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Pressemitteilung des Ökologischen Jagdvereins Bayern e.V.

Reguläre Jagd wird zur „Mobilmachung“ und „Aufrüstung“!

Interessen des Waldes und des Artenschutzes werden ignoriert

  • Erhöhter Gamsabschuss in der Kürnach ist angemessen.  
  • Staatliches Vegetationsgutachten untermauert Anhebung des Abschusses
  • Gefordertes Monitoring ist derzeit nicht vorgeschrieben.


Wenn man den BJV und andere Mitstreiter von der Schalenwildhegelobby in Zusammenhang mit einer ganz normalen Abschussfestsetzung von „Mobilmachung“ und „Aufrüstung“ reden hört, spürt man schon, wie emotional geleitet die Verlautbarungen dieser Verbände sind. Eine kritische Betrachtung ist deshalb  notwendig.

Der Bayerische Jagdverband (BJV) und die anderen Mitstreiter pochen auf ein Monitoring, das in der FFH-Richtlinie vorgeschrieben sei. Allerdings übersehen sie, dass für Arten des FFH-Anhangs V, zu der die Gams gehört, in der Bundesrepublik Deutschland derzeit kein Monitoring notwendig ist, sondern auf „Experteneinschätzung“ verwiesen wird. Denn in Anhang V sind Arten aufgeführt, deren Nutzung unter der Voraussetzung der Aufrechterhaltung eines günstigen Erhaltungszustands erlaubt ist. Folglich ist eine Bejagung der Gemsen zugelassen und ihr Erhaltungszustand gut. Von Ausrottung kann keine Rede sein. Ein brandaktueller Forschungszwischenbericht des Staatsministeriums zum Erhaltungszustand der Gams unterstreicht dies.

Des Weiteren ignorieren sie die Ergebnisse des staatlichen Forstlichen Gutachtens zur Situation der Waldverjüngung, die einen höheren Gamsabschuss in der Kürnach bei Kempten schon länger nahelegen.

Auch grundsätzlich verwundert das Lamentieren dieser Verbände, da zu hoher Verbiss an jungen Waldbäumen in einer Zeit zunehmender Waldschäden durch die Klimaerwärmung als Alarmsignal ernst genommen werden sollte. Denn sowohl der Walderhalt als auch die Artenvielfalt in unseren Wäldern werden durch überhöhte Schalenwildbestände beeinträchtigt oder gar gefährdet.
Auch dass die Süßwassermolasse in der Kürnach, ohne Felspartien und fast ohne Offenland „natürlicher Lebensraum“ der Gemsen sein soll, entbehrt jeder fachlichen Grundlage. Diese Einschätzung entspricht wohl eher einem Wunschdenken.

Wir erachten es zudem als sehr fragwürdig, die Interessen der Jagdrechtsinhaber, also der Waldbesitzer, einfach vom Tisch zu wischen. Deren Interessen an angepassten Wildbeständen zugunsten des Walderhalts und des dringend nötigen Waldumbaus haben besonderes Gewicht, denn sie sind dafür verantwortlich.

Der ÖJV Bayern sieht keinen vernünftigen Grund, den erhöhten Gamsabschuss in der Kürnach zu kritisieren und unterstützt die nach unserer Einschätzung immer noch zu geringe Erhöhung.


Dr. Wolfgang Kornder
(1. Vorsitzender ÖJV Bayern)



Quellen:
Zur BJV-Pressemitteilung (lifepr.de)
Zu Wildes Bayern e.V. und anderen Mitstreitern (Augsburger Allgemeine)
BFN FFH-Richtlinie (bfn.de)
Zum brandaktuellen Forschungsbericht „Der Gams geht´s gut´" (StMELF)

Reguläre Jagd wird zur „Mobilmachung“ und „Aufrüstung“!
Interessen des Waldes und des Artenschutzes werden ignoriert.
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Über den ÖJV

Der Ökologische Jagdverein ist ein 1988 gegründeter Jagdverband, der sich der ökologischen Jagd verpflichtet hat. Der ÖJV reformiert aktiv das deutsche Jagdwesen und trägt dazu bei, dass die Jagd auch in Zukunft in der Gesellschaft Akzeptanz findet.
Der ÖJV sieht die Jagd als eine legitime Form der nachhaltigen Naturnutzung an. Die Ökologie soll dabei als wertfreie Wissenschaft Grundlagen für die Jagd liefern, von der Waldbau, Natur-, Arten- und Tierschutz betroffen sind. Aufgabe der Jagd ist es, in der Kulturlandschaft ökologische und unzumutbare ökonomische Schäden zu verhindern und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. Demzufolge muss beispielsweise das Schwarzwild wegen seiner Schäden in der Landwirtschaft oder Schalenwild wie Rehe wegen ihrer Schäden im Wald reguliert werden.

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