gutachtens zurückgegangen sei, ist völlig falsch. Seit Einführung des sog. Verbissgutachtens liegt der untragbare Verbiss bei ca. 50 %. Dort, wo die Jäger ihre Aufgaben gemacht und das Schalenwild angepasst haben, steigt der Anteil der klimastabileren Laubholzarten und der Tanne. Hier hat sich in Bayern auf der Grundlage des Forstlichen Gutachtens wirklich etwas gebessert. Interessant sind die grünen, also die wenig verbissenen Reviere in Unterfranken, die bei gleicher Ausgangslage und ohne Ausrottung des Rehwildes den gesetzlich vorgeschrieben und ökologisch dringend gebotenen Waldumbau ermöglichen.

Das Schalenwild muss dem Lebensraum angepasst werden, nicht umgekehrt
Der BJV propagiert unverdrossen – nicht nur explizit mit den Rehwildhegeprojekten in Unterfranken – den grundfalschen Ansatz von der Anpassung des Lebensraumes an das Schalenwild! Das ist ein Holzweg, denn jede Lebensraumverbesserung beeinflusst die Populationsdichte. Wird diese jagdlich nicht abgeschöpft, kommt es zu den hinlänglich bekannten Lebensraumschädigungen. In Unterfranken, ganz besonders im Raum Kitzingen, zeigt sich dies im zunehmenden Verlust der klimastabilen Hauptbaumart Eiche, was der BJV billigend in Kauf nimmt.

Klimaschutz und Artenvielfalt statt Trophäenjagd
Ministerpräsident Dr. Markus Söder spricht für den Staatswald und fordert für diesen, dass er stabil und artenreich entwickelt und weiterhin genutzt wird. Das ist eine anspruchsvolle ökologische Zielsetzung, die der ÖJV Bayern begrüßt. Die Erhöhung der Artenvielfalt steht und fällt mit dem Schalenwild, das bei zu hohen Beständen z.B. eine ganze Reihe von Blütenpflanzen (Weidenröschen, Hasenlattich) eliminiert oder negative Einflüsse auf die Bodenbiodiversität hat.
„Wald vor Wild“, die Bewirtschaftung des Staatswaldes und insbesondere des Privat- und Kommunalwaldes sind natürlich weiterhin zentrale Grundlagen für die Wälder in Bayern!

Dass „Bäume mit Verbiss (...) kein Problem für den Klimaschutz“ sind, ist ein ökologischer Offenbarungseid, der das völlige Unverständnis des BJV ́s zeigt: Wenn die Verjüngung unserer bislang klimastabilsten Bäume wie der Eiche aufgrund des Wildverbisses wie in Teilen Unterfrankens nicht mehr möglich ist (sog. Entmischung), dann haben wir dem Wald und dem Artenschutz im Wald einen Bärendienst erwiesen. Im Waldsterben 2.0 gibt ihm der BJV damit den Todesstoß!

Fazit

  • Der BJV sollte endlich erkennen, dass der Wald nicht nur Kulisse für die Jagd ist.
  • Das Leitbild einer zukunftsorientierten Jagd ist der Zustand des Waldes.
  • Die Beeinträchtigung unserer Wälder durch zu hohe Schalenwildbestände bis hin zum Verschwinden klimastabiler Baumarten (sog. Entmischung) sollte Ansporn für eine effektive Schalenwildbejagung sein.


Der ÖJV Bayern wird sich weiterhin vehement dafür einsetzen, dass die Jagd nicht zum Stolperstein angesichts der dramatischen Klimawandels wird. Gemeinsam mit Landwirten, Waldbauern, forstlichen Einrichtungen und aufgeschlossenen Naturschutzverbänden werden wir uns für angepasste Schalenwildbestände einsetzen und damit einen ganz gewichtigen Beitrag für eine klimastabile Entwicklung unserer Wälder leisten. Dass „der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt“ ist in der Zeit des Klimawandels und des erforderlichen Waldumbaus richtiger denn je.

Quellen:
Zur PM des BJV: https://www.presse-blog.com/
Zur Ernährung des Rehwildes , Studien von PD. Dr. König, A., Scheingraber, M. & Mitschke J.: http://wildbio.wzw.tum.de/ (pdf)
https://www.wildtierportal.bayern.de

Wald hat im Waldsterben 2.0 nur bei angepassten Schalenwildbeständen eine Chance! Wald ist mehr als Kulisse für die Jagd!
Pressemitteilung des ÖJV Bayern
Zukunft des Waldes steht und fällt mit a
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Über den ÖJV

Der Ökologische Jagdverein ist ein 1988 gegründeter Jagdverband, der sich der ökologischen Jagd verpflichtet hat. Der ÖJV reformiert aktiv das deutsche Jagdwesen und trägt dazu bei, dass die Jagd auch in Zukunft in der Gesellschaft Akzeptanz findet.
Der ÖJV sieht die Jagd als eine legitime Form der nachhaltigen Naturnutzung an. Die Ökologie soll dabei als wertfreie Wissenschaft Grundlagen für die Jagd liefern, von der Waldbau, Natur-, Arten- und Tierschutz betroffen sind. Aufgabe der Jagd ist es, in der Kulturlandschaft ökologische und unzumutbare ökonomische Schäden zu verhindern und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. Demzufolge muss beispielsweise das Schwarzwild wegen seiner Schäden in der Landwirtschaft oder Schalenwild wie Rehe wegen ihrer Schäden im Wald reguliert werden.

http://www.oejv-bayern.de

Ökologischer Jagdverein Bayern e. V.
Dr. Wolfgang Kornder
1. Vorsitzender
Tel.     09842 951370
Email    kornder@oejv.de    

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91478 Markt Nordheim